Zwei Drittel der EU-Mitgliedstaaten geben Unternehmen nach Analyse von Transport & Environment (T&E) kein klares steuerliches Signal zum Wechsel auf Elektroautos. In 18 von 27 Staaten reicht demnach der Steuerunterschied zwischen Elektro- und Verbrenner-Firmenwagen nicht aus, um den höheren E-Fahrzeug-Preis auszugleichen. Die Umweltorganisation beziffert diesen Preisaufschlag für 2025 auf 10.650 Euro.
Nur in neun Ländern übersteigt die Steuerlücke laut der Auswertung den Stromer-Preisaufschlag. Firmenwagen gelten als zentral, weil sie 59 Prozent der Neuzulassungen ausmachen und 78 Prozent der auf neue Autos entfallenden Ölimporte verbrauchen.
Die EU-Kommission hat eine „Clean-Corporate-Vehicle“-Regelung mit nationalen Elektrifizierungszielen vorgeschlagen. Diese sieht für 2030 EU-weit im Schnitt 45 Prozent elektrische Neuwagen in großen Firmenflotten vor. Die Verantwortung soll bei den Mitgliedstaaten liegen, nicht bei den Unternehmen. T&E bewertet diesen Ansatz als den richtigen Weg.
Belgien reformierte 2021 seine Regeln, der Anteil elektrischer Firmenwagen stieg von 8,8 Prozent im Jahr 2021 auf 54,2 Prozent im Jahr 2025. Frankreich führte 2024 und 2025 Reformen ein, im März 2026 erreichten elektrische Firmenwagen dort 41,3 Prozent. In Deutschland, Spanien, Italien und Polen fehlen Reformen, durch die die Steuerlücke den E-Auto-Preisaufschlag übersteigt.

Fast die Hälfte der EU-Staaten, nämlich 13, gibt Unternehmen weiterhin finanzielle Vorteile für Benzinautos. In Deutschland erhalten Firmen für solche Fahrzeuge laut T&E netto 10.000 Euro Subvention, mehr als doppelt so viel wie in jedem anderen Land. In Frankreich zahlen Firmen für Benzinautos dagegen 25.000 Euro Steuern, in Dänemark 37.000 Euro.
Auch je Liter Benzin ergeben sich der Studie zufolge große Unterschiede: Deutschland subventioniert Firmenwagen mit 0,50 Euro je verbranntem Liter Benzin, Frankreich erzielt 10,30 Euro Einnahmen je Liter. Portugal kommt auf 4,50 Euro, Spanien auf 1,20 Euro, Slowenien auf 2,10 Euro und Polen auf 0,40 Euro.
Deutschland und Polen stehen zusammen für 52 Prozent der Firmenzulassungen besonders ölverbrauchender D-Segment-Autos (Mittelklasse). Beide besteuern diese Fahrzeuge weiterhin schwach. Dies riskiere, Europas Fahrzeugflotte über Jahre auf höhere Ölnachfrage festzulegen, so T&E.

Die Steuersysteme besteuern besonders verschmutzende Verbrenner laut der Umweltorganisation zudem nicht durchgehend progressiv. In Frankreich zahlten Firmen für ein E-Segment-Auto (Oberklasse), das anderthalbmal so viel Kraftstoff je Kilometer verbraucht wie ein C-Segment-Auto (Kompaktklasse), doppelt so viele Steuern; in Portugal fast fünfmal so viel. In den meisten EU-Staaten sei der Steueranstieg bei größeren Autos gering. Deutschland wird dabei als schlechtestes Beispiel genannt: Für einen Verbrenner im E-Segment erhalten Unternehmen eine noch höhere Subvention als für ein Fahrzeug im C-Segment.
„Es ist verwirrend, dass in fast der Hälfte der EU-Länder die Regierungen Unternehmen nach wie vor Subventionen für den Betrieb von Benzinfahrzeugen gewähren“, sagt Stef Cornelis von T&E. „Der Gesetzgeber und die Mitgliedstaaten müssen die Regelung verteidigen, wonach finanzielle Vorteile für Firmenwagen nur dann gewährt werden dürfen, wenn diese elektrisch betrieben und in Europa hergestellt sind. Auf diese Weise schaffen wir Arbeitsplätze vor Ort, reduzieren die Ölimporte und sichern die Zukunft der europäischen Automobilindustrie.“

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