Seit der Gründung im Jahr 2018 hat sich das österreichische Unternehmen Aviloo eigenen Angaben nach zum Weltmarktführer im Bereich der unabhängigen Batteriediagnostik für gebrauchte Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge entwickelt. Mit einem 30-Millionen-Euro-Investment zählt die deutsche Investment-Gruppe Armira Growth neben der Invest AG und Raiffeisen KMU Invest nun zu den wichtigsten Investoren des Scale-ups.
Die Investition unterstreiche das große Vertrauen in das skalierbare Geschäftsmodell, die technologische Führungsrolle sowie das langfristige Wertschöpfungspotenzial im wachsenden Markt für Elektromobilität“, so Aviloo. „Die gestärkte Gesellschafterstruktur bietet eine solide Kapitalgrundlage, um das weitere Wachstum von Aviloo zu unterstützen und das Unternehmen als wegweisenden Marktführer im Bereich der Batteriediagnostik für Elektrofahrzeuge weiter zu etablieren.“
Die angebotene Lösung liefere eine objektive und herstellerunabhängige Bewertung des Batteriezustands – „und geht mit präzisen Berechnungen deutlich über einfache Fahrzeugdaten-Auslesungen hinaus“, heißt es. „Die Anwendung ist unkompliziert, liefert Ergebnisse innerhalb von drei Minuten und ist mit über 96 % aller Elektrofahrzeuge kompatibel. Durch die transparente Darstellung des Batteriezustands schafft Aviloo Vertrauen für Käufer und Verkäufer und adressiert einen der entscheidendsten Werttreiber im Remarketing von Elektrofahrzeugen.“
Die Diagnosetechnologie des Unternehmens kombiniert eigens entwickelte Hardware, Software und datengestützte Analytik, die eine verlässliche und objektive Beurteilung des Batteriezustands ermöglichen soll. Ein wesentlicher Differenzierungsfaktor ist Aviloo zufolge sein kontinuierlich wachsender Batterie-Datensatz, der auf mehr als 550.000 bislang durchgeführten Tests basiere und die reale Batterieperformance über verschiedene Fahrzeugmodelle, Nutzungsmuster und Lebenszyklusphasen hinweg abbilde.
Die Lösungen von Aviloo werden den Angaben nach von einer wachsenden Kundenbasis mit mehr als 750 Kunden in über 30 Ländern genutzt – darunter Händlernetzwerke von Autoherstellern, Leasing- und Flottenbetreiber, Prüfgesellschaften und KFZ-Dienstleister. Unter anderem Autobauer wie Hyundai und Mercedes-Benz hätten Aviloo-Diagnosen in ihre Händlerökosysteme integriert.
Aviloo ist in Europa, Asien, Australien und den USA tätig und will seine internationale Präsenz weiter ausbauen. „Die nun vorgenommene Investition wird die Produktentwicklung und die internationale Expansion des Batteriediagnostik-Anbieters weiter beschleunigen – mit besonderem Fokus auf die Vereinigten Staaten und Asien“, erklärt das niederösterreichische Unternehmen. „Sie unterstützt die Entwicklung neuer Produkte und bedeutender strategischer Partnerschaften, wobei mehrere Markteinführungen im Laufe des Jahres 2026 geplant sind. Mit diesen Initiativen möchte Aviloo seine technologische Führungsposition weiter stärken und unabhängige Batteriediagnostik weltweit als Industriestandard etablieren.“

M.F. meint
Liegen ich falsch oder weiß man den Innenwiderstand nicht doch über den Spannungseinbruch bei verschiedenen Belastungen? Strom weiß man und Spannu ng weiß man.
Soweit ich das mitbekommen habe, sind das genau die Werte auf die Aviloo schaut und vergleicht. Und was das betrifft, sind die BMS ziemlich schwach.
M. meint
Wenn man mit Forschern in dem Bereich spricht, zerfällt die Aussagekraft des 3-Minuten-Tests recht schnell: die App verwendet die Daten des BMS zwar (möglicherweise) anders als es das BMS tut, aber es stützt sich immer auf das, was das BMS sowieso liefert. Und das BMS weiß nicht alles. Kann nicht alles wissen. Und wie sollte die „eigens entwickelte Hardware“ über OBD an Daten kommen – wenn nicht über das BMS? Es kann nur die vorhandenen Daten anders bewerten.
Wenn z.B. Zellspannungen nicht einzeln, sondern über einen String gemessen werden, weiß man nichts über die Einzelspannungen. Das passiert zum Glück nicht mehr so oft. Zelltemperaturen werden außen gemessen – Wärme entsteht aber innen. Temperaturen werden nicht an jeder Zelle, sondern an ausgewählten Zellen gemessen – die Werte sind daher nur Modellrechnungen, keine realen Daten. Auch Aviloo hat diese Daten nicht, weil sie nicht gemessen werden. Wichtiger ist aber, dass aktuell kein einziges BMS den Innenwiderstand jeder einzelnen Zelle misst (weil das unbezahlbar ist) – aber das ist ein zentraler Punkt: der Innenwiderstand bestimmt, wie viel Energie beim Laden „verpufft“, also wie viel Ladeenergie in Wärme umgesetzt wird – und damit die Grenze für die Ladegeschwindigkeit und die ENTladegeschwindigkeit setzt. Dieser Innenwiderstand verändert sich mit der Zeit und verändert die Fähigkeit der Zelle, Energie zu speichern oder abzugeben – es geht also nicht nur um die Kapazität der Zelle, sondern auch um ihre Leistung. Das ist wie eine Wasserflasche, bei der man langsam den Deckel zuschraubt – das Wasser ist drin, die Kapazität ist vorhanden, aber man bekommt es immer langsamer rein oder wieder raus.
Noch dazu ist dieser Innenwiderstand bei jedem Zelltyp anders, und ändert sich auch noch mit Ladezustand der Zelle (Zellspannung / SoC) und der Temperatur – deswegen werden Batterien für Schnellladung vorkonditioniert.
Und nun dann will man den SoH auslesen, ohne den Zelltyp (und damit ihren initialen Innenwiderstand) zu kennen, ohne die Spezifikationstemperatur der Zelle zu berücksichtigen (oder auch nur zu kennen), ohne SoC zu berücksichtigen, ohne den individuellen maximalen Entladestrom zu ermitteln?
Das kann man vergessen. Das taugt als erster Anhaltspunkt – wenn hier „etwas auftaucht“, z.B. eine große Spreizung von Zellspannungen, sollte man auf jeden Fall genauer hinschauen.
Aviloo weiß das natürlich auch, und bietet deswegen auch den weit aufwändigeren Test an, bei dem die Batterie geladen und anschließend beim Fahren entladen wird. Damit sind zumindest Aussagen zur Kapazität zu treffen – aber den Innenwiderstand der einzelnen Zellen kennt man immer noch nicht. Man kann nicht sagen, ob eine Zelle mit erhöhtem Innenwiderstand dazwischen ist – man kann das anhand von Zellspannungen abschätzen, ja. Das kann aber im Grunde jedes BMS selbst – es liefert alle Daten, die Aviloo verwendet. Die Stärke von Aviloo ist, das mit ausreichend Vergleichswerten aus anderen, identischen Batterien in Relation zu setzen. Aber wenn man es für die konkrete Batterie wirklich genau wissen will, muss man die Batterie aufmachen und dann Zelle für Zelle messen.
Das wird sich in Zukunft ändern, wenn die Technik für die Innenwiderstandsmessung günstig genug wird, dass sie direkt in die Batterien integriert werden kann. Dazu gab es hier auch schon Artikel.
Ein Punkt ist natürlich auch: wenn Hersteller Garantien auf Batterien geben, wie wahrscheinlich ist es, dass dort innerhalb der Garantiezeit oft ein SoH <70% auftaucht? Das kostet Geld, das passiert nur bei offensichtlichen Fällen. Da ist Aviloo als "unabhängiger Gutachter" sicher das Geld wert.