Ende Mai hat die Brennerautobahngesellschaft am Parkplatz Firmian in Bozen Süd die erste 1-Megawatt-Ladestation für Lkw eröffnet. Die von Alpitronic entwickelte Anlage ist laut den Betreibern „ein absolutes Novum in Italien“ und zählt europaweit zu den ersten ihrer Art. Sie sei so neu, dass Lkw-Hersteller erst jetzt damit beginnen, die ersten E-Lkws auf den Markt zu bringen, die mit dieser Leistung laden können.
„Die Eröffnung dieser 1-MW-Ladestation für Schwerfahrzeuge entlang der A22 – die erste ihrer Art in Italien – bestätigt die Verpflichtung der Brennerautobahn AG und damit auch des Landes Südtirol, diese bedeutende Infrastruktur – eine Brücke zwischen Nord- und Südeuropa – in einen Digitalen Grünen Korridor zu verwandeln”, so der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher,
„Wir wissen, dass der Schwerlastverkehr, der täglich über den Brenner fährt, einen erheblichen Teil des nationalen Imports und Exports trägt“, erklärt Diego Cattoni, Geschäftsführer der Brennerautobahngesellschaft. „Ebenso klar ist aber auch, dass sich die Elektromobilität in diesem Bereich ohne eine geeignete Ladeinfrastruktur kaum durchsetzen wird: Mit dieser leistungsstarken Ladestation für E-Lkws – einzigartig in ganz Italien – treiben wir die Energiewende im Schwerverkehr konsequent voran, wie es auch der Investitionsplan unseres Eigenvorschlages im Rahmen des PPP-Projekts vorsieht, das mittlerweile Teil der Ausschreibung des italienischen Verkehrs- und Infrastrukturministeriums für die zukünftige A22-Konzession ist. Wir wollen die A22 zum ersten grünen Korridor Europas machen.“
Technische Details
Die am Parkplatz Firmian eröffnete Ladestation ist die erste an der A22, die speziell für elektrische Lkw konzipiert wurde. Sie ist zudem die erste Megawatt-fähige MCS-Installation in Italien und eine der allerersten in Europa. Der Schaltschrank, bestehend aus acht Modulen mit einer maximalen Gesamtleistung von 1 MW, ist das Herzstück der Ladestation und versorgt zwei Ladestecker (Dispenser). Aktuell stehen drei solcher Ladepunkte zur Verfügung, wobei der erste – direkt beim Schaltschrank – eine Besonderheit bietet: Neben dem klassischen CCS2-Stecker (Combined Charging System) mit einer maximalen Ladeleistung bis zu 600 kW ist hier auch der neue, experimentelle Stecker MCS (Megawatt Charging System) mit einer Leistung von 1.000 kW installiert.
Die maximale Batteriekapazität eines modernen, leistungsstarken E-Lkw variiert je nach Modell und Hersteller zwischen 300 und 600 kWh. Je größer die Batterie, desto größer ist die Reichweite – allerdings erfordern große Batterien entsprechend leistungsfähige Ladepunkte, wenn man nicht stundenlang an einer Ladesäule stehen will. Das neue MCS-System soll diese Anforderungen erfüllen. Es wurde von Alpitronic dafür entwickelt, den straffen Zeitvorgaben im Schwerlastverkehr gerecht zu werden. Ziel ist es, einen E-Lkw während der gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Pause nach viereinhalb Stunden Fahrtzeit vollständig zu laden, ohne dass die Fahrer zusätzliche Stopps einlegen müssen.
Ein Lkw mit einer 600-kWh-Batterie lässt sich den Angaben nach bei einer Ladeleistung von 1.000 kW in 30 Minuten aufladen. Damit kann eine potenzielle Reichweite von 500 Kilometern erzielt werden, wobei das transportierte Gewicht, Steigungen und andere äußere Faktoren diese Zahlen beeinflussen. Unter vergleichbaren Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Fahrzeugzustand sollen sich die Ladezeiten im Vergleich zu heute halbieren lassen, bei einer gesteigerten Reichweite.
Der zweite Dispenser der Anlage ist mit zwei CCS2-Steckern ausgestattet, die jeweils eine Ladeleistung von 600 kW bieten. Die technische Innovation liegt hier nicht im Stecker selbst – dieser hat sich bereits als Standard in Europa und Nordamerika etabliert –, sondern in der maximal möglichen Ladeleistung, die an dieser Station erreicht werden kann.
„Es braucht Spitzentechnologien“
„Die Brennerautobahn kann derzeit als Charging Point Operator (CPO) bezeichnet werden“, sagt der Technische Generaldirektor Carlo Costa, „mit 15 Ladestationen entlang der Strecke und einer Stromabgabe von beachtlichen 820.302 kWh im Jahr 2024. Um Elektromobilität auch für den Schwerverkehr attraktiv zu machen, braucht es Spitzentechnologien – ohne sich dabei jedoch mit den besten Lösungen von heute zufriedenzugeben. Sondern vielmehr mit dem Anspruch, bereits heute die Maßstäbe von morgen zu setzen. Und genau das haben wir getan: Wir haben nicht nur gemeinsam mit Alpitronic eine der leistungsstärksten Ladestationen Europas geplant, sondern sie auch so ausgestattet, dass künftig ein zweites MCS-System integriert werden kann.“
Ein weiterer Aspekt, der den Standort Bozen Süd für Lkw und Sattelschlepper laut den Betreibern so interessant macht, ist die Verfügbarkeit einer zentralen Leistungseinheit mit einer Ausgangsleistung von 1.000 kW. Diese ermögliche das gleichzeitige Hochleistungsladen von bis zu drei Fahrzeugen, wobei sich die verfügbaren 1.000 kW auf die angeschlossenen Fahrzeuge verteilen. Dies sei der Zusammenarbeit zwischen Alpitronic – den Entwicklern des auf das Megawatt Charging System ausgelegten Ladesystems – und der Brennerautobahngesellschaft geschuldet, die den Standort infrastrukturell ausgestattet habe, einschließlich Planung und Errichtung einer Mittelspannungskabine, der Niederspannungsschaltanlagen, der Stromverteilung vor Ort und der Ladeplätze.
Ausbaupläne & Zukunftsperspektiven
Der von der Brennerautobahn AG installierte Transformator hat eine Leistung von 2.000 kVA, womit die Anlage bereits auf die zukünftige Erweiterung um ein zweites 1-MW-Ladesystem ausgerichtet ist. Die Kapazität der Ladestation würde sich damit verdoppeln.
Schon bald soll das Projekt erweitert werden: In den nächsten Monaten will AVL Italia die jetzt vorgestellte Infrastruktur mit einem Energiespeichersystem und einer digitalen Plattform zur Überwachung und Steuerung des sogenannten Mikronetzes ausbauen. Ziel dieser Erprobung ist es, die Stabilität in der abgegebenen Leistung zu gewährleisten, übermäßige Lastspitzen zu steuern und so Netzinstabilitäten zu beseitigen (Peak-Shaving und Backup-Verfahren), erneuerbare Energien für eine wettbewerbsfähige Energieversorgung zu nutzen (Energy Arbitrage) und die Betriebs- und Versorgungssicherheit der Infrastruktur sicherzustellen.
Das Laden von Schwerfahrzeugen ist bei der neuen Anlage zunächst nur nach vorheriger Anmeldung und mit einem Ausweis der Brennerautobahngesellschaft möglich. So kann die Gesellschaft die Nutzung, Abrechnung und Funktionsfähigkeit der Station überwachen. Später soll die Station auch für Pkw geöffnet werden.

Rüdiger meint
Betrachtet man die Ladetechnik mal als ganzes, ist diese kleine – von vielen absolut unbeachtete Firma aus Südtirol – der absolute Wahnsinn. Mich wundert das so wenig über Alpitronic, informativ, berichtet wird. Aber hey, eine Ladesäule kann jetzt 1tausen Megawatt tausehnd im Quadratt laden.
McGybrush meint
Könnte man da auch ne MCS 3er Steckerleiste Verteilerdose dran machen und 3 normale Autos mit je 330kW laden?
Geht bei Schuko ja auch 🤣
Michael meint
Solange nur alle halbe Stunde ein LKW vorbeikommt ist alles okay. Aber so wie es aussieht wird es nicht lange dauern dann kommen die LKW im Minutentakt zum laden. Da wären Akkutauschstationen tatsächlich hilfreich.
McGybrush meint
Oder zum gleichen Preis einfach entsprechend weitere MCS Ladestationen aufbauen.
1 Wechselakku Station die für 50 LKW‘s am Tag funktioniert ist im Kopf nicht mit der einer Niedlichen Nio Station zu vergleichen. Da sind 50 weitere MCS Lader günstiger.
Die Anschlussleistung wäre in Deinem Beispiel die gleiche wenn man dauerhaft Akkus nachladen muss. Im besten Fall die Hälfte wenn man 50% der Akkus in der Zeit läd wo mal kein LKW kommt. Und auch da müssten 50 „halbe“ 500kW oder 25 vollwertige 1MW MCS Lader verbaut werden.
Und dann noch das Lager plus die Mechanik plus aufwendigere Wartung der Stationen. Als nur Ladesäulen.
South meint
Hihihi, klar, das geht nicht und muss auch gar nicht sein, aber stellt euch mal vor, ihr könntet euer E Auto mit 1MW laden….so schnell kommt man nicht zur Toilette und wieder zurück…
Kasch meint
Klar geht das: BYD han und tan 1MW und CATL-Akkus 1,25 MW in der Spitze, ohne wärend kompletten Ladevorgang unter rund 800 kW zu fallen. Beide Hersteller errichten derzeit nur in China eigene MW-Carger.
Dieseldieter meint
Der BYD Han den ich kenne, lädt nur mit 120kw. Deutlich langsamer als der Durchschnitt der Mittelklasse. Warum regeln sie die 1000 kw direkt auf 120 runter, statt auf 400?
Vielleicht weil es hierzulande unabhängige Testberichte gibt?
Die Chinesen wollen den Weltmarkt erobern, exportieren aber nur ihren Schrott. Zum 3 fachen Preis. Na klaaaaaroooooo
Futureman meint
Die Chinesen kaufen nur Qualität und exportieren meist zweite Klasse. Das sind sie von den deutschen Einkäufern so gewohnt. Die wollen da immer das billigste vom billigen. VW und co können nur froh sein, dass es (noch) so ist.
Mäx meint
Come on Dieseldieter.
Du weißt genau, dass es um den neuen Han L und Tan L geht.
Was hier verkauft wird ist auch unerheblich.
Die Technik dafür gibt es, Zeekr mit der Golden Battery hat quasi angefangen, in 10 Minuten von 10-80% und in weiteren ca. 10 Minuten auf 100% geladen. Unabhängig getestet von z.B. Out of spec.
BYD hat es demonstriert und denen würde ich jetzt nicht reines Marketing vorwerfen, wie vielleicht noch jungen Startups, die das brauchen.
Da wird mit 1000kW bei 10% geladen und dann rampt das langsam runter auf fast 500kW bei ca. 70%!
volsor meint
Bevor man erste 1-Megawatt-Ladestation für Lkw eröffnet sollten die Hersteller erst einmal ihr Zuverlässigkeit der Technik un Instandhaltung in Griff bekommen.
Kasch meint
Neben chinesischen und amerikanischen MW-Stecker (US-Standard von Tesla) schon wieder eine eigene Wurst für Europa ?
eBikerin meint
Ist total egal – es wird wohl kein LKW von den USA über Europa nach China fahren.
Übrigens wieso schon wieder?
CCS war als Standard für USA und Europa festgelegt bevor Tesla den ersten SuC gebaut hat.
Kasch meint
Schlicht falsch, besser nachlesen und dann plapper. Und CHAdeMO-Stecker findet man heute noch in Europa, weil China den Schwac…in von CCS zunächst grundlegend ablehnte. Jetzt benötigt man in Europa teure 800V-Technik, um die Temperatur des Kneuel von Kupferleitungen hinter der CCS-Dose im Zaum zu halten.
M. meint
Wegen dem „Knäuel“. Ja, nur deswegen wird das gebraucht.
Du hast es kap… nein, das war ein Scherz.
eBikerin meint
Chademo kommt aus Japan nicht aus China – und ja man findet noch alte Säulen aber keine neuen Autos mehr. Auch ist mit kein chinesisches Auto bekannt welches in Europa mit Chademo verkauft wurde. Im Jahr 2011 einigten sich die großen Europäischen Autobauer und GM auf CCS – Tesla stellte den ersten SuC 2012 her.
Ist halt Fakt – so viel zum plapper
Mary Schmitt meint
Du bist ja wie die Fahrzeuge deiner Lieblingsmarke technisch völlig abgehängt. Tesla ist Mitglied von CharIN und wird den MCS-Stecker unterstützen. Falls sie je einen Lastwagen auf den europäischen Markt bringen. Falls sie überhaupt je einen Lastwagen auf den Markt bringen, wovon ihnen dringend abzuraten ist.
Kasch meint
Was soll deine Lieblingsfirma in USA demnächst bauen/liefern ? CCS mit einem stromlimitierenden Adapter im Kofferraum ? Ein weltweiter Standard wär für Alle wünschenswert, doch wie ich Dum..land kenne, nicht machbar.
Andi_XE meint
Soweit ich das sehe verendet Tesla auch das MCS-System.
Die haben bei der Entwicklung ja auch mit am Tisch gesessen.
Kann natürlich sein das Tesla aus den entsprecheden Gremien ausgesiegen ist und eine eigene Suppe kocht um in den USA eine marktbeherschende Stellung einzunehmen, wenn denn der SEMI ende 2025 in Serie gehen sollte.
M. meint
Der soll Ende 2025 gar nicht in Serie gehen.
„2026“ ist das aktuelle Datum.
Gunnar meint
Das mit dem Tesla Semi ist ein einziges Trauerspiel. Wurde für 2019 angekündigt. Jetzt frühestens 2026. Ganze 7 Jahre Verzögerung.
Wäre er 2019 auf den Markt gekommen, wären sie den anderen Jahre voraus. Jetzt werden sie nur einer von vielen sein.
M. meint
Ja, wäre der wirklich 2019 gekommen und hätte zum angekündigten Preis geliefert, was angekündigt wurde, hätte der den Markt tatsächlich aufgerollt.
Aber der Semi geht den Weg des CT, wenn Tesla nicht aufpasst.
Und nicht mal davon werden 50k pro Jahr gebaut. Erst recht nicht auf Jahre hinaus.
Mark Müller meint
Ich habe hier eine Meldung vor mir, die besagt, dass er 2018 in Produktion geht. Hab ich da etwas verpasst?
Mary Schmitt meint
Verpasst ganz sicher nicht.