Stella Li, Vizechefin von BYD, hat die geplante „Local-Content“-Quote der Europäischen Union scharf kritisiert. Am Rand der Automesse in Peking bezeichnete sie die vorgesehene Regelung kürzlich laut dem Spiegel als „eine recht verrückte Regulierung“, nannte sie schwer umsetzbar und sagte, dass sie vielen Firmen schaden werde. Zugleich forderte sie, die Politik solle sich stärker aus der Automobilindustrie heraushalten.
Die Local-Content-Regelung ist Teil des „Industrial Accelerator Act“ der EU-Kommission, der Anfang März 2026 offiziell vorgestellt wurde. Geplant ist, dass Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge staatliche Förderprämien künftig nur erhalten, wenn sie in der Europäischen Union montiert werden und mindestens 70 Prozent ihrer Komponenten, gemessen am Preis, aus EU-Fertigung stammen. Bislang ist das Vorhaben ein Vorschlag der EU-Kommission, Parlament und Rat der Mitgliedstaaten müssen sich noch damit befassen.
Ab dem dritten Jahr nach Einführung sollen dem Vorschlag zufolge auch die Batteriezellen selbst sowie das aktive Kathodenmaterial aus der EU oder dem europäischen Wirtschaftsraum stammen. Die Batterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos. Bei nahezu allen Herstellern kommt sie bislang überwiegend aus asiatischer Produktion. EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné begründet den Vorstoß als Schutzmaßnahme für die europäische Industrie, die gegenüber Regionen mit niedrigeren Lohn- und Energiekosten strukturell benachteiligt sei.
Li ist bei BYD für das globale Geschäft außerhalb Chinas zuständig. Trotz ihrer Ablehnung traut sie dem chinesischen Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden zu, die neue EU-Regel einhalten zu können. Dazu sagte sie: „Wenn unsere Konkurrenten das schaffen, schaffen wir es auch.“ BYD war 2025 mit 4,6 Millionen verkauften Autos weltweit der fünftgrößte Autokonzern und zugleich erstmals der erfolgreichste Hersteller reiner Stromer.
BYD ist nicht nur Auto- sowie Nutzfahrzeugbauer, sondern auch einer der weltgrößten Batterieproduzenten. Der Konzern aus Shenzhen begann ursprünglich als Batteriezulieferer und kontrolliert nach eigenen Angaben heute rund 70 Prozent seiner gesamten Lieferkette selbst, darunter Akkus, Elektromotoren und Fahrzeugelektronik.
In Europa baut BYD seine Präsenz schrittweise aus. In Ungarn entsteht ein Autowerk mit einer geplanten Investitionssumme von rund vier Milliarden Euro, das voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 die Produktion aufnehmen soll. In der Türkei ist ein weiteres Werk geplant, das Ende 2026 anlaufen soll. Zusammen kämen beide Standorte auf eine Kapazität von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Bereits im September 2025 hatte Li erklärt, BYD wolle bis 2028 alle für Europa bestimmten Elektroautos lokal produzieren. Konkrete Pläne für eine europäische Batteriefabrik hat der Konzern bislang nicht bekannt gegeben.

JuergenII meint
Das wird aber für VW kritisch, denn die wollen ja sämtliche neuen EV’s nur mehr in China entwickeln und dort auch bauen.
SB meint
Die westlichen Hersteller haben in China investiert, weil ihnen klar war, dass der Markt ohne erhebliche lokale Wertschöpfung für sie zugeht.
Endlich soll das andersrum auch passieren. Dieser Schritt ist für Europa richtig und wichtig. Natürlich schadet es Firmen – und zwar denen die meinen dass sie ihre Überproduktion aus chinesischen Werken nach Europa verschiffen und dort auch noch Subventionen abgreifen wollen.
Dafür profitieren Firmen mit einem klaren Bekenntnis zum Standort Europa. Wer sich zum Standort Europa bekennt, kann dort auch gutes Geld verdienen. Wer einseitig auf China setzen möchte, kann auch nur dort Geld verdienen.
M. meint
Nicht jammern, Stella, machen.
Andere schaffen das umgekehrt auch.
David meint
Ja, ist schon schlimm gemein, wenn die andern das machen, was man selber auch macht.