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Studie: Firmenflottenbesteuerung treibt die Elektrofahrzeug-Zulassungen

18.05.2026 in Fuhrpark, Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Skoda_Enyaq

Bild: Skoda (Symbolbild)

Die Unternehmensberatung Berylls by AlixPartners stellt das „E-Mobility Ranking 2026“ vor. Die Zulassungen von reinen Batterie-Elektrofahrzeugen (BEV) erholen sich demnach strukturell und nicht aufgrund neuer Anreize. Firmenflottenbesteuerung ist der Haupttreiber für wachsende BEV-Zulassungszahlen in Europa, politische Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle.

Nach dem harten Einbruch im Jahr 2024, durch die gestrichene E-Auto-Förderung in Deutschland, haben sich die Batterie-Elektroauto-Zulassungszahlen (BEV) im vergangenen Jahr positiv entwickelt und dieser Trend hält auch 2026 an. Im April waren in Deutschland 64.350 Neuwagen den Elektro-Pkw (BEV) zuzuordnen, meldet das Kraftfahrt-Bundesamt. Sie erreichten einen Anteil von 25,8 Prozent. Damit lag diese Antriebsart um 41,3 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahresmonats.

Henning Ludes, Associate Partner bei der Beratung Berylls by AlixPartners und einer der Studienautoren: „Besonders aufschlussreich ist der deutsche Markt: Nach dem abrupten Ende des Umweltbonus galt er als Beleg für eine subventionsabhängige Nachfrage. Stattdessen liegt der BEV-Anteil 2025 mit 19,1 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 14,6 Prozent aus dem Jahr 2023 – getrieben durch neue Einstiegsmodelle, steigende Lebenszyklusvorteile, striktere EU-Vorgaben im vergangenen Jahr und eine stärkere Nachfrage nach Firmenwagen. Mittlerweile ersetzen handfeste strukturelle Treiber immer mehr die Kaufprämien – bleiben jedoch regulatorisch flankiert.“

Offensichtlich sei das Modellportfolio an E-Autos mittlerweile so umfangreich, dass immer mehr Menschen ein für ihre Anwendungsfälle und finanziellen Verhältnisse passendes Modell finden können. Dazu trügen nicht zuletzt chinesische Hersteller bei, die zunehmend außerhalb Chinas produzieren. Der Iran-Krieg habe auf die aktuellen Neuzulassungen dagegen noch keinen Einfluss. Einige Hersteller verzeichneten allerdings eine gesteigerte Nachfrage nach E-Modellen – vermehrte Neuzulassungen seien mit einem Versatz von einigen Monaten zu erwarten.

Flottenpolitik entscheidet, nicht Marktgröße

Anreize wie spezielle Einfahrerlaubnisse in Innenstädte für BEVs, verringerte Mautkosten auf bestimmten Strecken und Kaufprämien gelten als starke Anreize für den Erwerb eines E-Autos. Die Studie zeigt jedoch, dass ein ganz anderer Faktor einen viel größeren Einfluss auf steigende Zulassungszahlen hat.

Alexander Timmer, Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners: „Belgien hat seinen BEV-Anteil bei den Neuzulassungen seit 2021 von 5,9 Prozent auf 34,7 Prozent verfünffacht – ohne Kaufprämien. Hier wirkt die asymmetrische Flottenbesteuerung: Verbrenner verlieren ab 2028 die steuerliche Abzugsfähigkeit als Firmenwagen völlig, E-Autos bleiben hingegen vollständig absetzbar. 89 Prozent aller neuen BEVs wurden 2025 in Belgien als Firmenwagen zugelassen. Länder, die einen derart klaren Schnitt vollziehen, erzeugen einen strukturellen Nachfrageschub – unabhängig von der Kaufkraft ihrer Bürger oder der Größe ihres Marktes.“

Deutschland und Großbritannien dominieren europäischen BEV-Energiebedarf

Norwegen, Dänemark, Belgien und Schweden liegen beim Marktanteil der BEV an der Flotte im europäischen Vergleich zwar vorn, doch die Energiemengen fließen woanders. Julien Petat, Berater bei Berylls by AlixPartners: „Deutschland und Großbritannien werden 2035 mit rund 18 bzw. 14 Millionen BEVs in der Bestandsflotte zusammen die Hälfte des gesamten europäischen BEV-Energiebedarfs auf sich vereinen. Im gleichen Zeitraum sinkt der Anteil Skandinaviens und Benelux von 31 auf 20 Prozent. Wer Ladeinfrastruktur nach Marktanteilsquoten priorisiert, investiert am Energievolumen vorbei.“

Tatsächlich verzerren Kennzahlen wie „installierte öffentliche Ladeleistung pro BEV“ laut den Beratern das Bild. „So wirkt Norwegen schwach, denn ca. 70 Prozent der Ladevorgänge finden zuhause statt, nicht im öffentlichen Raum. Osteuropa wirkt dagegen stark, da eine EU-Regulierung Schnelllader entlang der Autobahnen erzwingt – in Städten und ländlichen Regionen bleibt die Versorgung jedoch dünn. Abseits der Autobahnen ist das Ladenetz noch sehr grobmaschig. In reifen Märkten wie DACH, Großbritannien und Frankreich verlagert sich der Wettbewerb zeitgleich vom reinen Netzausbau auf Themen wie Standortqualität, Auslastung und Flottenintegration.“

„2024 war ein verlorenes Jahr, 2025 nimmt die E-Mobilität wieder spürbar Fahrt auf“

In der letztjährigen Ausgabe des Berylls by AlixPartners E-Mobility Country Rankings sprachen die Berater von einem verlorenen Jahr 2024 für die E-Mobilität. Das Jahr 2025 stimme dagegen positiv, auch wenn der BEV-Fahrzeugbestand mit 3,5 Prozent in Europa noch eher überschaubar ausfällt. Mit einem BEV-Anteil von knapp 20 Prozent an den Neuzulassungen in Europa sei das Jahr 2025 ein wichtiger Meilenstein.

Timo Natemeyer, Berater bei Berylls by AlixPartners: „Wir gehen davon aus, dass der BEV-Flottenanteil bis zum Jahr 2035 im europäischen Durchschnitt auf über 25 Prozent ansteigen wird, was rund 80 Millionen Fahrzeugen entspricht.“ Auch im nächsten Jahrzehnt bleibe die Dominanz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Europas Straßen also ungebrochen. Im Jahr 2035 werde der tägliche Ladestrom-Bedarf dennoch europaweit bei über 350 GWh liegen (2025: ca. 85 GWh). Der Anteil, der auf die öffentliche Ladeinfrastruktur entfällt, hänge von der Region und dem Ladeverhalten ab.

Schnellere Transformation in China

Bei den Neuzulassungszahlen liegt China weit vor Europa. Im Jahr 2025 erreichte die Volksrepublik den Beratern zufolge mit 28,1 Prozent einen Rekordanteil bei den Verkäufen von reinen Elektrofahrzeugen. Dies deute auf eine anhaltende Marktdurchdringung hin, wenngleich sich das Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt habe. Mit mehr als 20 Millionen Ladepunkten verfüge China mittlerweile über die weltweit größte Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die Zahl habe sich innerhalb von 18 Monaten etwa verdoppelt. Die NEV-Flotte (New Energy Vehicle) habe die Schwelle von 40 Millionen Fahrzeugen übersprungen.

„Hinter diesen beeindruckenden Zahlen konzentriert sich der Wandel jedoch nach wie vor stark auf die größten Städte der Kategorien 1 und 2. In diesen Megacitys haben die Ladenetzwerke eine hohe strukturelle Reife erreicht und der Großteil der verkauften Neufahrzeuge ist bereits elektrisch oder teilelektrisch“, erklären die Berater.

In den ländlichen Gebieten Chinas sehe das Bild weiterhin deutlich anders aus. Andreas Radics, Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners: „Zwar verfügen etwa 98 Prozent der chinesischen Autobahnraststätten über eine Ladeinfrastruktur, doch die öffentlichen Lademöglichkeiten in Landkreisen und Dörfern sind nach wie vor spärlich, ungleichmäßig verteilt und oft wirtschaftlich unattraktiv. Hohe Betriebskosten, geringe Auslastung, Netzengpässe und Schwierigkeiten beim Zugang zu Grundstücken schränken private Investitionen ein.“

Als Reaktion darauf habe die Regierung ein Dreijahresprogramm gestartet, um bis Ende 2027 28 Millionen Ladepunkte zu installieren. Der Schwerpunkt liege dabei auf der Bereitstellung von Gleichstromladegeräten in derzeit nicht abgedeckten Gemeinden. „Die Transformation mag in China schneller an Boden gewinnen. Abgeschlossen ist sie aber auch dort noch lange nicht“, so die Studienautoren.

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Via: Berylls by AlixPartners
Tags: China, Europa, ZulassungszahlenAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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