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Projekt „OctoFlexBW“: Schwarmspeicher aus 700 Elektroautos erprobt

27.03.2026 in Aufladen & Tanken von Thomas Langenbucher | 6 Kommentare

TransnetBW_BEV

Bild: TransnetBW

TransnetBW und Octopus Energy haben ihr Pilotprojekt OctoFlexBW abgeschlossen. Alle digitalen und energiewirtschaftlich konformen Prozesse sind demnach erfolgreich aufgebaut worden, um das Flexibilitätspotential von über 700 Elektrofahrzeugen für die Erbringung von „Redispatch“ zu heben.

„Mit der Integration der Elektrofahrzeuge aus Privathaushalten haben TransnetBW und Octopus Energy eindrucksvoll gezeigt, dass die von uns verfolgte marktliche Lösung für das Netzengpassmanagement einwandfrei funktioniert und für den Markthochlauf bereit ist. Nun gilt es, das bestehende kostenbasierte Redispatch-Regime auf Basis der Erkenntnisse aus dem OctoFlexBW-Projekt um eine marktbasierte Komponente, also ‚Redispatch 3.0‘, für dezentrale Flexibilität zu erweitern“, so Oliver Strangfeld vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW.

Mit einer Flotte von 700 Elektrofahrzeugen habe das Projekt bereits eine tägliche Abrufmenge von 2 Megawattstunden (MWh) realisieren können. Hochgerechnet auf eine Million Stromer entspräche dies einer Kapazität von 3 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Die Auswertung zeigt: Schon eine Million E-Fahrzeuge können durch intelligente Steuerung jährlich bis zu 0,5 Terawattstunden (TWh) Energie für das Stromnetz bereitstellen und damit 3 bis 5 Prozent des gesamten jährlichen Redispatch-Bedarfs in Deutschland kostengünstig decken.

Auch weitere dezentrale Flexibilitätspotenziale, wie aus Wärmepumpen, Heimspeichern und Klimatechnik, können in Zukunft einen signifikanten Beitrag zum Netzengpassmanagement leisten. Nun gilt es laut den Projektverantwortlichen, dieses Potenzial netzdienlich zu nutzen, um perspektivisch den Redispatch-Kosten zu senken und gleichzeitig Treibhausgasemissionen zu vermeiden, da weniger fossile Kraftwerke hochgefahren werden müssen.

„Echter finanzieller Anreiz für die Menschen“

„Verbraucher sind heute schon der größte Treiber der Elektrifizierung in Deutschland. Jetzt haben wir die Wahl: Entweder bezahlen die Verbraucher den teuren Redispatch. Oder sie stellen ihre Flexibilität zur Verfügung und lassen sich bezahlen. Wenn wir Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Speicher intelligent einbinden, entlasten wir nicht nur das System, sondern schaffen einen echten finanziellen Anreiz für die Menschen. Zusammen mit TransnetBW haben wir gezeigt, dass das keine Zukunftsmusik ist. Wir können solche Lösungen hier und heute implementieren. Alles, was wir dafür brauchen, ist eine freie Bahn in der Regulatorik und ein Smart Meter in jedem Haushalt”, sagt Bastian Gierull, deutscher CEO von Octopus Energy.

Die Rückmeldungen der teilnehmenden E-Fahrzeug-Fahrer aus privaten Haushalten sind laut Octopus Energy durchweg positiv. „Im OctoFlexBW-Projekt zeigte sich, dass die meisten Kunden die netzdienliche Steuerung gar nicht bemerkt haben. Sie konnten zu jederzeit angeben, wann ihr Elektrofahrzeug wieder geladen sein sollte, und mussten so keine Komforteinbußen hinnehmen“, heißt es. In einem speziellen Tarif von Octopus Energy profitierten sie von „deutlich“ günstigeren Ladepreisen.

So lief das Projekt OctoFlexBW ab

Octopus Energy plant die Ladevorgänge seiner Kunden so, dass die Batterie am Morgen ausreichend geladen ist und der Ladevorgang möglichst günstig erfolgt. Zusätzlich wird das Verschiebepotenzial mithilfe der IT-Plattform „KrakenFlex“ ermittelt. Diese sendet die aggregierten Informationen an die TransnetBW-Plattform DA/RE („DAtenaustausch/REdispatch“). Im Falle einer prognostizierten Netzüberlastung stellte die Systemführung von TransnetBW über DA/RE ein entsprechendes Abrufsignal zur Verfügung. KrakenFlex übersetzte dieses Signal in eine angepasste Ladestrategie und nutzte es zur Koordination der angeschlossenen Elektrofahrzeuge.

„Die verbindlich von Octopus Energy abgerufenen Kapazitäten bzw. Lastverschiebungen dienten somit der Netzstabilität, während die Kundinnen und Kunden von günstigeren Stromkosten für das Laden ihres Elektrofahrzeugs profitierten“, so das Unternehmen. „Die sehr schnelle Umsetzung dieser komplexen Prozesskette, die von der Wallbox in der heimischen Garage bis in die Systemführung von TransnetBW reicht, wurde durch die Kopplung der beiden IT-Plattformen DA/RE und KrakenFlex ermöglicht.“

„Im Rahmen von OctoFlexBW wurden alle End-to-End-Prozesse vollständig aufgebaut, getestet, integriert und automatisiert. Auch die Bilanzierung wurde erfolgreich getestet. Die Steuerung der Ladevorgänge funktionierte zuverlässig und alle Fahrzeuge stellten im Bedarfsfall die angeforderte Flexibilität bereit. Im Projekt wurden wertvolle Daten und Erkenntnisse gesammelt“, heißt es weiter.

Die Zusammenarbeit von TransnetBW und Octopus Energy wird im Forschungsprojekt „DataFleX“ fortgesetzt. Dabei sollen „weit über 1.000 Elektrofahrzeuge“ zur Bereitstellung von Flexibilität angeschlossen und in die Bilanzierung integriert werden. Auch Heimspeicher werden in das Projekt integriert. Wichtig ist laut den Kooperationspartner nun ein regulatorischer Rahmen für die Anerkennung der Abrufkosten für Übertragungsnetzbetreiber, um das Potenzial haushaltsnaher Flexibilitäten für das Gesamtsystem zu heben und damit perspektivisch die Netzentgelte zu senken.

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Via: Octopus Energy
Tags: Kosten, Ladestationen, StromversorgungUnternehmen: Octopus Energy, TransnetBW
Antrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. R2D2 meint

    27.03.2026 um 15:50

    Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion.

    Antworten
  2. Jörg2 meint

    27.03.2026 um 15:15

    Ich habe es jetzt 2x gelesen…

    Unter „Schwarmspeicher“, also unter „Speicher“ in Verbindung mit „Netz“ hätte ich jetzt mehr ein System verstanden, was nicht nur aus dem netz nimmt, sondern auch zurückläd.

    Hier wird doch mehr eine Plattform beschrieben, die den Ladezeitpunkt fremd steuert.

    Braucht es das? Reicht nicht ein deutliches Preissignal (von mir aus mit 24 Stunden Vorplanung) und Fahrzeuge, welche am Kabel hängen, werden über die eigene Wallboxsteuerung geladen (von mir aus auch dump und aufwändiger über die Ladezeitvorwahl des Autos). Für solch Automatisierungen braucht es doch keine Plattform, oder?
    (Das gleiche Preissignal ist dann auch für die Befüllung von Hausspeichern nutzbar.)

    Antworten
  3. Daniel S meint

    27.03.2026 um 10:39

    1 Million BEV leisten 3-5% des Redispatch Bedarfs. 10 Millionen BEVs …
    Solche preissenkende und umweltdienliche Instrumente gehören zügig umgesetzt. Und Smartmeter dazu. Da ist D noch auf Drittwelt Niveau. Warum eigentlich?

    Antworten
    • David meint

      27.03.2026 um 12:10

      Kannst du dir doch selber beantworten: Weil es keinen Akteur gibt, der diesen Wert der Resilienz des Netzes und Entlastung der Trassen versteht und mit Macht durchsetzen kann. Das müsste eigentlich das Wirtschaftsministerium sein. Nur versteht sich das seit jeher im Wesentlichen als Kurklinik für gestrige Industrien und Geschäftsmodelle. Unter Habeck neu dazugekommen war noch die Funktion als Risikokapitalgeber. Aber geändert hatte sich nichts. Außer dass der jetzige Amtsinhabende wenigstens eine wirtschaftliche Ausbildung hat.

      Antworten
      • Werner Mauss meint

        27.03.2026 um 13:45

        David, ich bin überrascht, dass es von dir doch nochmal einen Artikel gibt, in dem Tesla nicht erwähnt wird und dem ich voll zustimmen kann.

        Antworten
      • Gasbremse meint

        27.03.2026 um 14:45

        Die Amtsinhabende mag eine wirtschaftliche Ausbildung haben.
        Man merkt nur nix davon. Weil: Was sie definitiv nicht hat, sind Ideen wie die Redispatch Rate mittels BEV hochzutreiben. Das braucht sie nicht, weil ihre Gaskraftwerke (bald zu 70% gestiegenen Kosten) den Job übernehmen.

        Antworten

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