Die aktuelle Debatte über steigende Gas- und Ölpreise zeigt laut Vattenfall: Deutschland importiere nicht nur fossile Energieträger, sondern auch deren Preis- und Inflationsrisiken. Geopolitische Konflikte erhöhten nicht nur die Energiekosten für Haushalte und Unternehmen, sondern riskierten zusätzliche Inflation, indem sich höhere Energiepreise entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf Produkte, Dienstleistungen und Mobilität auswirkten.
Aus Sicht des Energieunternehmens liegt die Antwort darauf in einem schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien, der Netze, Flexibilität und der Speichermöglichkeiten sowie einer konsequenten Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie. Denn jede vermiedene Kilowattstunde fossiler Energie reduziere die Abhängigkeit von volatilen Weltmärkten und stärke die Preisstabilität, Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Resilienz im Inland.
„Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie stark Deutschland und Europa von internationalen Energie- und Rohstoffmärkten abhängig bleiben“, sagt der Deutschlandchef von Vattenfall, Robert Zurawski. „Solange wir fossile Energieträger importieren müssen, importieren wir auch geopolitische Risiken und deren Auswirkungen auf die Preise.“
Der europäische Referenzpreis für Erdgas (TTF, Frontjahr) ist seit Ende August um rund ein Fünftel gestiegen und hat zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2023 erreicht. Gleichzeitig legte der internationale Referenzpreis für Rohöl deutlich zu. Mit konkreten Folgen: Während steigende Gaspreise die Kosten für Millionen Haushalte beim Heizen beeinflussen, wirken sich hohe Ölpreise unmittelbar auf Benzin- und Dieselpreise aus. Zudem droht eine höhere Inflation, da höhere Energiepreise auch auf Produktionsprozesse, Vorprodukte, Transport und Dienstleistungen durchschlagen – ein Risiko, vor dem aktuell auch die Europäische Zentralbank (EZB) warnt.
Nach Schätzungen der Europäischen Kommission importiert die EU rund 90 Prozent ihrer fossilen Energieträger. Deutschland gibt jährlich rund 80 Milliarden Euro für den Import von Erdöl, Erdgas und Kohle aus. „Hohe fossile Abhängigkeiten machen Wirtschaft und Verbraucher anfällig für globale Krisen und Preisschwankungen“, so Zurawski.
Die aktuelle Situation sei jedoch nicht mit der Energiekrise 2022 vergleichbar, meint Vattenfall. Europa verfüge heute über mehr LNG-Kapazitäten und deutlich mehr erneuerbare Stromerzeugung, die sich beim Strom bereits preisdämpfend bemerkbar mache. Für viele Haushalte und Unternehmen stünden aktuell bezahlbare und planbare Energiekosten im Mittelpunkt. Langfristige Strom- und Gasverträge könnten kurzfristige Preisschwankungen abfedern. Energieeffizienz und Energiesparen würden helfen, den Verbrauch und damit die Kosten zu senken.
„Elektrifizierung reduziert Preisrisiken“
Aus Sicht von Vattenfall verringert die Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie die langfristige Abhängigkeit von volatilen Öl- und Gasmärkten. Sie biete einen entscheidenden Vorteil: Erneuerbare haben keine Brennstoffkosten. „Jede zusätzliche Wärmepumpe, jedes Elektrofahrzeug und jeder elektrifizierte Industrieprozess reduziert den Bedarf an fossilen Brennstoffen und damit die Anfälligkeit gegenüber globalen Preisschocks“, unterstreicht Zurawski.
Auch der Umbau des Energiesystems koste Geld. Doch während die meisten Ausgaben für fossile Energien Jahr für Jahr ins Ausland gingen, flössen Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und Speicher zu einem großen Teil in die heimische Wertschöpfung. Würde die Elektrifizierung den fossilen Energiebedarf in Deutschland um ein Viertel senken, könnten bei gleichbleibenden Preisen fossile Importausgaben von rund 20 Milliarden Euro jährlich vermieden werden – mehr als das Doppelte des aktuellen staatlichen Energieentlastungspakets aus Netzentgelt-Zuschuss und Abschaffung der Gasspeicherumlage.
„Elektrifizierung ist deshalb längst nicht mehr nur eine Frage des Klimaschutzes. Sie ist auch ein wichtiger Baustein für Preisstabilität, Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas“, unterstreicht der Vattenfall-Deutschlandchef. Zugleich stärke Elektrifizierung die Resilienz des Energiesystems. In Kombination mit einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähigen Stromnetzen und zusätzlichen Speicherlösungen entstehe eine Energieinfrastruktur, die weniger von Importen und geopolitischen Spannungen abhängig sei und gleichzeitig klimafreundlicher und wirtschaftlicher arbeite.

Daniel S meint
Vattenfall hat hier bei vielen Punkten recht. Aber warum kümmert sich Vattenfall nicht stärker darum, dass der Netzausbau endlich vorangeht und die Bauten Smartmeter erhalten?