Horse Powertrain, ein Joint Venture von Renault und Geely mit Fokus auf Verbrenner-Technologien, hat den Horse D20 Methanol vorgestellt: einen Antrieb für Elektrofahrzeuge mit sogenanntem Reichweitenverlängerer. Das System nutzt Methanol als Reserveenergiequelle zum Aufladen der Batterie des Elektroantriebs. Es leistet bis zu 105 kW und wiegt 170 Kilogramm.
Der Antrieb kombiniert einen Elektromotor, Leistungselektronik und einen 2,0-Liter-Turbovierzylinder. Der Verbrennungsmotor ist für Kraftstoffmischungen aus 100 Prozent Methanol ausgelegt. Ein Hochenergie-Zündsystem soll eine besonders magere Verbrennung des Methanols in den Zylindern ermöglichen.
Die eingesetzten Technologien sollen den Kraftstoffverbrauch senken und Kaltstarts mit reinem Methanol bei Temperaturen bis minus 35 Grad Celsius ermöglichen. Die Stickoxidemissionen entsprechen mit 35 mg/kWh dem chinesischen Standard CN6b. Der Antrieb erfüllt außerdem den Euro-7-Grenzwert von 60 mg/km.
Zum System gehört ein Axialflussmotor, der direkt auf der Kurbelwelle des Verbrennungsmotors montiert ist. Seine Konstruktion besteht aus zwei Rotoren, die einen einzelnen Stator umgeben. Gegenüber einem vergleichbaren Radialflussmotor ist die Bauform den Angaben zufolge 46 Prozent kürzer und liefert je Volumeneinheit 63 Prozent mehr Leistung.
Der Axialflussmotor erreicht laut Horse Powertraing eine elektrische Effizienz von 96,4 Prozent und nutzt unter anderem ein integriertes Siliziumkarbid-Leistungsmodul zur Verringerung elektrischer Verluste. Bei Labortests erreichte der gesamte Antrieb eine Kraftstoff-zu-Energie-Umwandlungsrate von 47 Prozent: Aus 2,1 kWh verbranntem Methanol entstand 1 kWh elektrische Energie. Mit 19,6 Litern Kraftstoff soll das System eine E-Fahrzeug-Batterie mit 40 kWh vollständig aufladen können.
Fortune Zhao, Technikvorstand von Horse Powertrain, bezeichnet den Horse D20 Methanol als „eine unserer bisher kühnsten Absichtserklärungen“. Das System verbinde einen Methanol-Motor mit der Funktion eines Reichweitenverlängerers und mehreren neuen Technologien. Der Einsatz des Axialflussmotors gehöre zu den ersten Anwendungen dieser Technik in einem Antrieb für den Massenmarkt.
Bereits im April wurde das System X-Range C15 Direct Drive von Horse Powertrain vorgestellt. Damit können Hersteller ursprünglich als reine Elektroplattformen entwickelte Fahrzeuge vergleichsweise einfach auch als Vollhybrid, Plug-in-Hybrid oder Range-Extender-Modell anbieten.

Kona64 meint
Der Liter Methanol kostet bei Kaufland.de 1,65 Euro (bei Abnahme von 1.000 Litern) . Die kWh gespeicherter Strom damit etwa 83 Ct. Das kann man machen wenn man Angst hat im Nirgendwo zu stranden. Ich sehe das eher für lokale Aggregate, Forst- oder Baumaschinen, die nicht zum nächsten Schnellader fahren können und die man vor Ort einfach betanken will. Eine Brennstoffzelle wäre dann aber ggf. doch einfacher.
Paule meint
+ Energiesteuer, nicht vergessen!
Yeti meint
Wieso 107 kW? Bei Tempo 130 hat ein E-Fahrzeug einen mittleren Verbrauch von 30 kW. KSPG und FEV haben schon 2013 einen REX vorgestellt, der fast in die Reserveradmulde eines Fiat 500 passte, 30 kW hatte, 60 kg wog und ca. 2000 € kosten sollte. Dann noch einen 20 Liter Tank und selbst Diesel Dieter kann sich den Hintern wund fahren.
Karl S meint
Wäre nicht gleich eine Methanol-Brennstoffzelle effizienter, da in der Produktion
weniger Teile und weniger Gewicht?
Stefan meint
Welchen Preis und welche Haltbarkeit (Betriebsstunden/Kilometer) hätte so eine Methanol-Brennstoffzelle?
Methanol ist als Langzeitspeicher einfacher/günstiger als Wasserstoff, enthält aber Kohlenstoff.
Methanol kann im Kraftwerk besser genutzt werden als im Auto.
South meint
Auch hier im Grunde ein altes Konzept, was von der Zeit überholt wurde. Als eAutos noch sehr kleine Accus um die 20-30kWh hatten, die Accus sehr teuer waren und nur sehr langsam laden konnten, hätte das noch Sinn ergeben. BMW hatte das mal beim i3 im Programm, was aber schnell wieder eingestellt wurde.
Heute ist das Konzept unnötig komplex, teuer, wartungsanfällig, braucht Gewicht und Platz und ich frag mich gerade, wo man Methanol flächendeckend kaufen kann, deshalb würde ich sagen auch unpraktisch.
Für das Geld und das Gewicht kann man ein BEV mit gutem Accu und/oder Schnellladefähigkeit kaufen, was man überall problemlos laden kann….
hu.ms meint
„wo man Methanol flächendeckend kaufen kann“ – z.b. in Brasilien.
Justin Case meint
Um die 40kWh in Zellen mitzuschleppen braucht es 235 Wh/kg, um ebenfalls auf 170 kg Zusatzgewicht zu kommen. Dann braucht man auch nicht in die Apotheke zu fahren, um nach Methanol zu fragen.
eBikerin meint
Aber man kann dann zuhause den verpfuschten Selbstgebrannten tanken ;-)
M. meint
Damit wird sich die Garantie schnell erledigen. ;-)