Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW legt seinen 9. Elektromobilitätsmonitor vor. Die wichtigsten Ergebnisse: Die Elektromobilität in Deutschland hat 2026 bei den E-Pkw-Neuzulassungen bereits den Vorjahresrekord übertroffen, die Energiewirtschaft stellt ein dichtes Ladeangebot für E-Pkw und E-Lkw bereit und Laden ist in allen untersuchten Szenarien günstiger als Tanken.
„Die Zahlen zeigen: Elektromobilität überzeugt immer mehr Menschen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Das Fahrzeugangebot wächst, die Preise nähern sich in den meisten Segmenten denen vergleichbarer Verbrenner an und auch der Gebrauchtwagenmarkt kommt in Schwung. Hohe Tankpreise und Förderung verleihen dem Umstieg zusätzlichen Schub. Wer elektrisch fährt, spart im Vergleich zu den Spritkosten. Und E-Mobilisten bleiben dabei: 94 Prozent würden wieder ein Elektroauto kaufen.“
Die Energie- und Ladebranche liefere das passende Angebot, betont Andreae: Mehr als 220.000 öffentliche Ladepunkte mit über elf Gigawatt Ladeleistung stünden bereit. Das öffentliche Laden funktioniere deswegen im Alltag: Für 91 Prozent der Nutzer erfülle oder übertreffe es die Erwartungen. Trotz der Rekordzulassungen an E-Autos seien im Durchschnitt nur 13 Prozent der Ladepunkte zeitgleich belegt. Und auch für E-Lkw gebe es bereits ein initiales Ladenetz, das die Fahrrouten der Lkw-Fahrer gut abdecke. Diesen Schwung gelte es zu sichern.
„Verlässliche Rahmenbedingungen sind das A und O für den weiteren Hochlauf und die Investitionen der Unternehmen“, so Andreae weiter. „Deswegen sollte die Bundesregierung sicherstellen, dass Elektromobilität in Deutschland weiter vorankommt. Die Energie- und Ladebranche hat im Vertrauen auf die EU-Rahmenbedingungen massiv investiert und übererfüllt die EU-Zielvorgaben in Deutschland um fast 250 Prozent. Eine klare Orientierung für die Elektromobilität, wirksame Anreize für elektrische Unternehmensflotten, steuerliche Flankierung von E-Fahrzeugen und weniger Bürokratie beim Ausbau des Ladeangebotes – das ist Industriepolitik für den Standort Deutschland.“
Die zentralen Ergebnisse des 9. BDEW-Elektromobilitätsmonitors:
1. Rekord bei Neuzulassungen – auch der Gebrauchtwagenmarkt wächst
Mehr als 604.000 vollelektrische Pkw wurden in den ersten drei Quartalen 2026 neu zugelassen. Damit wurde der Rekord des gesamten Vorjahres von rund 545.000 Fahrzeugen bereits übertroffen. Der Anteil an den Neuzulassungen beträgt bislang 27,2 Prozent und liegt seit dem Sommer bei mehr als einem Drittel.
Aktuelle Treiber sind die hohen Tankpreise und die E-Auto-Förderung. Seit 2026 wächst auch der Gebrauchtwagenmarkt erstmals spürbar: Rund 261.000 vollelektrische Pkw wechselten in den ersten neun Monaten den Besitzer – das sind etwa 56 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
2. Stark ausgebautes Ladeangebot bietet Platz für weitere E-Autos
In diesem Jahr wurden bereits die Schwellen von 220.000 öffentlichen Ladepunkten und elf Gigawatt installierter Ladeleistung überschritten. Insbesondere Ultraschnelllader treiben den Ausbau voran.
Trotz der Rekordzulassungen steigt die durchschnittliche zeitgleiche Belegung nur leicht: von zwölf Prozent im Jahr 2025 auf 13 Prozent im ersten Halbjahr 2026, bei den AC-Ladern sind nie mehr als durchschnittlich 17 Prozent belegt.
3. Bereits heute steht ein öffentliches Ladenetz für E-Lkw bereit
An rund 790 Standorten können vollelektrische Lkw in Deutschland öffentlich laden – Tendenz steigend. Das Angebot deckt die Fahrrouten der Logistiker bereits gut ab. Dazu trägt auch die Mitnutzung von Ultraschnellladestandorten für Pkw bei. Hinzu kommen zahlreiche Lademöglichkeiten in Logistikdepots.
4. Tanken ist deutlich teurer als Laden
In allen untersuchten Ladeszenarien haben E-Autofahrer einen Kostenvorteil gegenüber dem Tanken. Um den Vergleich anschaulich zu machen, sind im Elektromobilitätsmonitor die Ladekosten anhand der durchschnittlichen Fahrzeugverbräuche in entsprechende Benzinpreise umgerechnet.
Beim Laden mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage entsprechen die Kosten 0,28 Euro je Liter (umgerechnet aus den Stromgestehungskosten für Photovoltaik). Gegenüber dem im Monitor angesetzten Benzinpreis mit Tankrabatt von 2,17 Euro je Liter sind das rund 1,90 Euro weniger. Selbst im teuersten, in der Regel vermeidbaren untersuchten Szenario – Schnellladen bei einem Roaming- beziehungsweise Fremdanbieter – liegen die durchschnittlichen Kosten der fünf meistgenutzten Tarife bei umgerechnet 1,56 Euro je Liter. Der Vorteil beträgt damit rund 60 Cent je Liter.
5. Einmal elektrisch, immer elektrisch – hohe Zufriedenheit mit dem Ladeangebot
94 Prozent der befragten E-Autofahrer würden beim nächsten Autokauf wieder ein Elektroauto wählen. Ebenso viele würden anderen den Kauf empfehlen.
Auch das öffentliche Ladeangebot überzeugt: 91 Prozent der Nutzer sehen ihre Erwartungen erfüllt, 55 Prozent sogar übertroffen. Mit zunehmender Erfahrung wächst zudem die Bereitschaft, ein Elektroauto uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

