MG will seine Stellung als meistverkaufte chinesische Marke in Europa mit britischer Historie, bezahlbarer Technik und lokaler Verankerung sichern. Der Anbieter gehört zu SAIC, das den einst britischen Hersteller 2007 übernahm. Seit der Expansion vom Vereinigten Königreich auf das europäische Festland im Jahr 2020 in der modernen Form ist MG deutlich gewachsen. 2025 stiegen die europäischen Verkäufe Analysten zufolge um 26 Prozent auf 307.282 Fahrzeuge.
MG-Europachef William Wang stellt die hundertjährige Geschichte der Marke im Gespräch mit Automotive News als zentralen Unterschied zu anderen neuen Herstellern heraus. Zugleich setzt MG auf weiterentwickelte Technik zu erschwinglichen Preisen. Noch in diesem Jahr sollen Semi-Festkörperbatterien eingeführt werden, zunächst im kompakten Elektroauto MG4 EV Urban. Bei Kälte, auch bei minus 10 oder minus 20 Grad, soll der MG4 EV Urban weniger Reichweitenverlust zeigen als Stromer mit den sonst im Einstiegssegment zunehmend üblichen LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat).
Weitere Technikschritte betreffen intelligente Fahrwerkssysteme, darunter kontinuierlich geregelte Dämpfer, Brake-by-Wire und Drive-by-Wire. Auch künstliche Intelligenz wird als Vorbereitungsthema genannt. Wang rechnet damit, dass in zehn Jahren die Hälfte der Autos auf der Straße autonom fahren könnte. Gegenüber europäischen Herstellern wie Volkswagen, Skoda und Renault sieht MG die Notwendigkeit, schneller zu handeln: „Du kannst nicht schlafen“, unterstreicht der Manager.
Beim Antriebsangebot will MG der Kundennachfrage folgen. Verbrenner bleiben im Programm, wenn Kunden sie wünschen. Hybride werden dabei als Verbrenner mit niedrigem CO2-Ausstoß eingeordnet und bleiben Teil des Modellmixes. Preislich sieht Wang die Marke nicht stark genug, um Premiumpreise durchzusetzen. Vorrang hat für ihn, mehr MG-Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen, statt den Gewinn je Fahrzeug zu maximieren.
EU-Fertigung ab 2027 möglich
MG plant eine Produktion in Europa. Bei einem aktuellen Umfang von rund 300.000 europäischen Verkäufen pro Jahr hält Wang eine Lokalisierung für sinnvoll. Die Fertigung könnte bereits im kommenden Jahr beginnen, abhängig davon, wie schnell die Pläne abgeschlossen werden. Der Standort soll in der Europäischen Union liegen, um Zölle zu vermeiden. Eine engere Auswahl gibt es bereits, berücksichtigt werden sollen Lieferanten, staatliche Unterstützung und langfristige Tragfähigkeit.
Die Nutzung eines bestehenden Werks wird als schwierig beschrieben. Freie Kapazitäten gebe es zwar, doch Eigentümer wollten diese nicht unbedingt mit MG teilen – politisch sei dies schwer. Eine Fertigung in Europa würde die Kosten deutlich erhöhen, weil Arbeit und Teile teurer seien und die Logistik komplex sei. MG will deshalb die Marke aufwerten und mehr Wert bieten, statt ausschließlich über den Preis zu konkurrieren. Elektroautos sollen bei der lokalen Produktion Priorität haben, vor allem wegen der EU-Zölle.
Die europäische Fertigung soll schrittweise aufgebaut werden. Dabei müssen Batteriefragen, hochwertige Komponenten und die Lieferkette geklärt werden. Beim Batteriebedarf verweist Wang auf Ursprungsregeln und bestehende Verbindungen zu Tier-1-Zulieferern. Zudem verfügt SAIC mit Yangfeng in der EU über einen Zulieferer für Teile wie Cockpits und Stoßfänger. Lokal produzierte Fahrzeuge könnten je nach Modellmix und lokalem Inhalt höher positioniert werden.
Deutschland im Visier
Deutschland gilt neben dem Vereinigten Königreich als wichtiger Markt. Großbritannien steht für ein Viertel des europäischen MG-Volumens. Deutschland wird als stärker umkämpft beschrieben, bietet aber Wachstumspotenzial. MG will von Partnern wie Volkswagen lernen, zugleich formuliert Wang den Anspruch: „Der Student möchte den Lehrer übertreffen.“
Die Modellpalette soll binnen zwei Jahren von 11 auf etwa 17 oder 18 Modelle wachsen. Bieten will man kleine Autos, große SUVs, Verbrenner, Hybride, Plug-in-Hybride, vollelektrische Fahrzeuge und Nischenmodelle wie den elektrischen Sportwagen Cyberster.
MG stellt niedrige Fahrzeugpreise und ein gutes Angebot für Kunden über hohe Margen pro Auto. Bei einigen Modellen gibt es einen positiven Deckungsbeitrag, Elektroautos bleiben jedoch negativ. Wang nennt als Beispiel, dass 500.000 Verkäufe möglich wären, dies aber einen Verlust von 1 Milliarde RMB oder 125 Millionen Euro bedeuten könnte. Die Margen seien sehr dünn, Zölle kämen als weitere Belastung hinzu. Neue Vertriebsmodelle wie Agentur- oder Direktvertrieb bleiben offen. Derzeit bevorzugt MG laut dem Europachef einen stabilen Ansatz mit physischen Showrooms, weil Kunden persönliche Beratung weiterhin schätzten.


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