Volkswagen hat Ende Mai zwei weitere Pfeiler seiner Zukunftsstrategie bekanntgegeben. Zum einen verstärkt der Wolfsburger Autokonzern seine Elektro-Offensive in China. Außerdem wird die Kooperation mit dem US-Hersteller Ford vertieft.
Der Anteil bei JAC Volkswagen, einem Joint Venture für Elektromobilität, soll erhöht werden, teilte Volkswagen mit. Dafür würden rund eine Milliarde Euro investiert. In diesem Betrag enthalten sei die Übernahme von 50 Prozent von JAG, der Muttergesellschaft des Volkswagen-Partners JAC, und eine Erhöhung der Anteile an JAC Volkswagen von 50 auf 75 Prozent, wodurch die Kontrolle über das Management erlangt wird. Die Kapitalerhöhung ebne Volkswagen den Weg für den Ausbau der Elektro-Modellpalette und Infrastruktur.
Darüber hinaus will Volkswagen rund eine Milliarde Euro in eine Beteiligung am Batteriehersteller Gotion High-Tech investieren und mit 26 Prozent zum größten Aktionär des Unternehmens werden. Die Transaktion soll bis Ende 2020 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen.
Die Partnerschaft mit Gotion High-Tech ermögliche es Volkswagen, das Know-How im Bereich Batterien auszubauen. Gotion decke die ganze Batteriewertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über Entwicklung und Produktion sowie Recycling durch verschiedene laufende und zukünftige Projekte ab. Die Vereinbarung habe keine Auswirkungen auf laufende Verträge mit anderen Batterielieferanten.
„Zusammen mit starken und verlässlichen Partnern baut Volkswagen seine E-Offensive in China weiter aus“, erklärte Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess. „Das Segment der Elektroautos wächst schnell und bietet großes Potenzial für JAC Volkswagen. Durch unsere strategische Beteiligung an Gotion treiben wir auch in China aktiv die Entwicklung der Batteriezelle voran.“
Vertiefte Kooperation mit Ford

Volkswagen hat 2019 mit Ford eine enge Kooperation bei Elektroautos und Selbstfahr-Technologie vereinbart. Auch bei leichten Nutzfahrzeugen und mittelgroßen Pick-ups sind gemeinsame Projekte vorgesehen. Nun sollen Verträge für kommende Vorhaben unterschrieben werden. Die Planungen sehen vor, dass im ersten Schritt drei Projekte in den Bereichen Elektrifizierung und Nutzfahrzeuge realisiert werden. Die Vereinbarungen umfassen folgende Projekte:
- Der Modulare E-Antriebsbaukasten (MEB) von Volkswagen wird von Ford für ein Modell in Europa genutzt.
- Ford entwickelt einen mittelgroßen Pick-up, der von Volkswagen Nutzfahrzeuge in ausgewählten Märkten adaptiert wird.
- In den beiden weiteren Fahrzeugprojekten ist Volkswagen Nutzfahrzeuge verantwortlich für die Entwicklung eines Stadtlieferwagens, während Ford die Planung für einenTransporter im Ein-Tonner-Segment übernimmt.
Weitere Projekte von Volkswagen und Ford sollen folgen, wie auch das Investment in das auf Software-Plattformen für autonomes Fahren spezialisierte Unternehmen Argo AI. Durch die Zusammenarbeit wollen beide Autokonzerne neue Technologien und Innovationen schneller auf den Markt bringen und ihre Werke effizienter auslasten.
Simon11 meint
VW hat jetzt dann 26% eines chinesischen Zellfertigers und 20% bei einem euopäischen mit Nortvolt. Mit Ford haben sie einen sehr starken Partner auf dem US Markt, ebenso Ford auf dem EU Markt, der auch noch besser bei autonomen Fahren augestellt ist als VW. Diese Partnerschaft ist ein Gewinn für beide Seiten.
leotronik meint
Vielleicht kann VW bei den Chinesen die SW abkupfern. Geht schneller und billiger. Vielleicht klappt das mit dem id3 noch dieses Jahr.
Jeru meint
Einer der informativsten und besten Beiträge in letzter Zeit. Wie schaffen Sie das nur?
hu.ms meint
Immer wieder zum schmunzeln diese seitenhiebe.
Der ID.3 fährt spätestens ab KW38 in dem meisten ländern europas.
Und schon ab mitte 2021 wird der VW-konzern mit all seinen marken mehr als 50.000 BEV mtl. weltweit bauen und damit die stückzahlmäßige führung übernehmen.
Simon11 meint
Die Werke stehen ja schon. Zwei in China und eines in Europa. Nach dem ID.3 werden heuer noch vier MEB Fahrzeuge vorgestellt, die bis max Anfang 21 alle auf dem Markt sind. Dazu noch der etron GT und der Taycan Kombi. Wenn ich sehe was VW da noch alles vorhat, sehe ich die schon als einer der größten BEV Hersteller.
Thomas Claus meint
Wenn alles gut läuft könnten sie tatsächlich Marktführer werden. Aber auch Tesla wird seine Stückzahlen steigern wenn Berlin erstmal steht und die Fabrik in China richtig läuft.
Sledge Hammer meint
„mehr als 50.000 BEV mtl. weltweit bauen“
mal schauen ob das reicht um die stückzahlenmäßige Führung zu übernehmen.
Tesla baut Mitte 2021 in China 200.000 Model 3, 100.000 Model Y, in Fremont 500.000 Model S3XY und eine noch unbekannte Zahl Model Y in Brandenburg und in Texas. Also mindestens 800.000 Fahrzeuge p.a. geteilt durch zwölf ergibt 66.666 BEV pro Monat. Reicht also noch nicht ganz um die Führung zu übernehmen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
hu.ms meint
Richtig, insbesodere die der tesla-fans, die immer noch glauben ihre firma würde auf dauer der größte BEV-hersteller bleiben, denn ab 11/21 baut der VW-konzern voraussichtlich allein 75.000 MEB mtl. auf 6 bändern in 3 werken.
Zwei drittel davon in china für den dortigen markt meist SUV ähnlich tiguan-allspace bzw. ID.4 mit größerem radstand.
Dazu kommen dann noch weltweit rd. 100.000 nicht-MEB von audi + porsche.
Voraussetzung ist natürlich, dass soviele auch bestellt werden, aber das problem wird bei der voraussichtlichen wirtschaftslage auch tesla haben.
Sledge Hammer meint
„würde auf dauer der größte BEV-hersteller bleiben“
das werden sie bestimmt nicht, aber noch hat VW außer Ankündigungen fast nichts geliefert. Einfach mal abwarten wann der große Augenblick des überholens kommt. Könnte länger dauern wie sich es mancher wünscht.
Axel P. meint
Vielleicht ist der ID.3 ab KW38 auf der Straße zu sehen. Fragt sich aber nur, welche digitalen Funktionen dann überhaupt nutzbar sein werden… Wenn VW seine Entwicklungskapazitäten nicht in den Dieselbetrug sondern im Digitalbereich eingesetzt hätte, wäre der ID.3 längst auf der Straße.
Leotronik meint
Die Auslieferung wird zunächst nur an VW Mitarbeiter beschränkt bleiben. Die MA werden wohl nicht so kritisch sein wegen der Mängel.