BMW treibt die Entwicklung des Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektro-Pkw weiter voran und will den iX5 Hydrogen in Serie bringen. Projektleiter Josef Hochreiter beschreibt die Brennstoffzellentechnologie im Gespräch mit der Automobilwoche als Ergänzung zum rein batterieelektrischen Antrieb, nicht als dessen Ersatz. BMW nutzt dafür bestehende elektrische Fahrzeugplattformen und übernimmt möglichst viele Komponenten aus dem Elektroauto-Baukasten. Dadurch sollen Entwicklungs- und Investitionsaufwände reduziert und zusätzliche Fahrzeugarchitekturen vermieden werden.
Die dritte Generation des Brennstoffzellensystems wurde nach Hochreiters Angaben um rund ein Viertel kompakter ausgelegt. Dadurch entsteht Bauraum für einen elektrischen Allradantrieb, während der Wasserstoff-Flachspeicher dort sitzt, wo bei einem E-Auto die Hochvoltbatterie untergebracht ist. Die Nutzung identischer Bauteile und Baugruppen soll Vorteile bei Entwicklung, Einkauf, Absicherung und Produktion schaffen.
Für Hochreiter lautet das Prinzip: „ein Modell, mehrere Antriebsarten“. Der X5 wird so in Zukunft als klassischer Verbrenner, Plug-in-Hybrid, Vollstromer und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektrofahrzeug verkauft. Für letztere kooperieren die Bayern mit dem japanischen Wasserstoff-Pionier Toyota.
BMW sieht Einsatzmöglichkeiten für Wasserstoff dort, wo hohe Reichweiten, schnelles Auftanken und fehlender Zugang zu Ladeinfrastruktur zusammenkommen. Wasserstoff könne zudem erneuerbare Energie speichern und transportieren und dabei helfen, Abhängigkeiten von einzelnen Infrastrukturen, Rohstoffen und Lieferketten zu verringern, sagt Hochreiter. Bei der Brennstoffzellentechnologie nennt er vor allem Aluminium, Stahl und vergleichsweise geringe Mengen Platin als benötigte Materialien. Batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellen betrachtet man bei BMW als Technologien für unterschiedliche Anwendungsfälle.
Infrastruktur bleibt die Herausforderung
Beim verfügbaren Wasserstoff räumt der Manager ein, dass heute nicht jeder Wasserstoff an der Zapfsäule grün sei. Mit einem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien könnten nach seiner Darstellung häufiger Zeiten mit Überschussstrom entstehen, in denen Energie in Wasserstoff umgewandelt werden kann. Für den Ausbau der Wertschöpfungskette hält er einen Dialog zwischen Energie- und Stromversorgern, Automobilindustrie, Zulieferern und Politik für erforderlich. Die Politik solle verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Produktion, Transport und Tankstelleninfrastruktur schaffen.
Technisch müssen Brennstoffzellensystem, Hochvoltbatterie als Pufferspeicher und Wasserstoff-Flachspeicher in das Fahrzeug integriert werden. Sieben einzelne Wasserstofftanks sollen dabei so im Fahrzeugboden untergebracht werden, dass Innenraum, Komfort und Funktionalität nicht eingeschränkt werden. Die Abstimmung soll Reichweite, Rekuperation und Fahrdynamik miteinander verbinden. Hochreiter berichtet nach eigenen Fahrten mit den Fahrzeugen von lautlosem Gleiten, stufenlosem Beschleunigen, genügend Systemleistung und sehr guter Fahrdynamik.
Dass der X5 als Trägerfahrzeug gewählt wurde, begründet Hochreiter mit seiner hohen Nachfrage, seinem Skalierungspotenzial und dem verfügbaren Bauraum. Bis zum geplanten Serienstart der Wasserstoff-Variante im Jahr 2028 muss BMW in Dauer- und Langzeiterprobungen die Zuverlässigkeit über die Lebensdauer und unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen nachweisen. Gleichzeitig sollen bei Lieferanten und in der eigenen Produktion Prozesse für Taktzeit, Qualität und Kosten abgesichert werden. BMW sieht das Konzept nach Hochreiters Worten als industrialisierbar an.
Konkrete Angaben zum Fahrzeugpreis macht der Manager noch nicht. Ziel sei es, bei entsprechender Skalierung ein für Privatkunden attraktives Niveau zu erreichen. Steigende Stückzahlen sollen dabei die Herstellkosten reduzieren. Beim Tankstellennetz verweist Hochreiter auf eine neue Generation von Stationen, die Lkw und Pkw bedienen und mit höheren Durchsätzen arbeiten soll. Als Erfolg bezeichnet er eine Serienproduktion des Fahrzeugs, eine sichtbare Weiterentwicklung der Infrastruktur und Kunden, die das Fahrzeug als zusätzliche, und zudem emissionsfreie Option für ihren Alltag ansehen.

Steffen meint
Steigende Stückzahlen…ja klar. Die letzten 1-2 Monate nicht ein einziges Auto mit Wasserstoff in Deutschland zugelassen.
Micha meint
Das glauben die bei BMW doch selber nicht, dass sie da mehr als eine zweistellige Anzahl verkaufen. Die paar Hundert Millionen Förderung hat man aber natürlich gern mitgenommen.
CJuser meint
Kleiner Fun-Fact: Bei BEVs (Skateboard-Design) hat man noch über den dicken Unterboden gelästert. Beim Wasserstoff-X5 ist der Unterboden, trotz neuen Tanks mit geringerem Durchmesser, trotzdem dicker als mit Akkupaket. ;)
Man sollte so ehrlich sein, dass in Richtung Wasserstofferzeugung auch Fortschritte gemacht werden. Mittel- bis langfristig ist es aber absolut unwirtschaftlich in Europa Wasserstoff als Antriebstechnologie zu nutzen. Deswegen ist es sehr fragwürdig, warum deutsche Steuergelder für Wasserstoffentwicklung bei BMW reingepumpt werden.
South meint
Mja, die Infrastruktur ist kein „Problem“, schon gar kein kleines, sondern eines von mehreren K.O. Kriterien. Neben der Infrastruktur ist auch der deutliche höhere Preis und nur mal am Rande erwähnt der fehlende grüne Wasserstoff weitere Genickbrecher. Mal davon abgesehen, dass ein H Auto umwelttechnisch auf lange Sicht, mit Verlaub eine „Dreckschleuder“ sein wird, obwohl lokal abgasfrei, da es eben sehr ineffizient viele grüne Energie verschleudert, die man noch auf lange Zeit viel besser für den Ersatz von fossilen Verbrauchern einsetzen könnte, die eben nicht mit Accus betrieben werden, wie Schiffe, Flugzeuge, Industrie…
H Autos sind technisch einfach überholt worden und die Gesellschaft sollte keinen einzigen Cent mehr in diese, im Autobereich sogar eher schädliche Technik, stecken.
CaptainPicard meint
Wissen wir denn mit Sicherheit dass das passieren wird?
Bereits 2022 hat BMW angekündigt dass der Wasserstoff-SUV 2025 auf den Markt kommt. Jetzt ist er für 2028 angekündigt. Mal schauen was sie 2028 ankündigen werden…
Horst Feuser meint
Das wird erstens an seiner Ineffizienz und zweitens am Henne/Ei Problem scheitern…
Es gibt so gut wie keine Tankstellen und da wo es welche gibt werden sie nach und nach abgebaut,weil keine Fahrzeuge vorhanden sind!
Daniel S meint
BMW hat wohl zu viel Geld. Es gäbe noch andere Nischenprodukte mit Potenzial, z. B. Cabriolets, Touring etc. warum nicht das auch noch anbieten?
banquo meint
„BMW sieht Einsatzmöglichkeiten für Wasserstoff dort, wo hohe Reichweiten, schnelles Auftanken und fehlender Zugang zu Ladeinfrastruktur zusammenkommen.“
Absolut kein Argument für die Brennstoffzelle sondern vielmehr ein Argument für die BEV-Technik.
„Projektförderung: Bund und der Freistaat Bayern fördern das BMW-Wasserstoff-Projekt „HyPowerDrive“ mit insgesamt 273 Millionen Euro (ca. 191 Millionen Euro vom Bund, ca. 82 Millionen Euro von Bayern.“
Sehr viel Geld für längst erwiesene unwirtschaftliche Technik für PKW’s.
EVrules meint
Im neutral angepassten Zitat „wo hohe Reichweiten, schnelles Auf[laden] und fehlender Zugang zu []Infrastruktur zusammenkommen.
Alle drei Aspekte treffen auf Wasserstoff nicht zu.
Die Reichweiten von BEV sind mittlerweile über denen von H2-FCEV, die Ladegeschwindigkeiten stehen denen von H2-Ladestellen (von Beladung) in nichts nach. Vorallem sind die Systemkosten (PKW + Ladestellen) deutlich unter denen von H2-FCEV, von Effizienz und Energiekosten ganz zu schweigen.
Was BMW hier äußert ist eine absolute Nullnummer, darauf ausgelegt, Steuergelder einzukassieren und zu verschwenden (mit vielen Mitteln wird wenig Output erzeugt).