Volkswagen sieht sich bei zentralen Rohstoffen für Elektroautos langfristig abgesichert. Beschaffungsvorstand Karsten Schnake sagte kürzlich der Automobilwoche mit Blick auf Batterien: „Wir sind hier sehr langfristig abgesichert – eher zu viel als zu wenig.“ Der Konzern habe „extrem viel gesichert“, weil er mit einem schnelleren Hochlauf der Elektromobilität gerechnet habe.
Zugleich beschreibt der Manager Verschiebungen bei den Fahrzeugen und Antrieben. Es gebe Entwicklungen hin zu kleineren Fahrzeugen und Hybridantrieben. Dadurch würden die Batterien kleiner. Auch bei der Zellchemie verweist Schnake auf Veränderungen: Die niederenergetische Zelle setze sich zunehmend durch. Bei ihr lasse sich das Material im Vergleich zur Lithium-Eisenphosphat-Zelle (LFP) deutlich leichter absichern. Insgesamt sieht VWs Beschaffungsvorstand bei den entsprechenden Rohstoffen eher Entspannung.
Darauf angesprochen, wo er heute die größten strategischen Beschaffungsrisiken sieht – eher bei klassischen Rohstoffen oder bei Elektronik, Software und China‑abhängigen Wertschöpfungsstufen – erklärte der Manager: „Ich sehe keinen Rohstoff und kein Grundmaterial, das nicht unserer besonderen Aufmerksamkeit bedarf.“ Keiner wisse, welche geopolitischen Interessen morgen im Vordergrund stehen und wo der nächste Konflikt ausbricht. „Deshalb monitoren wir die Produkte und Vormaterialien komplett. Gemeinsam mit unseren Partnern erarbeiten wir alternative Szenarien.“
Mit Blick auf den Iran-Konflikt und mögliche Auswirkungen auf die Logistikketten sagte Schnake: „Wir hatten in den vergangenen Jahren ja schon mehrere Krisen: Halbleiterengpass, Nexperia, Einfuhrzölle in Nordamerika und nun der Nahostkonflikt. Krise ist für uns das neue Normal.“ Das Ziel des Unternehmens sei, die Abhängigkeit von einzelnen Regionen und Standorten insgesamt zu reduzieren.

Jörg2 meint
Der Artikel beginnt (sinngemäß): „Wir haben für die Zukunft alles sicher.“
Dann schwenkt es um in (wieder sinngemäß): „Keiner kennt die Zukunft.“
Aber egal…
„Sicher“ sind Einkäufe dann, wenn sie im Wareneingang sind. Vorher ist es Papier. Da sind dann irgendwelche Aufweichungsvereinbarungen und Regelungen über Vertragsstrafen bei Nichtlieferung drin.
Im Rohölsektor gerade schön zu beobachten: Vor langer Zeit und für lange Zeit zu „50“ vertraglich vereinbart. Jetzt ist der Marktpreis bei „100“. Ergebnis: Kundengruppen werden ausgetauscht, Langfristvereinbarungen werden ausgedünnt und neu bepreist.
Gerry meint
Warum dauert es dann so lang bis id1, id2 id.golf kommen wenn man genug Rohstoffe hätte ?
Das wären jetzt die Renner mit der aktuellen Elektroprämie 👍.
MK meint
@Gerry:
Ich stelle ja auch immer wieder die Frage, wie es zusammenpasst, dass man z.B. bei Cupra Born und VW ID.3 ewig lange Lieferzeiten für die Kunden vermeldet, aber gleichzeitig im produzierenden Werk Zwickau die Schichten reduziert und Mitarbeiter abgebaut hat…eine vernünftige Antwort habe ich darauf noch nie bekommen. Da bleiben dann eigentlich also auch wieder nur fehlende Bauteile.
Dass ich letztes Jahr nach der Bestellung meines Elroq plötzlich eine Nachricht bekam, dass ich auf den bereits verhandelten und unterschriebenen Kaufpreis einen zusätzlichen Rabatt bekäme und dafür einen anderen Akku eines anderen Herstellers mit geringerer Spitzenladeleistung bekäme (betrifft übrigens auch tausende anderer Kunden und wurde in den Medien großflächig drüber berichtet), ist dann für mich ein eindeutiger Hinweis, dass man sich eben beim Akku zu wenige Kapazitäten gesichert hatte. Und das scheint auch weiterhin so zu sein, meldet man zwar riesige Erfolge bei den Bestellzahlen von ID.3 Neo und dem Born-Facelift, setzt in Zwickau aber auch weiterhin nur auf reduzierte Schichten.
hu.ms meint
In Zwickau wurden nicht nur schichten und MA reduziert, sondern logischerweise auch die zulieferung.
Wenn ein grosses facelift bereits vorgestellt wurde, wird man kaum die produktion des alten hochfahren.
Der ID.3 NEO wird ab sept. gebaut. Je nach bestelleingang werden dann evtl. kapazitäten neu gerechnet.
Jeff Healey meint
(…) „Auch bei der Zellchemie verweist Schnake auf Veränderungen: Die niederenergetische Zelle setze sich zunehmend durch. Bei ihr lasse sich das Material im Vergleich zur Lithium-Eisenphosphat-Zelle (LFP) deutlich leichter absichern.“ (…)
Wie meint Er das? Was ist mit „niederenergetischen“ Zellen gemeint, und deutlich leichter abzusichern als LFP Zellen? Spielt man bei VW vielleicht mit dem Gedanken, zukünftig auch Natrium Ionen Technologie in seinen Fahrzeugen zu verwenden? Rein spekulativ von mir, aber das Zitat da oben verblüfft mich schon sehr. Hat hier jemand eine Idee was gemeint sein könnte?
M. meint
So lese ich das auch.
Mir fehlen allerdings die Erfolgsmeldungen bei der Herstellung von Na-Ion-Zellen im Hause VW.
Werner Mauss meint
Kartoffelbatterie, Eisen, Kupfernagel und Kartoffeln reichen aus, ein Produkt wie es deutscher nicht sein kann. Nein, mach dir keinen Kopf, der Mann hat nur keine Ahnung, aber das kommt in Vorständen häufig vor.
Jeff Healey meint
Vielleicht laufen aber auch schon hinter den Kulissen Verhandlungen zwischen VW und chinesischen Unternehmen wie zum Beispiel CATL (Stichwort CATL „Naxtra“) Klar, das ist nur eine Spekulation meinerseits. Aber wer weiß?
Spannend ist die Aussage des VW-Mannes auf jeden Fall.
hu.ms meint
VW gehört doch 25% des chinesischen akku-zulieferers. Möglicherweise habe die was in der pipeline das zur VW-einheitszelle passt, aber noch nicht massenproduktionsfähig ist.
Andy meint
Hallo Ecomento,
gehts hier jetzt um VW oder BMW? Siehe Überschrift (VW) und letzter Satz zweiter Abschnitt (BMW-Beschaffungsvorstand..)
Redaktion meint
Danke für den Hinweis, es geht um VW – korrigiert!
VG | ecomento.de
David meint
Das schreibe ich ja hier seit Jahren.
VW hat von Anfang an noch unter Müller Milliardenverträge abgeschlossen und hat sich stets als zuverlässiger Partner gezeigt. Darüber hinaus, ist man aber auch zur Quelle gegangen und hat sich Rohstoffe direkt oder über Partner gesichert. Dabei hat man für Fahrzeuge, die in Europa gebaut werden, auf Rohstoffe gesetzt, die auch in Europa zur Verfügung stehen. Das wird noch einmal ein großer Vorteil sein.
„Insgesamt sieht BMWs Beschaffungsvorstand bei den entsprechenden Rohstoffen eher Entspannung.“. Das ist eine gute Nachricht. Allerdings geht es hier ja wohl um VW.
Jeff Healey meint
VW macht derzeit vieles richtig.
CaptainPicard meint
Falls sich noch wer wundert, mit niederenergetische Zelle ist Natrium gemeint.
Jeff Healey meint
Ah, interessant. Ich hatte gerade weiter oben eine Frage dazu gestellt.
Wenn sich dies bewahrheitet, dann war meine Vermutung, die ich vor kürzerer Weile hier geäußert habe, nicht ganz verkehrt. Also dass die Natrium Ionen Zelle weite Verbreitung in der Autoindustrie finden könnte. Führender Anbieter in dem Bereich dürfte derzeit CATL sein (CATL „Naxtra“)
Werner Mauss meint
Hoffentlich hat man das Richtige gesichert, nicht wie letztes Mal, zuviel Klavierlack und Touchslider. Sonst muss der Kunde wieder 5 Jahre länger als bei anderen Herstellern auf was neues warten, bis das alte aufgebraucht ist.
hu.ms meint
Da kann ich nur zustimmen.
Allerdings führen geringere bestellmengen auch zu höheren stückpreisen.
hu.ms meint
Das bild oben zeigt gut, dass der MEBsmall alles vorne verbaut hat. Nicht mal der ladeanschluss ist hinten. Dadruch zwar kein front-kofferraum möglich, aber vom amaturenbrett bis zur rückleuchte uneingeschränkt platz für passagiere und gepäck.
CJuser meint
„BMWs Beschaffungsvorstand“?
Ich dachte hier ist von VW die Rede.
Redaktion meint
Korrigiert!
VG | ecomento.de