Die EU hat in diesem Jahr die CO2-Regularien deutlich verschärft. Um die strengen CO2-Flottengrenzwerte zu erreichen, müssen die Autohersteller viel mehr lokal emissionsfreie Elektroautos verkaufen, sonst drohen hohe Strafzahlungen. Deshalb wird 2025 „das Jahr der Elektrorabatte“, glaubt der ehemalige VW-Vorstand Jürgen Stackmann.
Die Angebotspreise für Elektroautos seien schon 2024 um 10 bis 15 Prozent gegenüber 2023 gesunken. „Ich erwarte, dass die Hersteller noch einmal um 5 bis 10 Prozent heruntergehen, vor allem bei den Leasingraten. Zumindest solange die Banken das Spiel mitmachen“, sagte Stackmann im Gespräch mit dem Manager Magazin.
Gerade die deutschen Hersteller müssten ihren Anteil an verkauften Vollstromern und Plug-in-Hybriden in etwa verdoppeln, um die neuen Flottenverbrauchsziele zu erfüllen. Die drohenden Strafen seien so hoch, dass bei manchen Herstellern der gesamte Profit an die EU zu überweisen wäre, wenn sie die gleichen Autos mit den gleichen Antrieben und den gleichen Stückzahlen verkaufen würden wie in diesem Jahr. Also müssten sie aktiv gegensteuern.
„Ich vermute, dass wir im ersten Quartal sehr gute Angebote sehen. Im zweiten Quartal wird es dann eine Pause geben, und im dritten geht es noch einmal richtig rund. Im vierten Quartal hat man eigentlich keine Chance mehr, die Verkäufe noch großartig anzukurbeln“, so Stackmann. Umgekehrt vermutet er, dass die Preise für Verbrennermodelle im Laufe des Jahres sogar steigen werden, um in Summe die Profitabilität zu stützen.
2025 „ein alles andere als lustiges Autojahr“
Es könnte laut dem Branchenveteran sein, dass Hersteller sogar Verbrenner zurückhalten und den Kunden die Autos verweigern, die sie gerne hätten. Davon sei bei einigen Anbietern auszugehen, und das koste sie Gewinn. 2025 werde für alle Beteiligten „ein alles andere als lustiges Autojahr“. Ob Hersteller, Importeure oder Händler, das Neuwagengeschäft hinterlasse schon jetzt „graue Haare“.
Ab 2035 sollen in der EU keine Verbrenner mehr mit CO2-Emissionen neu zugelassen werden. Das bedeutet in der Praxis den Umstieg auf Elektro- und Wasserstofffahrzeuge. Zuletzt wurden aus Wirtschaft und Politik Stimmen laut, die Pläne anzupassen. „Es gibt, denke ich, zurzeit keine Notwendigkeit, dieses Ziel zu hinterfragen“, meinte Stackmann. „Wenn ich Politiker wäre, würde ich die mittelfristigen CO2-Ziele beibehalten, die Hersteller investieren ja massiv in neue Technik und elektrifizierte Produkte.“
Allerdings brächen bei fast allen gerade die Ergebnisse ein. Wenn VW Werksschließungen androhe und Zulieferer Tausende Stellen strichen, könne die Politik das nicht ignorieren. Da müssten und würden Berlin und Brüssel reagieren. Kurzfristig könnte die EU etwa Strafzahlungen im Jahr 2025 aussetzen, sagte Stackmann. Langfristig sollte die EU die Nachfrage für Elektroautos und Plug-in-Hybride stützen, für niedrigere Nutzungskosten sorgen und den Aufbau von Ladeinfrastruktur beschleunigen.
Stackmann erwartet einige Jahre „mit historisch schlechter Profitabilität“ bei den europäischen Automobilherstellern. Das liege auch daran, dass das Geld aus China nicht mehr so fließe wie in der Vergangenheit. „Das Spiel ist vorbei. Und zwar nicht nur für ein Jahr, sondern strukturell. Wachstum muss in neuen Märkten wie Indien, dem Mittleren Osten, Asien/Pazifik und den USA erzielt werden – aber auch das braucht eben Zeit.“
Zu den seit 2024 geltenden Strafzöllen in der EU auf E-Autos aus chinesischer Produktion meinte Stackmann, dass diese „keine gute Idee“ seien. China werde mit Sicherheit antworten, sollten sich die Zölle hier manifestieren. Das treffe primär die deutsche Autoindustrie schwer, gerade die Premiumhersteller.


Gerry meint
2025 wird ein Rekordjahr für BEV 👍.
Und ein Minusrekordjahr für Verbrenner.
Alles andere wäre auch selten d.u.m.m.
Future meint
Die Party beginnt. Aber:
Was passiert, wenn die Europäer die Autos trotz der Rabatte immer noch nicht kaufen wollen?
Es ist doch nicht so, dass wegen der 15 Prozent jetzt alle auf einmal großes Vertrauen in die Elektromobilität entwickeln.
Jörg2 meint
Dann sind da, außerhalb des Privatkäufermarktes, ja sehr hohe Marktanteile im Flottengeschäft (Leasing z.B.).
Future meint
Die ganzen Außendienstler könnten sich doch durchaus auch weigern, auf Elektro umzusteigen. Die denken doch auch nicht viel anders als die Privatiers. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.
embee meint
nein. immer mehr Firmen setzen ausschließlich auf Elektro
die Weigerung bestünde in der eigenen Kündigung
Im Arbeitsvertrag steht sicher auch kein Recht auf eine fahrende Heizung
Gurke meint
Wer bei uns keinen Tesla will, bekommt überhaupt kein Auto.
So, und nun alle schön drüber aufregen. Tut mir leid, ist aber nun mal so.
Future meint
Ist das wirklich so? Fachkräfte sind doch Mangelware und können ihre Forderungen stellen. Ich bin aber auch für den Zwang zum Elektroauto. Die werden sich eben daran gewöhnen müssen.
Mein Liferant von DHL weigert sich bis heute, elektrisch zuzustellen. Aber er ist auch noch Postbeamter und hat so seine Privilegien.
Mäx meint
Und dann greift doch immer noch der erste Teil des Satzes.
Immer mehr Firmen setzen mindestens mal für das Image auf Elektro.
Somit muss ich aus dem Grund kündigen, einen neuen Job in der Gegend finden wo ich auch direkt einen Firmenwagen bekomme der dann nicht Elektro ist.
Ziemlich viele Soll-Bedingungen nur um nicht Elektro fahren zu müssen.
Außerdem ist Ladezeit ja Arbeitszeit wird man sich dann noch denken.
Kenne da auch so einen Postboten. Aber irgendwann wird es wohl so weit sein oder er bekommt eine andere Route wo elektrisch noch nicht geht.
Future meint
Da Deutschland also vor allem ein Dienstwagenmarkt ist, wäre es eigentlich schlau, die Unternehmen zu zwingen, eine hohe Elektroautoquote zu erfüllen. So könnten sich alle Nutzer entspannt daran gewöhnen und nachher gibt es auch noch mehr Gebrauchtfahrzeuge für die breite Masse.
Mäx meint
In etwa so funktioniert der einzuhaltende Flottenverbrauch ;)
libertador meint
Wenn niemand die Autos kaufen will, dann gibt es Strafzahlungen oder die EU ändert die Regelungen.
embee meint
wer ist denn „niemand“?
weil die Statistiken und mein Blick auf die Straße sagen etwas anderes
libertador meint
Es ging um die zusätzlichen Verkäufe, die notwendig wären, um die Flottengrenzwerte einzuhalten und die offensichtliche Antwort auf die Frage, was bei (absehbarer) Verfehlung passiert.
Dass niemand E-Autos kaufen würde, ist natürlich Quatsch und nicht gemeint.
embee meint
„auf einmal alle“ wird auch nicht passieren. Käufe geschehen immer verzögert und nicht alle rennen schlagartig auf einmal los
da gibt es Kurven. prognostizierte, die sich sehr gut mit den real eingetretenen decken. Verkäufe von Verbrennern werden immer weniger und Elektroautos legen stetig zu.
z.B. hat BMW in Deutschland 18 % seiner Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb verkauft.
2023 und 2024 war welches Auto das meistverkaufte der Welt? ein E Auto
Rabatte gibt es übrigens nicht nur bei E Autos! bei mydealz sind ständig Verbrenner dabei, die nahezu verramscht werden
hu.ms meint
„2023 und 2024 war welches Auto das meistverkaufte der Welt? ein E Auto“
Und wieviel % aller weltweit verkauften autos waren BEV ?
hu.ms meint
Sehr ich ähnlich. Einige hersteller müssten ihren BEV-anteil fast verdoppeln auf über 20%.
Wenn aber die käufer keine BEV wollen – auch nicht zum gleichen preis wie stinker – wird es wohl schwierig werden.
Zwar sehe ich bei ca. 30 % der PKW-halter – besonders auf dem land – keine ladeprobleme, aber wie schon mehrfach geschrieben, sollte die politische komponente (grundeinstellungen) nicht unterschätz werden. Stichwort: Windräder weg.
Future meint
Genau. Es geht eben bei der Elektromobilität bei weitem nicht nur ums Geld.
Es geht um Haltung. Und da ist es wie mit der Windkraft. Die Vorurteile sind viel zu hoch und man möchte so leben wie früher in der guten alten Zeit.
Steffen meint
Dann kommt halt irgendwann auch bei uns die Zulassungssteuer wie in Norwegen. Das wirkt dann schon.
Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber die Corona-Querdenker-Schwurblerin hatte dann auch plötzlich ihre Corona-Impfung, als man nicht mehr überall rein durfte ohne Impfung.
Future meint
Manche Schwurbler hat man an den langen Haaren erkannt, weil die halt nicht mehr beim Frisör rein durften ohne Maske ;-)
brainDotExe meint
Ich muss sagen der Mann hat mir vielen recht.