Der automobile Mittelstand in Deutschland steht nach einer aktuellen Umfrage des Verbands der Automobilindustrie (VDA) unter erheblichem Druck. Die Geschäftslage ist belastet, die Erwartungen haben sich verschlechtert, Investitionen in Deutschland bleiben schwach. Beschäftigung wird nahezu ausschließlich im Ausland aufgebaut, während Unternehmen in Deutschland weiter Stellen abbauen.
67 Prozent der Unternehmen geben an, eigentlich geplante Investitionen in Deutschland verschieben, ins Ausland verlagern oder ganz streichen zu müssen. Nur 2 Prozent wollen ihre Investitionen in der Bundesrepublik angesichts der aktuellen Lage erhöhen. Bei Forschung und Entwicklung plant nur knapp ein Drittel höhere Investitionen am Standort Deutschland, während zwei Drittel mit sinkenden Ausgaben rechnen.
Die aktuelle Lage bewerten 41 Prozent der Unternehmen als sehr schlecht oder schlecht. 22 Prozent stufen sie als gut oder sehr gut ein. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 32 Prozent eine Verschlechterung oder deutliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, 25 Prozent rechnen mit einer Verbesserung oder deutlichen Verbesserung.
Der Beschäftigungsabbau in Deutschland hält an. 54 Prozent der Unternehmen bauen aktuell Beschäftigung ab, während nur 3 Prozent Beschäftigung aufbauen. Von den Unternehmen, die in Deutschland Beschäftigung abbauen, bauen 44 Prozent gleichzeitig im Ausland Beschäftigung auf. Betroffen vom Beschäftigungsabbau ist eine große Bandbreite von Positionen. 64 Prozent der Unternehmen mit Beschäftigungsabbau nennen Verwaltungs- und Overheadfunktionen, 54 Prozent produktionsnahe Tätigkeiten. 36 Prozent berichten von einem zunehmenden Abbau entwicklungs- und innovationsnaher Tätigkeiten.
„Internationale Wettbewerbsfähigkeit zunehmend nicht gegeben“
„Die Ergebnisse unserer Umfrage verdeutlichen Deutschlands Standortkrise“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie verweist auf Bedingungen in Deutschland, die besonders den automobilen Mittelstand unter Druck brächten. Außerdem fordert sie Maßnahmen der Politik in Brüssel und Berlin, die den Standort stärken und Wohlstand sowie Beschäftigung in Deutschland erhalten.
Bürokratie bleibt für den automobilen Mittelstand die wichtigste Herausforderung. 84 Prozent der Unternehmen geben an, stark oder sehr stark durch bürokratische Anforderungen belastet zu sein. 71 Prozent sehen Bürokratieabbau als wichtigsten Schwerpunkt der Bundesregierung in den kommenden Monaten.
Isabelle Kirschbaum-Rupf, VDA-Vorständin, Sprecherin des VDA-Mittelstandsforums und Gesellschafterin der Rupf Industries GmbH, kritisiert die Belastung durch Vorschriften und Auflagen. „Deutschland und Europa brauchen endlich echten Bürokratieabbau und mehr Vertrauen in die Unternehmen.“ Zusätzlich nennt sie im internationalen Vergleich hohe Arbeitskosten und mangelnde Flexibilität beim Arbeitsrecht als große Herausforderungen für den Industriestandort Deutschland.
Weitere Belastungen sind Steuern und Abgaben, hohe Strompreise und hohe Gaspreise. 63 Prozent sehen Steuern und Abgaben als große Belastung, 53 Prozent hohe Strompreise und 43 Prozent hohe Gaspreise. 46 Prozent der Unternehmen geben an, vom Krieg im Nahen Osten betroffen zu sein; unter ihnen nennen 65 Prozent gestiegene Kraftstoffpreise, 64 Prozent teurere Vorprodukte oder Komponenten und 58 Prozent höhere Energiekosten als zentrale Belastungsfaktoren.
Trotz der Herausforderungen werden auch Standortfaktoren positiv bewertet. 66 Prozent der Unternehmen heben das industrielle Netzwerk in Deutschland hervor, 53 Prozent die Verfügbarkeit von Fachkräften. Die Umfrage wurde vom 12. bis 24. Mai durchgeführt, 116 Unternehmen beteiligten sich.

Mike meint
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