Continental hat im Rahmen des EU-Projekts ZEvRA einen Konzeptreifen entwickelt, der zu rund 43 Prozent aus recycelten Materialien besteht. ZEvRA steht für „Zero Emission Electric Vehicles Enabled by Harmonized Circularity“ und soll die Kreislaufwirtschaft von Elektrofahrzeugen entlang der gesamten Wertschöpfungskette optimieren. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt läuft 2026 aus, Continental ist der einzige Reifenhersteller unter den 28 Projektpartnern.
Zu den recycelten Bestandteilen des Konzeptreifens gehören Tallöl, Stahl, Kautschuk aus Altreifen und Polyestergarn aus recycelten PET-Flaschen. Hinzu kommen Technologien wie die Pyrolyse, mit der unter anderem Industrieruß aus Altreifen zurückgewonnen und wiederverwendet werden kann. Seit 2023 setzt Continental eigenen Angaben nach recycelten Industrieruß am Standort Korbach in allen neu produzierten Vollgummireifen ein, die vor allem in Gabelstaplern verwendet werden.
Auch Sand, der beispielsweise in Gießereien als Reststoff anfällt, wird in einem Recyclingprozess zur Herstellung einer alternativen Silica-Variante genutzt. Der ZEvRA-Konzeptreifen soll zudem Bestwerte im EU-Rollwiderstandslabel erzielen. „Kreislauforientierte Materialien können Ressourcen, Energie und Treibhausgasemissionen einsparen. Sie sind ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltigere Mobilität“, sagt Andreas Topp, Leiter Plattformentwicklung und Industrialisierung im Pkw-Reifenbereich von Continental.
„Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Performance“
„Reifen bestehen aus zahlreichen Hochleistungsrohstoffen, deren präzises Zusammenspiel Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit gewährleistet. Gerade diese hohen technischen Anforderungen machen Zirkularität besonders anspruchsvoll“, unterstreicht Continental. „Einen hohen Anteil recycelter Materialien in einem sicherheitskritischen Produkt zu erreichen und gleichzeitig hohe Leistungsstandards zu erfüllen, ist daher ein wichtiger Fortschritt. Der Konzeptreifen zeigt die Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Performance und erzielt Bestwerte im EU-Rollwiderstandslabel.“
Neben den rund 43 Prozent recycelten Materialien enthält der ZEvRA-Konzeptreifen rund 13 Prozent erneuerbare Rohstoffe und weitere etwa 25 Prozent massenbilanzzertifizierte Materialien. Insgesamt stammen damit mehr als 80 Prozent der eingesetzten Materialien aus recycelten, erneuerbaren oder massenbilanzzertifizierten Quellen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für die weitere Entwicklung entsprechender Materialien und Technologien bei Continental dienen.
Für einen breiten Einsatz recycelter Materialien nennt Continental unter anderem europaweit einheitliche Definitionen und klare Kriterien für recycelte Rohstoffe. Zudem werden Technologieoffenheit, der Ausbau von Recyclingtechnologien und Infrastruktur, belastbare Lieferketten sowie international abgestimmte Verfahren zur Anrechnung von Stoffströmen als Voraussetzungen aufgezählt. Im Fokus stünden außerdem die industrielle Verfügbarkeit geeigneter Recyclingmaterialien, deren Verarbeitung und die Skalierung der Herstellungsprozesse.
Seit 2022 setzt Continental Polyesterkarkassen aus recycelten PET-Flaschen in ausgewählten Pkw-Reifen serienmäßig ein. 2023 führte das Unternehmen mit dem UltraContact NXT einen Serienreifen mit bis zu 65 Prozent erneuerbaren, recycelten und massenbilanzzertifizierten Materialien ein. Der Anteil eingekaufter erneuerbarer und recycelter Produktionsmaterialien im Continental-Reifenportfolio lag 2025 laut dem Unternehmen bei 28 Prozent und soll bis 2030 auf mindestens 40 Prozent steigen.

Ihre Meinung