Der weltweit führende Hersteller von Elektrofahrzeugen BYD steht kurz vor einer Entscheidung über die Übernahme eines bestehenden europäischen Automobilwerks. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Expansion des Herstellers von Elektroautos und Plug-in-Hybridfahrzeugen in der Region zu beschleunigen.
Alfredo Altavilla, Sonderberater für Europa bei BYD, erklärte auf einer europäischen Konferenz von Reuters, dass eine Entscheidung sehr zeitnah getroffen werden müsse. Er bezog sich dabei laut der Nachrichtenagentur auf geplante EU-Regelungen zum Thema „Made in Europe“, die darauf abzielen, die lokale Produktion zu stärken.
Als potenzielle Standorte für solche Investitionen in bestehende Anlagen bezeichnete Altavilla Spanien und Frankreich. „Diese Woche haben wir zwei Teams, die sich in verschiedenen Regionen umsehen, wir stehen also kurz vor dem Abschluss“, berichtete BYDs Europa-Experte bei der Veranstaltung.
Kritisch äußerte sich der Branchenkenner zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstandorte, die auch mit Unterauslastung zu kämpfen haben. Er kommentierte die Situation der europäischen Automobilindustrie im Zusammenhang mit den Plänen von Volkswagen, Kostensenkungen massiv auszuweiten, als „den ersten echten Weckruf“.
Die Expansion von BYD erfolgt vor dem Hintergrund stark steigender Verkaufszahlen in Europa. Im vergangenen Jahr stiegen die Absätze um 270 Prozent auf fast 188.000 Fahrzeuge an, während sich die Zahlen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits mehr als verdoppelten.
Ein Erwerb bestehender Kapazitäten würde BYD einen zweiten Montagestandort in Europa nach Ungarn bieten, wo die Produktion im vierten Quartal geplant ist. Dies unterstreicht das Bestreben chinesischer Hersteller, den europäischen Markt zu erschließen. Die lokale Fertigung wird von den Ende 2024 von der EU eingeführten Strafzöllen auf in China gebaute E-Autos getrieben. Brüssel wirft Peking unfaire Subvention seiner Fahrzeughersteller vor.
Altavilla kritisierte die Ansicht, dass chinesische Hersteller, die nach Europa kommen, bereit wären, Minderheitsbeteiligungen an Joint Ventures zu übernehmen und gleichzeitig ihre neueste Technologie zur Verfügung zu stellen. „Das ist keine Koexistenz. Das ist brutale Gewalt“, sagte er.

David meint
Man muss allerdings berücksichtigen: Die Zahl der Kunden, für die Herkunft und Moral eines Unternehmens entscheidend sind, bleibt begrenzt. Nicht jeder wird ein Produkt honoriger deutscher Hersteller wie BMW, Mercedes oder VW Konzern kaufen. Es gibt Menschen, die ihre Kaufentscheidungen nach anderen Kriterien treffen – Moral ist letztlich eine Frage der persönlichen Haltung. Sonst gäbe es keine Heimtierhalter.
Der Erfolg von BYD geht deshalb nicht nur zulasten deutscher Hersteller, sondern trifft vor allem andere ausländische Anbieter. Beispiele wären Stellantis oder japanische Hersteller, die gerade Marktanteile verlieren.
Gleichzeitig sollte man die tatsächliche Quote ausländischer Fahrzeuge in Deutschland nicht überschätzen. Gerade die beiden von Volkswagen geschaffenen Marken, die gerne als „Ausländer“ eingeordnet werden, sind bei genauer Betrachtung keine klassischen ausländischen Wettbewerber.
Future meint
Moral ist immer eine Frage von Haltung. Ich frage mich auch, warum die vielen Heimtierhalter immer noch nicht alle Veganer geworden sind. Aber es ist wohl wie beim Fernsehen: Die Herkunft des Geräts spielt keine Rolle, weil man sich das Spiel eben im Wohnzimmer angucken will. Moral ist also auch keine Lösung für die Probleme der Industrie. Es braucht einfach genügend attraktive Produkte für die Zielgruppen. Der Markt und der Wettbewerb ist immer stärker als die Moral.
M. meint
Die, die hier am häufigsten das Wort „Moral“ verwenden, sind die, die das selbst am häufigsten ignorieren.
Autos aus einer Diktatur, die auch ständig dorthin vernetzt sind? Kein Problem.
Autos von jemandem, der die AfD unterstützt und den demokratische Prozesse nur stören? Kein Problem für angebliche Grünen-Wähler.
Da sollte man öfter so ehrlich sein wie du im letzten Satz, aber den würde ich mal noch umformulieren: Der eigene Geldbeutel ist immer stärker als die Moral. Bei gewissen Protagonisten hier stimmt das jedenfalls.
AG meint
Bei Tesla irrst du gewaltig. Ich würde mir heute vermutlich keinen Tesla mehr kaufen. Zumal der Geldbeutel damals ebenfalls keine Rolle spielen dürfte. Thema Datenabfluss ist eh nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera möglich.
Fred Feuerstein meint
„ Die, die hier am häufigsten das Wort „Moral“ verwenden, sind die, die das selbst am häufigsten ignorieren“ Danke dass du das bestätigst, Mister M.oralapostel.
Manchmal kann der Blick in den Spiegel sehr erhellend sein.
EV1 meint
„Herkunft und Moral des Unternehmens“..
Als ehemaliger EA189 Besitzer ist die moralische Frage bezüglich VAG nachhaltig geklärt. VAG ist für mich für immer Geschichte….
AG meint
Bist du leider mit in der Minderheit. Das Geschäft mit dem TDI ging doch – zumindest in Europa/Deutschland – munter weiter. 🤷♂️
South meint
Nein, das ist fair und keine brutale Gewalt, sondern das war auch in China gängige Praxis. Trotzdem. Auf Dauer müssen die heimischen Hersteller technologisch wieder führend werden, ihre einseitigen Abhängigkeiten drastisch reduzieren, denn günstiger als die Chinesen werden wir nie werden und wohlwollen können die Europäer nicht im Ernst erwarten. Wir waren nie günstiger und müssen wir an sich auch nicht, aber höherer Preis, heisst auch zwingend höhere Leistung…. und das geht nur mit Diversifizierung und Know How… die Anbiederungen und Abhängigkeiten vorallem von VW in China waren ein Untergang mit Ansage…
Spätestens seit den letzten Jahren ist doch sonnenklar, dass eine Abhängigkeit von China kein Vorteil, sondern ein extremer Nachteil ist….
M. meint
Da stimme ich zu: die Hersteller hierzulande müssen endlich ihre Hausaufgaben machen, vor allem technisch und in der Ausrichtung auf E-Mobilität.
Da ist ein gewisser Wettbewerbsdruck gar nicht schlecht, solange man ihn so dosiert, dass es zwar weh tut, aber nicht gleich die ganze Industrie in den Abgrund stürzt.
Nicht falsch verstehen: VW als Konzern bedeutet mir nichts. DAs ist ein träger Tanker mit trägen Mitarbeitern, die zum Teil selbst nach Jahren nicht verstanden haben, was da gerade abläuft. Die IGM als Quasi-Lohnverhandler gehört abgesetzt. Hier fehlt es zu einem gehörigen Teil am nötigen Pragmatismus und am Eingeständnis, dass die Taube auf dem Dach weniger wert ist als der Spatz in der Hand. Und natürlich muss die Regierung ihre Aufgaben machen, z.B. endlich bezahlbaren Wohnraum schaffen, damit diese Mietpreis-Explosion endet. Ein Beispiel von vielen, die auf Merz‘ ToDo-Liste stehen sollten.
Aber trotzdem: wir dürfen die Arbeitsplätze nicht verlieren. Die bezahlen auch die Mieten. Wenn wir alles aus China kaufen, geht das 1x – dann ist das Geld für immer weg, das kauft hier nichts mehr, auch keine Autos aus China.
Natürlich kann man sagen, dass Autos ja nicht alles sind, was wir an Industrie haben. Das stimmt. Aber wie wäre es da mal mit einem Blick auf
Stahl
Chemie
Photovoltaik
Maschinenbau
Elektronik
Mobilfunk
Die Liste ließe sich fortsetzen, auf beinahe jedes Produkt, das in einem Land mit weniger Lohnkosten und weniger Energiekosten (logischerweise) billiger hergestellt werden kann. Und genau deswegen mehr herzustellen und exportieren als jedes andere Land auf der Erde.
Und genau das zu erreichen, ist ja erklärtes Ziel in jedem chinesischen 5-Jahres-Plan. Ganz offiziell, ohne Geheimnis.
Außer Kartoffeln und Weizen. Die kosten hinterher aber auch fast nichts mehr, Fläche ist dann genug übrig. Und Zeit haben wir dann ja auch. Nur… ob man die exportieren kann…?
Future meint
Im Markenhochaus wird man das zur Kenntnis genommen haben, dass die Absätze von BYD in Europa in 2025 um 270 Prozent auf fast 188.000 Fahrzeuge angestiegen sind und sich im ersten Halbjahr 2026 nochmal verdoppelt haben. Vermutlich ist BYD durch die vielen Werbekampagnen einfach bekannter geworden. Außerdem gibt es die Autos jetzt überall bekannten und verlässlichen Autohändlern. Das wird zum steugenden Erfolg der Chinesen beitragen.
eBikerin meint
Im Markenhochhaus wie du es nennst hat man zur Kenntnis genommen, dass 2025 die Auslieferungen in Europa um 4,5% gestiegen sind und man insgesamt 3,94 Millionen Fahrzeuge verkauft hat. Ja ich weiss, gefällt dir nicht.
Future meint
Also nehmen sie bei VW den BYD immer noch nicht ernst?
Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Strategie ist, selbst wenn VW sich in Zukunft vor allem mehr auf Europa fokussieren sollte. Die Diskussion um die deutschen Werke zeigen doch, dass sie BYD sehr ernst nehmen.
eBikerin meint
„Die Diskussion um die deutschen Werke zeigen doch, dass sie BYD sehr ernst nehmen.“
Die haben so was von gar nichts mit BYD zu tun. VW hat bis Corona massive Überkapazitäten aufgebaut weil man dachte den Absatz auf 12 Millionen Autos pro Jahr steigern zu können. Weiterhin hat das Chinageschäft so viel abgeworfen, dass man sich diese Überkapazitäten locker leisten konnte. Das ist eben nun vorbei. Darum geht es. Die paar BYD die in Europa verkauft werden haben so was von gar nichts mit der aktuellen Situation in Europa zu tun. Problem ist China – und da hat VW ja extra Werke.
Lies doch einfach nochmal: VW hat den Absatz in Europa 2025 GESTEIGERT – trotz BYD, Denza, Ora und wie sie alle heissen.
David meint
Man merkt in fast jedem Beitrag deinen Rang im Arbeitsleben…
Jeder Konzern ist gezwungen, ein Risikomanagement zu betreiben und das funktioniert teilautomatisiert so, dass man aufgefordert wird, alle Konkurrenten zu listen und zu bewerten. Es wird regelmäßig extern überprüft, ob alle gelistet sind und ob die Bewertungen passen. Da „übersieht“ man niemanden.
Wenn man dann allerdings das System mit näheren Daten füttert, und herauskommt, dass fast 90 % der Fahrzeuge ins CarSharing, Rentalgeschäft oder das Kurzzeitleasing gehen, dann wird das System, das bei der Bewertung hilft, da sicher aus BYD keine Red Flag draus machen. Das ist die Realität.
Gernot meint
„Das ist keine Koexistenz. Das ist brutale Gewalt“
Das ist genau das, was China jahrzehntelang praktiziert hat. Jede ausländische Firma wurde in China in ein Joint-Venture und zu Technologie-Transfer gezwungen. Wenn man nun die eigene Medizin schlucken soll, jammert man, wie bitter die ist? Dann verzichtet halt auf den europäischen Markt und verkauft woanders. Ganz einfach. Genau diese Optionen hat China auch jahrzehntelang diktiert.
Und wenn man sieht (siehe aktuelle Enthüllungen von Spiegel, Le Monde und Co.) wie sehr China Russland militärisch unterstützt und gegen den Westen arbeitet, dann sollten wir eigentlich noch ganz andere Maßnahmen gegen chinesische Firmen in Erwägung ziehen.
M. meint
Dem ist nichts hinzuzufügen.