Der Datenanalyse-Dienstleister ChargePointRadar hat einen ersten Quartalsreport zur tatsächlichen Nutzung der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur in Deutschland veröffentlicht. Der „Lademarkt-Report Q3/2026“ wertet den Zeitraum vom 1. Juli bis 30. September aus und basiert auf den Statusdaten von über 175.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Insgesamt erfasste ChargePointRadar im Quartal rund 24,5 Millionen Ladevorgänge.
Im Mittelpunkt steht nicht der Ausbau der Ladeinfrastruktur, sondern vor allem deren tatsächliche Nutzung. „24,5 Millionen Ladevorgänge in drei Monaten zeigen: Der Markt wächst. Aber manche Ladepunkte werden zwanzigmal am Tag genutzt, der durchschnittliche AC-Ladepunkt seltener als einmal täglich. Diese Unterschiede entscheiden über Erfolg und Misserfolg“, sagt Alex Rupprecht, Gründer von ChargePointRadar.
Schnellladen dominiert die tatsächliche Nutzung
Im dritten Quartal entfielen 70,9 Prozent aller erfassten Ladevorgänge auf Gleichstrom-Ladepunkte (DC), obwohl diese nur rund ein Drittel der erfassten Infrastruktur ausmachen. Durchschnittlich kamen DC-Ladepunkte auf 305,5 Ladevorgänge im Quartal, AC-Ladepunkte lediglich auf 59,9 – damit wird ein DC-Ladepunkt im Schnitt etwa fünfmal so häufig genutzt.
Auch im Monatsverlauf zeigen sich unterschiedliche Muster: Die Zahl der DC-Ladevorgänge erreichte im August mit 5,90 Millionen ihren Höchststand und ging im September um 4,6 Prozent zurück. AC legte dagegen kontinuierlich von 2,19 Millionen Ladevorgängen im Juli auf 2,56 Millionen im September zu – ein Plus von 17,1 Prozent, wobei ein Teil des Anstiegs auf die wachsende Zahl erfasster Wechselstrom-Ladepunkte (AC) zurückzuführen ist.
DC-Markt konzentriert, AC-Markt stark zersplittert
Beim DC-Laden ist EnBW mit knapp 4,95 Millionen Ladevorgängen und 28,6 Prozent Marktanteil klarer Spitzenreiter, gefolgt von Tesla mit 15,2 Prozent und Ionity mit 8,1 Prozent. Die fünf größten DC-Betreiber kommen zusammen auf 63 Prozent aller DC-Ladevorgänge.
Ganz anders zeigt sich der AC-Markt: Hier erreichen die fünf größten Anbieter zusammen lediglich 18,2 Prozent. Marktführer ist Hamburger Energiewerke Mobil mit nur 4,7 Prozent. Während sich Schnellladevorgänge damit stark auf wenige große Netze konzentrieren, verteilt sich das AC-Laden auf zahlreiche regionale und lokale Betreiber.
Die meisten Ladevorgänge bedeuten nicht automatisch die höchste Effizienz
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn nicht die absolute Zahl der Ladevorgänge, sondern die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur betrachtet wird. Beim DC-Laden führt Ionity mit durchschnittlich 894,1 Ladevorgängen je aktivem Ladepunkt deutlich vor Tesla mit 659,5 und Fastned mit 526,5. Volumen-Marktführer EnBW folgt mit 513,0 Ladevorgängen je Ladepunkt auf Rang vier.
Bei AC steht Kaufland mit 232,9 Ladevorgängen je Ladepunkt an der Spitze, gefolgt von Lidl mit 164,9 und den Berliner Stadtwerken mit 156,1. Der Durchschnitt über alle erfassten aktiven AC-Ladepunkte liegt bei lediglich 59,9 Ladevorgängen im Quartal. Die Daten zeigen also, dass ein großes Ladenetz allein noch wenig über dessen tatsächliche Nutzung aussagt.
Auslastung und Zahl der Ladevorgänge sind zwei verschiedene Größen
Die Studienautoren heben auch den Blick auf die Bundesländer hervor: Hamburg weist demnach mit 21,4 Prozent die höchste zeitliche Auslastung öffentlich zugänglicher Ladepunkte auf. Bei den Ladevorgängen je Ladepunkt liegt dagegen Rheinland-Pfalz mit 189,1 an der Spitze.
„Die Unterschiede zeigen, dass zeitliche Auslastung und Zahl der Ladevorgänge nicht gleichgesetzt werden können“, erklären die Analysten. „In Städten stehen Fahrzeuge häufig längere Zeit an AC-Ladepunkten, während Schnellladepunkte entlang wichtiger Verkehrsachsen in kurzer Zeit viele einzelne Ladevorgänge abwickeln.“
EnBW dominiert DC in fast ganz Deutschland
Im DC-Markt führt der Auswertung zufolge EnBW in 15 von 16 Bundesländern bei den Ladevorgängen, lediglich in Brandenburg liegt Tesla vorne.
Der AC-Markt ist wesentlich regionaler geprägt. In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen erreichen lokale Anbieter Marktanteile zwischen 47,5 und 71,4 Prozent, während etwa im deutlich größeren Bayern mit vielen auf dem Lademarkt aktiven Stadtwerken der größte Anbieter lediglich auf 7,8 Prozent kommt.
Lage kann wichtiger sein als die Größe eines Ladeparks
Der Tesla-Standort in Bispingen führt bei DC mit 43.140 Ladevorgängen im Quartal die Liste der meistfrequentierten Standorte an. Die höchste Nutzung je Ladepunkt erreicht jedoch der Ionity-Standort Köschinger Forst an der A9 mit 1.952 Ladevorgängen je Ladepunkt, was rund 21 Ladevorgängen pro Tag entspricht.
Bei AC dominieren dagegen große Arbeitgeberstandorte. Der BMW-Standort an der Knorrstraße in München kommt mit 602 Ladepunkten auf mehr als 46.000 Ladevorgänge und ist hier Spitzenreiter. Die höchste Auslastung gibt es hingegen in Oberkochen: Zwölf AC-Ladepunkte erreichen dort durchschnittlich 712 Ladevorgänge je Ladepunkt.
Wie stark die konkrete Lage über die Nutzung entscheidet, zeigt ein Beispiel aus Rüsselsheim. Zwei Ladeangebote desselben Betreibers mit ähnlicher Technik und nur rund 400 Metern Abstand kommen auf zeitliche Auslastungen von 0,35 beziehungsweise 13,3 Prozent. „Nicht die Anzahl entscheidet, sondern vor allem der Standort“, so Rupprecht.

Matthias meint
Pro-Tipp: Man kann defekte oder abgebaute AC-Ladepunkte gar nicht nutzen. Alte E-Autos die vor CCS auf den Markt kamen, wie Renault Zoe 43 kW oder 22 kW oder Smart mit 22 kW Lader, leiden an einer Verschlechterung ihrer Lademöglichkeiten. Werden Triple-Lader abgebaut und durch CCS-only ersetzt dann leiden auch noch Chademo-Fahrer. Defekte AC-Ladepunkte werden teils bewusst nicht mehr instandgesetzt, was insbesondere an Autobahnen bzw. auf Autobahn-Raststätten sehr ärgerlich ist. Man muss mit geringer Reichweite auch noch Umwege fahren. Es sollte überlegt werden ob privilegierte Standorte wie Autobahn-Raststätten nicht auch zur Bereitstellung von älteren Technologien verpflichtet werden sollten.
eBikerin meint
Warum sollte man AC Lader an Autobahnen bauen? Die Fahrzeuge die ausschliesslich AC und/oder Chademo können werden immer weniger. Dafür Geld auszugeben würde nur den Ladepreis für alle anderen erhöhen.
M. meint
Natürlich werden an DC-Ladepunkten mehr Ladevorgänge durchgeführt, an DC geht das doch auch viel schneller. Das kann nun wirklich nicht überrraschen.
Damit hat sich die Aussagekraft aber erledigt.
AC nimmt niemand zum Laden unterwegs, wenn er von Hamburg nach Berlin fährt, das ist doch logisch.
AC ist was für längere Standzeiten, wie z.B. über Nacht oder während der Arbeitszeit.
Und wie viele gibt es davon? Kaum welche. Wohnortnah ist das Angebot so dünn, dass viele Menschen effektiv davon ausgeschlossen sind. Aber klar, wenn die nur 1 oder 2 Ladevorgänge pro Tag schaffen, als einzige Kenngröße, dann wird es dort wohl nie Ladepunkte geben…
Jürgen W. meint
Jeder der zu Hause eine Steckdose hat kann dort günstiger laden als öffentliches AC Laden.
Dann kommt DC auf Strecke zum Einsatz. Insofern ist die Aussage keinen falls verwunderlich
Heinz meint
„Nicht die Anzahl entscheidet, sondern vor allem der Standort“, so Rupprecht.
Genau da kommen Orte ins Spiel, in denen bisher noch keine einzige Ladestation steht.