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EnBW will Marktanteil im Schnellladenetz bei rund 20 Prozent halten

15.07.2026 in Aufladen & Tanken von Thomas Langenbucher | 4 Kommentare

EnBW-Schnellladestation

Bild: EnBW

Martin Roemheld führt seit Januar bei EnBW das Geschäft mit der Elektromobilität. Der Energiekonzern betreibt nach eigenen Angaben das größte Elektroauto-Schnellladenetz in Deutschland. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Portal Edison beschreibt Roemheld sein aktuelles E-Auto Mercedes EQE mit 400-Volt-Technik und 170 kW Ladeleistung als großen Fortschritt gegenüber früheren Modellen, sagt aber auch, die Ladepause sei noch zu lang, um mit der Tankpause eines Benziners oder Diesel konkurrieren zu können.

Als Ziel nennt Roemheld eine Reichweite von 400 Kilometern in zehn Minuten, die er früher als Fantasiegröße bezeichnet hätte. Auf der Automesse in Peking seien im April Elektroautos gezeigt worden, die ihre Akkupacks in 3,44 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen und anschließend Strom für 400 Kilometer Reichweite und mehr an Bord gehabt hätten. Gleiche Zeiten fürs Laden wie fürs Tanken sind nach seiner Einschätzung nicht mehr fern.

Das EnBW-Management beobachtet über das eigene Ladenetz die technische Entwicklung auf Fahrzeugseite. Die durchschnittliche Spitzenladeleistung liegt laut Roemheld aktuell zwischen 100 und 107 kW. Er unterscheidet zwischen aufenthaltsgetriebenen Ladeorten, etwa bei Super- und Baumärkten, und dem Autobahn-Fall, bei dem möglichst schnell möglichst viel Strom in die Fahrbatterie gelangen soll.

Bei Ladeparks an Super- und Baumärkten verweilen Kunden nach Roemhelds Angaben ungefähr 30 Minuten. Mit einer 200-kW-Ladesäule und etwa 100 kW pro Ladepunkt ließen sich heute in einer halben Stunde rund 250 Kilometer Reichweite gewinnen. Wenn Kunden Strom für 300 oder 400 Kilometer beziehen wollten, müsse die Ladeleistung wahrscheinlich weiter erhöht werden.

Für höhere Ladeleistungen sieht Roemheld mehrere technische Möglichkeiten, darunter leistungsstärkere „Power Stacks“ oder 400-kW-Ladesysteme mit nur einem Ladekabel. Voraussetzung sei ein passender Netzanschluss, der häufig Kopfschmerzen bereite. Batteriespeicher als Pufferspeicher nennt er als Option, vor allem wenn mehr Elektroautos mit hoher Ladeleistung gleichzeitig an einem Ladepark laden.

EnBW sieht noch Lücken in ihrem Ladenetz

Die EnBW investiert nach den Worten Roemhelds jedes Jahr bis zu 200 Millionen Euro in den Ausbau des Ladenetzes und in die Aufrüstung bestehender Anlagen. Zugleich unterstützt er die Aussage des Energieverbands BDEW, dass die Ladeinfrastruktur insgesamt aktuell überbaut sei. Für die Marke EnBW sieht er dennoch Bedarf, Lücken zu schließen, das Angebot zu verbessern und ein flächendeckendes Ladenetz in Deutschland darzustellen.

Aktuell betreibt die EnBW in Deutschland mehr als 8000 Ladepunkte an über 1750 Standorten. Als Ziel nennt Roemheld einen Marktanteil von rund 20 Prozent, den das Unternehmen halten wolle. Von früher genannten festen Ladepunktzahlen habe man sich verabschiedet, weil der weitere Hochlauf der Ladeinfrastruktur von äußeren Faktoren wie Förderpolitik, Preisentwicklungen, Fahrzeugverfügbarkeit und technischer Entwicklung abhänge.

Beim qualitativen Angebot verweist Roemheld auf Ladeparks mit Schnellladepunkten, Solardach, Mülleimern und Sitzgelegenheiten. EnBW mobility+ sieht er nicht als technischen Anbieter, sondern als Marke mit Gesamtangebot. Komfort und Aufenthaltsqualität seien wichtig, auch wenn sich eine Überdachung oder Sitzbank schwer rechnen lasse.

Beim Thema elektrisch angetriebene Lastzüge sieht die EnBW eine steigende Anzahl beziehungsweise einen steigenden Prozentsatz von Lkw-Ladevorgängen im eigenen Netz. In der nächsten Evolutionsstufe der Ladeparks soll es mehr Durchfahrspuren geben, die Gespannen und Lastzügen helfen. Eine große Investitionsentscheidung in das Thema Lkw-Laden sei aber noch nicht gefallen.

Vandalismus betrifft das EnBW-Netz laut Roemheld bisher nicht flächendeckend, sondern vor allem Schwerpunkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Er spricht von Schäden im einstelligen Millionenbereich durch den Verlust von über 1000 Ladekabeln. Die Diebstähle schadeten besonders Kunden, die über Tage nicht an der gewohnten Stelle laden könnten.

Variable Ladepreise kann sich Roemheld grundsätzlich vorstellen, sieht darin aber zusätzliche Komplexität für Kunden. Die EnBW bereite sich IT-technisch darauf vor, habe aber noch kein Datum für solche Produkte festgelegt. Jeder Wettbewerber versuche, Kunden preislich, aber auch produkt- und leistungsseitig ein besseres Angebot zu machen. „Ich glaube, dass wir uns diesem Wettbewerb mit viel Selbstvertrauen stellen können“, so der EnBW-Manager. Als Wunsch für die E-Mobilität nennt er, schnell Reichweite zu gewinnen: 400 Kilometer nicht in zehn, sondern vielleicht in sieben oder sechs Minuten.k

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Via: Edison
Tags: Ladestationen, SchnellladenUnternehmen: EnBW
Antrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Tommi meint

    15.07.2026 um 13:27

    Gleiche Zeiten fürs Laden wie fürs Tanken sind nicht mehr fern. Hängt von der Laufzeit seines Leasingvertrags ab. Moderne Autos laden ja schon mit 300-400 kW und sogar mehr. Wenn er eben einen EQE mit 400V fährt, dann ist das eben veraltet.

    Antworten
  2. South meint

    15.07.2026 um 13:02

    Wenn wir clever sind, dann bauen wir die künstlichen Marktbarrieren wie den Kartenjungel und die Grundgebühren ab, dann wird auch der Markt breit wachsen. Sehr gerne kann da EnBW die 20% ansteuern, aber in einem fairen Wettbewerb ohne künstliche Marktschranken.

    Antworten
    • eBikerin meint

      15.07.2026 um 13:15

      Jedem Anbieter steht es frei, was genau soll sich also verbessern? Aldi Süd macht es doch so wie du willst. Und wer mag kann ja die Ad-Hoc Map nutzen. Und nein der Markt wächst dadurch nicht. Der wächst mit der Anzahl der eAutos.

      Antworten
    • David meint

      15.07.2026 um 13:37

      Möchtest du auch den Tarifdschungel beim Mobilfunk oder bei den Strompreisen für zu Hause abbauen? Oder die große Preisrange beim Neuwagenkauf? Junge, wach mal auf! Its a jungle out there! Aber nicht unbedingt zu deiner Ungunsten, wenn du fit bist. Andersherum landest du im betreuten Wohnen, wenn du zunehmend weniger in der Welt von heute zurecht kommst. Und das zeigt sich schon an deinen Reden…

      Antworten

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