Der Bericht „Vision 2050“ des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt, dass die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs zentral für die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens ist. Der Sektor verursacht fast ein Fünftel der weltweiten CO₂-Emissionen, und der Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen gilt laut der Studie als wirksamster Hebel zur Reduktion.
Es handelt sich um die vierte jährliche Fortschreibung der globalen ZEV-Analyse (ZEV = Zero Emission Vehicles/„Nullemissionsfahrzeuge“). Der Bericht bewertet politische Maßnahmen und Marktentwicklungen und projiziert deren Auswirkungen auf Fahrzeugverkäufe, Energieverbrauch und Emissionen bis 2050. Modelliert werden drei Szenarien: ein Baseline-2025-Szenario mit bis August 2025 beschlossenen Maßnahmen, ein Momentum-Szenario mit angekündigten, aber nicht bindenden Zielen sowie ein ambitioniertes, am Pariser Abkommen ausgerichtetes Szenario.
Die in den vergangenen vier Jahren verabschiedeten Politiken haben die Emissionsaussichten deutlich verbessert. Im Baseline-2025-Szenario erreichen die globalen Emissionen des Straßenverkehrs bereits 2025 ihren Höhepunkt und sinken danach. Gegenüber dem Baseline-2021-Szenario werden bis 2050 kumulativ rund 20 Milliarden Tonnen CO₂ vermieden.
Sollten Regierungen ihre bestehenden Ankündigungen vollständig umsetzen, könnten laut Momentum-Szenario weitere 11 Milliarden Tonnen CO₂ eingespart werden. Dennoch bleibt eine Lücke von 47 Milliarden Tonnen gegenüber dem Paris-kompatiblen Szenario. Dieses Defizit unterstreicht laut den Studienautoren, wie weit die aktuelle Politik noch von einem Pfad entfernt ist, der die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzt.
Die Marktanteile elektrischer Fahrzeuge wachsen weiter stark. China bleibt der größte Absatzmarkt für elektrische Pkw, während das schnellste Wachstum in Schwellenländern wie Vietnam, Thailand, der Türkei und Indonesien stattfindet. Treiber sind fiskalische Anreize, heimische Produktion und kostengünstige Importe. Bei mittelschweren und schweren Lkw führen China und die EU, mit teils zweistelligen Marktanteilen und in einigen EU-Ländern über 50 Prozent bei elektrischen mittelschweren Lkw im ersten Halbjahr 2025.
Tempo neuer Regulierung verlangsamt
Gleichzeitig hat sich das Tempo neuer Regulierung verlangsamt. Zwischen September 2024 und August 2025 wurden keine neuen großen angebotsseitigen Regeln beschlossen. Stattdessen führten die EU und das Vereinigte Königreich kurzfristige Flexibilitäten ein, während in den USA ein Regierungswechsel auf die Rücknahme bestehender Regeln zielte. Dennoch gilt die Pipeline an Vorschlägen in Ländern wie Vietnam, Thailand, Mexiko und Indien als stark.
In fast allen Szenarien außer dem konservativsten erreichen die Emissionen des Straßenverkehrs bereits 2025 ihren Höhepunkt. Ausschlaggebend sind Effizienzgewinne und Elektrifizierung in großen Märkten wie China und der EU, wobei auch das Wachstum der Verkehrsleistung eine Rolle spielt.
Der Bericht stellt fest, dass selbst bei Umsetzung der Momentum-Ziele bis 2050 nur rund 40 Prozent der notwendigen Emissionsminderungen erreicht würden. „Eine erhebliche Lücke zwischen erklärten Zielen und einem Paris-kompatiblen Pfad bleibt bestehen“, so die Studienautoren. Besonders groß sei diese Lücke bei schweren Nutzfahrzeugen.
Deutliche regionale Unterschiede prägen das Bild. Kanada, die EU und das Vereinigte Königreich schließen im Momentum-Szenario rund 90 Prozent ihrer Emissionslücke, Brasilien, Südkorea und die USA weniger als 20 Prozent. Die USA stechen heraus: Vorgesehene Rücknahmen führen dazu, dass die Emissionen im Momentum-Szenario sogar über dem Baseline-Pfad liegen. Dadurch sinkt der Beitrag zur Lückenschließung von 60 auf 14 Prozent.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass bereits beschlossene Maßnahmen die Emissionen trotz steigender Fahrzeugnutzung senken können. Gleichzeitig betont der Bericht, dass die starke Marktdynamik genutzt werden muss, um die verbleibende Ambitionslücke zu schließen. Dazu seien verbindliche Regeln, eine Ausweitung der Standards auf alle Fahrzeugklassen und eine Beschleunigung des ZEV-Ausbaus notwendig.
„Die Beseitigung regionaler Ungleichheiten und politischer Lücken ist entscheidend, um den Straßenverkehr auf einen Emissionspfad zu bringen, der mit dem Pariser Abkommen vereinbar ist“, erklärt das ICCT.

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