Das Center of Automotive Management (CAM) hat den „Electromobility Report 2026“ veröffentlicht. Damit bilanzieren die Branchenexperten die Markt- und Innovationstrends der globalen Automobilhersteller bei der E-Mobilität im Zeitraum 2020 bis 2025.
Das Ranking der innovationsstärksten Elektroautobauer wird immer stärker von chinesischen und deutschen Hersteller geprägt. Angeführt wird es erstmals von der Geely-Gruppe mit einem Gesamtwert von 209 Indexpunkten (IP), die sich im jährlichen Periodenvergleich um einen Rang verbessert und sich vor die VW Group (200 IP) und BYD (171 IP) setzt. Auf den weiteren Plätzen folgen die SAIC-Gruppe, BMW, Tesla, Mercedes-Benz, Hyundai und Renault sowie General Motors noch innerhalb der Top 10.
Das CAM-Ranking bewertet die 35 wichtigsten Automobilgruppen von reinen E-Autos (BEV) nach ihrer Innovationsstärke auf Basis von 874 einzeln bewerteten Serien-Innovationen im Zeitraum 2020 bis 2025. Allein im Jahr 2025 wurden 162 Neuerungen identifiziert und insbesondere in den Kategorien „Reichweite“, „Ladeleistung“ und „Verbrauch“ sowie „E-Auto-Ökosystem“ mit Indexpunkten bewertet werden.
Geely punktet demnach nicht allein durch schiere Modellvielfalt, sondern auch durch technische Spitzenwerte einzelner Baureihen. So erreicht der Lotus Emeya eine Rekord-Ladeleistung von 450 kW im Segment, während der Zeekr Mix mit 450 kW und einem Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in 10,5 Minuten ebenfalls Bestwerte setzt. Die Volkswagen Group präsentiert mit dem Porsche Cayenne Electric ein strukturell integriertes 113-kWh-Batteriesystem, das die Karosseriesteifigkeit erhöht, den Schwerpunkt absenkt und weniger Energie benötigt. Zudem liefert die Turbo-Variante mit 850 kW (1156 PS) und 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h das stärkste Großserien-SUV im Segment.
BYD überzeugt durch ein besonders breites Innovationsportfolio: Der Han L kombiniert 1000-kW-Dual-Gun-Laden, eine weiterentwickelte Blade-Batterie 2.0 mit Tieftemperaturladen bei –30 °C sowie einen Hochleistungsmotor mit 30.511 U/min. Und auch der Tang L sowie der Yangwang U7 setzen mit bis zu 1000 beziehungsweise 500 kW Ladeleistung Maßstäbe in ihren Segmenten.
Zu den Aufsteigern des Jahres zählen neben Geely vor allem BYD, BMW, Renault und Mercedes-Benz. Während sich BYD um einen Platz auf Rang 3 steigern kann, zählt BMW zu den größten Aufsteigern im Ranking, die einen Sprung von Rang 10 auf Rang 5 machen. Technisch sticht dabei besonders der neue BMW iX3 der „Neuen Klasse“ hervor, der eine elektrische Reichweite von bis zu 805 Kilometern bietet. Ergänzt wird dies durch eine KI-gestützte, automatisch öffnende Ladeklappe sowie Plug & Charge Multi Contract mit bis zu zehn gleichzeitig verwaltbaren Ladeverträgen.
Renault klettert von Rang 11 auf Rang 9 und erreicht einen Performance-Wert von 104 Indexpunkten. Entscheidend dafür ist die Einführung von Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) gleich in mehreren Modellen. Sowohl der Renault 4 als auch der Twingo E-Tech electric verfügen über eine bidirektionale 11-kW-AC-Ladeeinheit, die das Elektroauto als aktiven Energiespeicher für Haushalt und Stromnetz nutzbar macht. Mercedes-Benz steigert die Elektro-Innovationsstärke um 32 IP und kann sich dadurch auf Rang 7 stabilisieren, vor allem durch den CLA mit Top-Werten bei Verbrauch, Ladeleistung und Reichweite.
Zu den Absteigern des Jahres zählen vor allem Tesla, Hyundai und Stellantis, die zum Vergleichszeitraum jeweils um drei Plätze nach unten rutschen. Besonders auffällig ist der Absturz des Elektroauto-Pioniers Tesla, der über viele Jahre das Innovations-Ranking der Elektromobilität angeführt hat und erstmals auch aus den Top 3 herausfällt. Während der US-Konzern in den letzten Jahren nur wenige Elektro-Innovationen hervorgebracht hat, konnten die Wettbewerber aus China und Deutschland deutlich zulegen und in verschiedenen Fahrzeugsegmenten viele Neuerungen vorlegen. Eine hohe Innovationsstärke zeigt sich laut dem CAM – teils mit Zeitverzug – häufig auch in Absatzerfolgen.
Für die deutschen Automobilhersteller stellt sich der Ausblick vielversprechend dar, da sie ihre Innovationsanstrengungen im Jahr 2025 massiv erhöht haben: Im Ländervergleich machen die Unternehmen der Bundesrepublik bei der Elektro-Innovationsstärke einen Sprung nach vorn und liegen nunmehr fast gleichauf mit den chinesischen Automobilherstellern.
Auf Basis einer Gesamtinnovationsstärke aller globalen Automobilhersteller von 371 Elektro-Indexpunkten (Serie, Vorserie, Studien) liegt der Anteil der chinesischen Hersteller aktuell bei 32,4 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 31,9 Prozent. In den Vorjahren konnten die deutschen Autobauer nur gut 20 Prozent der Elektroinnovationsstärke für sich reklamieren, während China bei über 40 Prozent lag. Die deutschen Hersteller VW, BMW und Mercedes weisen aktuell die höchste Innovationsstärke bei den Vorserien-Neuerungen auf, die im Laufe des Jahres 2026 in den Markt kommen.
Studienleiter Stefan Bratzel: „Deutschland holt bei der Elektro-Innovationsstärke massiv auf: Mit einem Anteil von knapp 32 Prozent an der globalen Elektroinnovationsstärke liegen die deutschen OEMs inzwischen nahezu gleichauf mit chinesischen Herstellern – noch vor wenigen Jahren war der Abstand deutlich größer. BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz weisen aktuell die höchste Innovationsstärke bei Vorserien-Neuerungen auf. Das stimmt mich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie im BEV-Segment optimistisch.“


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