Der „E-Auto-Report Q2/2026“ des Magazins ElectricCar vergleicht alle in Deutschland konfigurierbaren Elektroautos in elf Indizes, fünf nach Fahrzeugklasse und sechs nach Einsatzprofil. Bewertet wird das Verhältnis von Listenpreis zu Reichweite, Verbrauch, Ladegeschwindigkeit, Motorleistung und Kofferraum, in den Flottenkategorien zusätzlich zur Wechselstrom-Ladeleistung (AC). Markenimage, Design und Fahreindruck fließen nicht ein.
Das Ergebnis der aktuellen Auswertung: 15 der 33 Podestplätze gehen an Marken chinesischer Herkunft, fünf der elf Indizes werden von ihnen angeführt. Leapmotor führt gleich drei Indizes an. Der B03X Pro gewinnt die Kleinst- und Kleinwagen mit 95,0 Prozent, für 24.900 Euro bietet er 177 PS, 292 Kilometer WLTP-Reichweite und 407 Liter Kofferraum. Der B05 BEV Pro Life setzt sich in der Kompaktklasse mit 94,9 Prozent durch: 27.900 Euro, 218 PS, 401 Kilometer Reichweite und eine Ladegeschwindigkeit, die in einer Stunde 1053 Kilometer zurückbringt. Der B03X ProMax gewinnt zudem den Flotten-Index für Einsatzfahrzeuge.
Zeekr führt zwei Indizes an. Der 7GT Core gewinnt die obere Mittelklasse mit 95,8 Prozent, die Long Range Edition den Langstrecken-Index mit 97,3 Prozent, dem höchsten Indexwert des gesamten Reports.
Am deutlichsten fällt das Bild in der oberen Mittelklasse aus. Dort stammen die neun bestplatzierten Modelle von Zeekr, XPeng und BYD, erst auf Rang zehn folgt mit dem Škoda Peaq 90 Selection ein europäisches Fahrzeug. In der Kompaktklasse belegen Leapmotor, MG und Changan die ersten sieben Ränge.
Auch bei einzelnen Kennwerten liegen chinesische Modelle vorn. Die höchste Ladegeschwindigkeit des Reports erreicht der XPeng P7+ Performance AWD: In einer Stunde Schnellladen gewinnt er 1800 Kilometer Reichweite zurück.
In sechs der elf Indizes führen Hersteller aus Europa und den USA. Der Volvo EX60 Plus P12 AWD gewinnt den Flotten-Index für Dienstwagen mit 93,3 Prozent, ausschlaggebend sind 810 Kilometer Reichweite und 1791 Kilometer Reichweitengewinn je Ladestunde. Der Volkswagen ID.Polo Trend gewinnt den Stadtauto-Index mit 94,9 Prozent und steigt damit als Neuzugang direkt auf Platz eins ein.
Der Škoda Epiq 55 Essence erreicht bei den Kleinwagen Rang zwei und bei den Servicefahrzeugen ebenfalls Rang zwei. Im Langstrecken-Index stehen vier Varianten des Mercedes CLA in den Top 10, der CLA 250 EQ stellt mit 12,3 kWh je 100 Kilometer den niedrigsten Verbrauchswert der gesamten Kategorie. Tesla gewinnt drei Indizes, Lucid einen.
Das verbindende Muster über alle elf Kategorien hinweg ist laut den Studienautoren weniger die Herkunft als das Alter der Modelle: Wo ein Hersteller ein aktuelles Fahrzeug in den Markt bringe, stehe es weit vorne. Bei den Stadtautos und den Kleinwagen seien jeweils sechs der zehn bestplatzierten Modelle Neuzugänge des aktuellen Quartals.

MK meint
Also fassen wir das Ergebnis mal zusammen:
– Maßgeblich für die Bewertung ist einzig der Listenpreis im Verhältnis zu mehr oder weniger sinnvollen Kriterien. Ausstattung des Fahrzeugs spielt genauso wenig eine Rolle wie die Verfügbarkeit von Werkstätten und Ersatzteilen (nicht mal bei viel genutzten Firmenwagen) oder die Garantielaufzeit.
– Von den 7 Kriterien werden nur 5 in der Gewichtung überhaupt berücksichtigt (in allen Klassen). Das einzige, dass sich nicht auf den Listenpreis bezieht, fällt dabei raus.
– In der Kategorie Dienstwagen z.B. wurden 44 Fahrzeuge verglichen. Zuverlässig in den Top 5 der Zulassungsstatistik auftauchende Dienstwagenmodelle wie ID.7 oder Enyaq sind aber nicht unter den 44 bewerteten Modellen. Die bei den Kunden beliebtesten Modelle tauchen also auch deshalb nicht auf dem „Treppchen“ auf, weil sie durch teils absurde Filter vom Test ausgeschlossen waren.
– Damit dann zu den Filtern: In manchen Kategorien werden z.B. Autos nicht berücksichtigt, die „zu günstig“ sind. Warum z.B. der oben genannte ID.7 ausgeschlossen ist? Weil laut Testgestalter ein Auto mit einer Peakladeleistung von unter 200 kW als Dienstwagen per Sé ungeeignet sei und deswegen nicht berücksichtigt wurde. Wer als Hersteller eine höhere Ladeleistung angibt, ist also dabei…auch dann, wenn die WLTP-Ladezeit von 10% auf 80% deutlich länger ist, weil der Peak nur selten erreicht wird und z.B. der Skoda oder der ID.7 im Alltag viel schneller laden
– Und dann noch zur Gewichtung der Kategorien: Bei den Kleinstwagen wurde z.B. die Motorleistung mit 20% gewichtet, die Ladegeschwindigkeit sogar mit 25%. Der Verbrauch, also letztlich der einzige Faktor, der zumindest einen Teil der laufenden Kosten berücksichtigt, aber nur mit 15%. Ist für jemanden, der einen billigen Zweitwagen, der daheim geladen wird, die Ladegeschwindigkeit wirklich so viel wichtiger als die laufenden Kosten? Auch bei Stadtautos, die klar von Langstreckenautos getrennt bewertet werden, machen Reichweite (25%) und Ladegeschwindigkeit (20%) schon fast die Hälfte der Bewertung aus…und wieder: nicht als absolute Zahl, sondern im Verhältnis zum Listenpreis.
MK meint
Nachtrag:
Verwunderlich sind doch auch die Ergebnisse bei „Servicefahrzeugen“ und „Einsatzfahrzeugen“: Das sind für mich klassische Transporter-Bereiche, „gewonnen“ haben aber Marken, die gar keine Transporter anbieten.
Die Polizei in Deutschland fährt in mehreren Bundesländern Vito, in Hessen z.B. auch ein paar ID.Buzz. Vito ist auch Standardfahrzeug als Notarztfahrzeug oder Einsatzleiterfahrzeug bei Feuerwehren. Und Servicefahrzeug bedeutet für mich auch Transporter mit Werkzeugschränken im hinteren Teil. Warum warne hier also keine Transporter platziert?
Richtig: In der Kategorie „Einsatzwagen“ sind zwar sogar Kleinstwagen zur Bewertung zugelassen, Transporter aber nicht und die Motorleistung macht nur 5% der Bewertung aus. Ausgeschlossen sind außerdem alle Fahrzeuge mit einem WLTP-Verbrauch von 17 kWh oder mehr. Bei Servicefahrzeugen sind nur Kompakt- und Mittelklassewagen in die Bewertung eingeflossen. Transporter sind wieder außen vor.
Man sollte also grade bei solchen Fahrzeugklassen noch mal genau nachlesen, wie die Fahrzeugklasse eigentlich definiert ist. „Einsatzfahrzeug“ scheint somit z.B. kein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht zu meinen, sondern ein klassisches Pool-Fahrzeug in großen Firmen: Ein PKW, der von einer einzelnen Person mal schnell für die Fahrt zu einem Termin am anderen Ende des Werkgeländes genutzt wird.
hu.ms meint
„Image, design und fahreindruck fliessen nicht mit ein“
Ergebnisse deswegen für die tonne !
MK meint
@hu.ms:
Es wird sogar noch schlimmer. Auf der hier verlinkten Website heißt es konkret: „Softfacts fließen nicht ein. Nicht berücksichtigt sind unter anderem Design, Bedienlogik, Materialeindruck, Fahreindruck, Markenimage und Werkstattnetz.“
Dass heißt, ob ich im Umkreis von 300 km überhaupt eine Werkstatt finde fließt genauso wenig ein, wie die Verarbeitung.
Konkret werden auf der Website sieben Kennzahlen genannt, die einfließen. Sechs davon setzen den Listenpreis (!) ins Verhältnis zu anderen Daten wie z.B. Kofferraumvolumen. Heißt: Eine Marke, die Listenpreise höher ansetzt und dann Rabatte bietet, landet automatisch weiter hinten. Eines der Kriterien setzt den Listenpreis auch ins Verhältnis zur Peak-Ladeleistung in kW. Wie lange diese Peak-Ladeleistung gehalten werden kann, spielt in dem Kriterium hingegen keine Rolle. Ein anderes Kriterium setzt die Motorleistung in PS ins Verhältnis zum Listenpreis. Wie viel Drehmoment wiederum daraus entsteht oder ob ein Auto ab einem Punkt x so hoch motorisiert ist, dass mehr PS grade in Kategorien wie „Servicefahrzeug“ gar keinen Mehrwert bieten, wird auch nicht berücksichtigt.
Gernot meint
Ganz egal, was solche abstrakten Indizes sagen: Es wird ungemütlich für die deutschen Hersteller. BYD und Leapmotor haben Wachstumsraten von über 300 Prozent auf dem deutschen Markt. Und das eben nicht mehr von einer homöopathischen Basis aus. Leapmotor setzte im Juli schon mehr Autos ab als Nissan und wird bald Mazda überholen. BYD liegt schon vor Citroën, Volvo und Tesla und hat Toyota und Fiat in Reichweite. Die Schnelligkeit ist atemberaubend.
Leapmotor scheint die Autos vor allem mit attraktiven Leasingangeboten in den Markt zu drücken. Da muss man ggf. in 2-3 Jahren noch mal schauen, ob die Restwertkalkulationen aufgehen oder dann ein böses Erwachen folgt. Aber damit sollte man nicht planen.
Wer die volle Förderung bekommt, kann einen nagelneuen Leapmotor T03 ohne Anzahlung für 27 Euro im Monat leasen.
MK meint
@Gernot:
Interessanter Kommentar: Sie sagen, es werde ungemütlich für deutsche Hersteller und nennen danach keinen einzigen deutschen Hersteller.
Fakt ist doch, dass z.B. der VW-Konzern unter den BEV in Europa einen höheren Marktanteil hat als unter den Verbrennern. Dass die Konkurrenz dann nicht mehr Toyota, Ford, Kia oder Nissan heißt, sondern BYD, Tesla oder Leapmotor ist dafür ja erstmal irrelevant…und Mercedes und BMW haben ihren Absatz noch nie über den besten Preis erzielt, sondern schon immer darüber, dass Leute an einem Auto Dinge haben wollen, die man logisch betrachtet gar nicht braucht (und wenn es nur das Image der Marke ist).
Anstrengen müssen sich deutsche Hersteller also definitiv, wollen sie ihre Marktanteile verteidigen. Aber das war die letzten 30 Jahre auch schon so. Auch unter den Verbrennern wurden erst mit z.B. Toyota, später u.a. mit Hyundai immer neue meist asiatische Konkurrenten groß auf dem deutschen Markt. Beim Markteintritt von Dacia in Deutschland sahen auch viele das Ende zumindest von Kleinwagen deutscher Marken (z.B. Polo). Passiert ist auch das nicht.
Eichhörnchen meint
Gottes Gnade war aber großzügig zur VW Konkurrenz;-)
MK meint
@Eichhörnchen:
Wenn man z.B. in der Kategorie „Dienstwagen“ zwar 44 Modelle testet, die in der Top5 der Zulassungsstatistik stehenden VW-Modelle ID.7, ID.4 und Skoda Enyaq aber einfach vom Test ausschließt, kommt halt so ein Ergebnis bei heraus. Potentielle Testsieger verhindern, in dem ich sie einfach nicht teste, ist ja immer ein gerne gewähltes Mittel…
F. K. Fast meint
Wie kann Tesla die 3 ersten Plätze in der Mittelklasse besetzen, wo sie doch nur 2 Modelle haben (X und Y)? Wo kann man das Original finden?
Fred Feuerstein meint
Nach der Anmeldung kann man sich das Original ansehen. Sie haben verschiedene Modelle innerhalb einer Modellreihe (kleiner Akku, größerer Akku etc.) berücksichtigt
M. meint
„Die höchste Ladegeschwindigkeit des Reports erreicht der XPeng P7+ Performance AWD: In einer Stunde Schnellladen gewinnt er 1800 Kilometer Reichweite zurück.“
Ok, mehr muss ich hier nicht lesen. 😂
Referendar meint
Musste da auch schmunzeln :-)
Mega seriös das ganze
Future meint
Vor ein paar Jahren hätte man so ein Ergebnis in Europa wohl als vollkommen irrsinnig weggelabert. Heute ist das anders und es überraascht auch keinen mehr. Natürlich werden viele das Reportdesign kritisieren oder lächerlich machen wollen. Aber man kann sich auch vorstellen, was da auf Europa alles zukommt, wenn chinesische Fahrzeugtechnologie nicht komplett verboten werden sollte, wie es in Amerika geplant ist.
MK meint
@Future:
Ich glaube, dass man z.B. BYD oder Leapmotor auf dem europäischen Markt echt als ernstzunehmende Konkurrenten sehen muss, sollte jeder in der Branche längst verstanden haben.
Unabhängig davon gibt es an dem „Reportdesign“ aber tatsächlich wahnsinnig viel zu kritisieren: Bewertet werden nur 7 Kriterien. Fahreigenschaften, Fahrzeugqualität oder Ausstattung spielen dabei keine Rolle. In 6 der 7 Kriterien ist der Listenpreis maßgeblich für die Bewertung. Dass die Hersteller dabei unterschiedlich viel Rabatt auf diesen Listenpreis geben, sollte sich aber halt auch herumgesprochen haben.
Kritisieren kann man auch die Fahrzeugauswahl: In der Kategorie „Dienstwagen“ z.B. wurden aus dem VW-Konzern nur Audi-Modelle überhaupt in die Bewertung einbezogen. Typische Dienstwagen wie VW ID.7 oder Skoda Enyaq, die natürlich ein besseres Pries-Leistungsverhältnis bieten als ihr Audi-Pendant, wurden also überhaupt nicht berücksichtigt. Wenn ich unliebsame Konkurrenten einfach nicht mit in den Test aufnehme, bekomme ich natürlich ein entsprechendes Ergebnis.
Future meint
Jeder Report braucht eben Kriterien. Trotzdem ist es ein relevanter und aufschlussreicher Vergleich. Normale Kunden lesen sich sowas bestimmt nicht durch, weil sie eh vollkommen überfordert sind mit der Elektromobilität, wenn sie direkt vom Verbrenner wechseln wollen. Aber den Konsumenten wird trotzdem auffallen, wenn da große Autohäuser mit BYD und Leapmotor an den beliebten Ausfallstraßen auftauchen.
MK meint
@Future:
Das ist doch genau das Problem: „Normale Kunden“ lesen vielleicht wenn sie sich informieren, einen Artikel wie diesen, aber nicht den Report dahinter. Dass der VW, den sie sich angeschaut haben, nur deshalb nicht gut platziert ist, weil er gar nicht Teil des Tests war oder dass bei der Kleinstwagen-Kategorie die Ladegeschwindigkeit am Schnelllader als wichtigstes Kriterium gewichtet worden ist, fällt diesen Menschen dann gar nicht auf.
Von daher: Wie Sie sagen: Grundsätzlich obliegt es erstmal den Machern einer solchen Auswertung, wie die Kriterien gewählt werden, zumal sie die Kriterien ja auch an sich transparent jedem öffentlich und kostenlos zugänglich machen. Bei einem Bericht wie diesem hier, der sicher von mehr Menschen gelesen wird als der Report, gehen diese relevanten Infos aber verloren. Wenigstens ein Satz, dass hier nicht Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Co absolut, sondern im Verhältnis zum Listenpreis bewertet werden, wäre aus meiner Sicht wichtig gewesen. Dann erkennt nämlich der ein oder andere, dass die Aussage des Report nicht ist „Modell xy ist besser und billiger“, sondern nur „Modell xy ist billiger und deswegen hier höher bewertet“