Die deutsche Batterieproduktion hat im Jahr 2025 ein Rekordniveau erreicht. Laut Angaben des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) stieg die Herstellung um 11 Prozent auf einen Höchststand von 8,1 Milliarden Euro.
Besonders stark entwickelte sich dabei das Segment der Lithium-Ionen-Batterien, dessen Produktion um 28 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro zunahm. Als wesentliche Faktoren für diesen Anstieg werden die steigende E-Auto-Produktion in Deutschland sowie eine hohe Nachfrage im Speichermarkt genannt.
Gleichzeitig beobachtet die Elektroindustrie eine zunehmende Abhängigkeit von China. Die Importe von Batterien aus der Volksrepublik stiegen 2025 um ein Viertel auf etwa 11 Milliarden Euro an. China fungiert damit als Hauptlieferant für Deutschland und übertrifft andere europäische Länder wie Ungarn.
Während Europa etwa bei Bleibatterien laut dem ZVEI resilient aufgestellt ist, bestehe vor allem bei Lithium-Ionen-Batterien eine hohe Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten. „Wenn diese unterbrochen werden oder einzelne Regionen ihre Exporte kurzfristig komplett einstellen, wird klar, wie verletzlich wir sind, insbesondere in kritischen Sektoren wie der Verteidigung oder bei Rechenzentren“, warnt Gunther Kellermann, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Batterien.
Die Stärkung der heimischen Produktion ist ein strategisches politisches Ziel und Teil des Wandels zur E-Mobilität. Die Branche unterstütze das europäische Ziel, bis 2030 mindestens 40 Prozent des jährlichen Bedarfs an Batteriezellen aus Eigenproduktion zu decken, so der ZVEI. Der Verband lobte hierfür die Forschungsförderung durch die Hightech Agenda der Bundesregierung. Ohne Planungssicherheit entstehe daraus jedoch keine industrielle Wertschöpfung. „Statt punktueller Kaufprämien brauchen wir verlässlich niedrigere Strompreise für alle und flexible Energiemodelle, die Speichertechnologien einbeziehen“, so der ZVEI-Sprecher.
Mit Blick auf die wachsende Abhängigkeit von außereuropäischer Produktion sei nun entschlossenes Handeln gefragt. Kellermann: „Die Batterieindustrie steht am Scheideweg: Wenn es jetzt nicht gelingt, gute Rahmenbedingungen und einen fairen Wettbewerb zu schaffen, sowie eine Strategie für unser Batterieökosystem zu entwickeln, könnten wir die industrielle Batterieproduktion auf dem europäischen Kontinent unwiederbringlich verlieren.“

Gernot meint
Bei Lithium-Batterien ist der Zug vermutlich abgefahren. Es geht weniger um die Produktion. Energie und Arbeit sind hierzulande zwar teurer, aber das wird durch entfallenden Zoll und entfallende Transportkosten ausgeglichen. Eine Fahrzeugbatterie wiegt je nach Kapazität 200-600 kg. Das bekommt niemand für 10 Euro von China nach Europa transportiert. Entsprechend wäre eine Produktion hier aufbaubar. Es geht eher um Rohstoffe, Vorprodukte, also Lieferketten, die wir für Lithium (,Nickel, Mangan, Cobalt, ..) nicht aufgebaut haben.
Wir müssten versuchen, bei Natrium-Ionen-Batterien führend zu werden, ggf. auch bei Festkörperbatterien. Bei Natriumzellen hätten wir im ersten Schritt schon jetzt einen Bedarf von 100 GWh pro Jahr allein für stationären Speicher. Im zweiten Schritt muss man dann schauen, die Energiedichte so zu erhöhen, dass es auch für Fahrzeuge reicht. CATL und andere sind felsenfest überzeugt, dass das geht.
Aber den deutschen CEO ist der nächste Quartalsgewinn weitaus wichtiger als die langfristige Zukunft der Unternehmen. VW will auch schon wieder Investitionen zusammenstreichen und dann gehen wir halt unter. Es bräuchte jetzt Investitionen in die Zukunft, auch wenn man dann mal 2 Jahre Verluste schreibt.
MK meint
@Gernot:
Wenn Sie den Artikel noch mal genau lesen, steht dort, dass man Lithium-Ionen Akkus im Wert von 11 Milliarden € importiert habe, aber auch (kurz vor Anlauf der VW Fabrik in Salzgitter) für 4,6 Milliarden € hierzulande hergestellt habe. So gigantisch wie es oft erscheint, ist der Unterschied also gar nicht und wird mit dem Hochlauf bei VW in Salzgitter und der geplanten Ausweitung bei Tesla in Grünheide also vielleicht sogar schrumpfen.
Auch was die Lieferketten angeht, sehe ich es etwas anders als Sie: Auch wenn ich auch der Meinung bin, dass es fatal war, die Entwicklungshilfe z.B. für Afrika so zusammenzustreichen und damit China das Feld da kampflos zu überlassen, muss man beim Lithium ja gar nicht auf Importe angewiesen sein. Und hier beginnt die Förderung in Deutschland ja grade.
Matthias meint
Mal wieder erwähnen: Bereits 2011 bis 2015 wurden Lithium-Ionen-Zellen für Fahrzeuge in Deutschland hergestellt, von Daimler-Evonik-Tochter Litec in Kamenz. Nur der Smart ForTwo 451 Electric Drive der 3. Generation wurde damit bestückt, diese Autos sind jetzt bis zu 14 Jahre in Betrieb. Stückzahlen leider minimal, Kapazität überschaubar, aber Sicherheit dank Keramik-Trennschicht hervorragend.
Daimler selber ließ, wie schon beim Vorgänger-Smart ED2, beim ersten Elektro-Mercedes, der elektrischen B-Klasse, Tesla sowohl Zellen als auch Antriebsstrang zuliefern, jedoch ohne Supercharging-Funktion. Evonik ist alsbald ausgestiegen, niemand ist eingestiegen, und auch Daimler hatte 2015 keine Lust auf Zellproduktion mehr zumal der Dieselverkauf gerade sehr gut lief, wie geschmiert quasi. 10 Jahre verschenkt bis wieder Zellen für Autos in Deutschland hergestellt wurden. Man stelle sich vor eine deutsche Firma wäre schon Jahren vor Tesla durch die „Produktionshölle“ gegangen, hätte die Zellen-Herstellung erfolgreich hochskaliert, und hätte nun einen Marktwert von 1000 Milliarden Euro, anstatt nur 55 oder so.
South meint
Auch hier vermittelt die Überschrift ein falsches Bild, denn die höchste Produktion ist quasi beim Hochlauf der eMobilität ja schon fast ein Minimalziel. Die echte Frage ist doch, kann die Accuproduktion im Inland mit dem Hochfahren der eMobilität und der Heimspeicher mithalten, also sinkt die Abhängigkeit vom Ausland? Und da muss man leider ganz klar sagen, nö, die Lücke vergrößert sich sogar noch….