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Mercedes-Benz-Trucks-Chefin über E-Lkw: Ladeinfrastruktur die größte Herausforderung

18.10.2023 in Transport von Thomas Langenbucher | 8 Kommentare

Mercedes-eActros-600-Radstroem

Bilder: Daimler Truck

Mercedes-Benz Trucks hat kürzlich mit dem eActros 600 einen fernverkehrstauglichen Lkw mit reinem Elektroantrieb vorgestellt. Der Truck soll ab kommenden Jahr den Kunden 500 Kilometer mit einer Ladung ermöglichen. Der Nutzfahrzeughersteller verweist aber darauf, dass es noch an Ladestationen mangelt.

Die Chefin von Mercedes-Benz Trucks, Karin Rådström, wurde von der Automobilwoche gefragt, wann sie mit einem Durchbruch des E-Antriebs in ihrer Branche rechne. Das sei schwer zu sagen. Aber wenn man es von der Kundenseite aus betrachte und frage, was notwendig ist, um sie zum Umstieg zu bewegen, dann seien dies drei Dinge: ein Produkt, das ihre Bedürfnisse abdeckt, Kostenparität im Vergleich zum Diesel sowie ausreichend Ladeinfrastruktur.

Das Laden unterwegs sei für Elektro-Lkw sicher noch die größte Hürde, sagte Rådström. Es brauche öffentliche Ladestationen. Hier tue sich zwar einiges, aber es könnte durchaus schneller gehen.

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt seien, werde die Akzeptanz von E-Lkw von allein kommen, glaubt die Managerin. Sie betonte, dass Daimler Truck zusammen mit der Volkswagen-Tochter Traton und Volvo in Vorleistung gehe und bis 2027 mindestens 1700 Ladepunkte entlang der europäischen Hauptachsen aufbauen wolle. Bis 2030 seien aber 45.000 Ladepunkte notwendig, um das angestrebte Tempo beim Hochlauf zu ermöglichen.

Zwar gebe es Ansätze auf EU-Ebene im Bereich der Ladeinfrastruktur, aber die reichten nicht. „Die einzelnen Regierungen sollten hier eine deutlich aktivere Rolle einnehmen, denn dieser Sektor ist sehr wichtig für die Dekarbonisierung, der finanzielle Aufwand im Vergleich zu anderen Sektoren geringer“, so Rådström.

Mercedes-eActros-600
Der neue eActros 600

Ein Problem sei auch, dass die Einrichtung einer Stromtankstelle auf dem eigenen Gelände nicht immer einfach sei. Es müsse etwa geprüft werden, ob das Netz dafür vorbereitet ist. In Deutschland komme hinzu, dass es ein sehr fragmentiertes Feld sei mit vielen Akteuren wie Netzbetreibern oder Energieversorgern. Daher dauere das Genehmigungsverfahren oft sehr lange.

Den neuen eActros 600 will Mercedes-Benz Trucks zunächst in ganz Europa ausrollen – dann in den restlichen Märkten der Marke, „sobald es für die Kunden Sinn macht“. Die Nachfrage sei dort am stärksten, wo es auch staatliche Unterstützung gibt – also zum Beispiel in Deutschland, auch die Schweiz und die Niederlande zählten dazu. Ein Faktor seien die Industriestrompreise, aber viele der Mercedes-Benz-Trucks-Kunden operierten ohnehin in vielen Ländern gleichzeitig.

In den USA, Kanada und Russland kommt der Actros nicht auf den Markt. Mit Freightliner hat der Konzern eine in Nordamerika etablierte Marke, die elektrifiziert wird. „Natürlich teilen wir mit den Trucks von Freightliner die Plattform, um Synergien zu schaffen“, erklärte Rådström. Mit dem Freightliner Cascadia, den es auch mit elektrischem Antrieb gibt, habe man im Langstreckensegment einen Marktanteil von etwa 40 Prozent und sei „hervorragend aufgestellt“. Die Pläne für China zur Dekarbonisierung seien derzeit noch in Arbeit.

Neben klassischen Diesel- sowie rein elektrischen Fahrzeugen bietet Daimler Truck in Zukunft auch mit Wasserstoff betriebene Modelle an. Die Brennstoffzelle habe Vorteile wegen der größeren Reichweite, einer höheren Nutzlast und schnellerer Tankzeiten. „Wir haben uns alle Szenarien angeschaut, auch das mit einem rein batterieelektrischen Hochlauf. Aber nach heutigem Wissenstand wird es eine Kombination beider Technologien sein“, so Rådström.

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Tags: LkwUnternehmen: Daimler Truck
Antrieb: Elektro-Nutzfahrzeuge, Wasserstofffahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. nie wieder Opel meint

    18.10.2023 um 23:03

    Mal eine blöde Frage an die Profis der Speditionen und Fernfahrerbranche: Wozu muss ein LKW-Fahrerhaus eigentlich zwei Sitze nebeneinander haben? Ich will jetzt nicht auf das Design vom Tesla Semi anspielen. Aber Busse haben das nicht, Regionalbahnen und S-Bahnen haben das nicht, hat der ICE sowas? Im Traktor auch nicht. Im großen Flieger okay, dann müssen zwei Arbeiten mit Aufgabenteilung. Wozu die zwei Sitze wie im Auto für Mutti und Vati, mit Front wie Schrankwand, statt spitz und stromlinienförmig, wie es schon colani gezeichnet hatte?

    • Jörg2 meint

      19.10.2023 um 09:56

      Für die überwiegende Zahl der Einsatzszenarien braucht es den zweiten Sitz nicht. Es wäre eher schöner/sicherer, wenn es mehr Niederflurfahrerhäuser geben würde mit einfachem Durchstieg vom Fahrersitz auf die Beifahrerseite zum Aussteigen in Richtung Fußweg.

    • Kasch meint

      30.10.2023 um 13:16

      Geschichtlich bedingt, als noch die heissen Tramper:innen am Straßenrand standen und man sie unsittlich, steil auf den Beifahrersitz hieven durfte.

  2. Markus Müller meint

    18.10.2023 um 17:22

    Der Unterschied zwischen einer Steckdose, die es überall gibt, und einem Anschluss mit mehreren Mega-Chargern ist eben deutlich grösser, als diverse Amateure dachten. Das wird zwangsläufig viele Jahre dauern, bis da eine einigermassen flächendeckende Infrastruktur da ist.

    • Jörg2 meint

      18.10.2023 um 17:30

      In vielen Fällen wird das recht schnell gehen, so denn die Ladesäulentechnik am Markt verfügbar ist, und auf den Betriebshöfen wird es für die eigenen Fahrzeuge/Touren entsprechende Lademöglichkeiten.

      Was sehr sehr lange dauern wird (mMn) ist ein flächendeckendes, öffentliches Ladenetz für Lkw. Hier bin ich aber der meinung, DAS brauchen die wenigsten.

      • nie wieder Opel meint

        18.10.2023 um 17:57

        100% Zustimmung. Und für viele unserer Geschäftspartner stellt sich nicht die Frage nach Ladesäulen, sondern nach passenden SZM und 12-Tonner.

  3. Jörg2 meint

    18.10.2023 um 16:31

    Ich glaube nicht, dass da irgendwas wesentliches im Bereich Laderei kommt.

    Aktuell wäre ja ein Paketangebot aus Auto und betriebsinterner Ladeinfrastruktur schon recht passend. Da fehlt (glaube ich) Daimler die Kompetenz im Bereich Laderei. Sie müssten zukaufen. DAS kann dann das interessierte Fuhrunternehmen auch selbst und eventuell pass- und kostengenauer.

    Bliebe der Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur. Das würde halt kosten und wäre nicht dem Zugriff, der Nutzung der Mitbewerber entzogen. Wenn Daimler da in Vorleistung gehen würde, würde sich Daimler (durch die Kosten) schlechter stellen, als die Mitbewerber (die auch auf Dividende, Aktienstand, Boni… planen).
    Bliebe als Ausweg der IONITY-Weg (wir setzen uns mit allen Mitbewerbern in ein Boot und teilen die Kosten und keiner hat die Nase vorn oder fällt hinten runter). Ich halte IONITY für überschaubar erfolgreich und wohl eher ein Geldgrab. Eine erneute Auflage dieser Lösung sehe ich nicht / würde mich überraschen.

    So bleibt der Ruf nach dem Bürgergeld, dem Staat.

  4. nie wieder Opel meint

    18.10.2023 um 11:41

    Was unternimmt Daimler, um diese Diskrepanz zu beheben? Mir fällt da der Lösungsweg eines Unternehmens ein, das von vornherein darüber nachgedacht und Ladeinfrastruktur angeboten hat. Das Ergebnis sieht wohl gar nicht so schlecht aus, habe ich gehört.

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