Das europäische Gemeinschaftsunternehmen für Elektroauto-Akkus ACC (Automotive Cells Company) hat die Pläne für den Bau von Großfabriken in Deutschland und Italien diesen Monat offiziell aufgegeben. Die IG Metall will dafür kämpfen, dass zumindest das Werk in Kaiserslautern doch noch errichtet wird.
„Es gibt bundesweit keinen besseren Standort, wenn man Batteriezellenproduktion wirklich will“, sagte der Vorsitzende des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger, laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es gebe einen voll erschlossenen Standort, Förderzusagen und eine qualifizierte Belegschaft mit einem ausverhandelten Tarifvertrag.
Neben Hauptinvestor Stellantis sind an ACC auch Mercedes-Benz und TotalEnergies über die Tochter Saft beteiligt. In der Pfalz sollten mit dem angekündigten Akku-Werk auf dem früheren Opel-Gelände rund 2000 neue Jobs entstehen. Das vorgesehene Grundstück dürfe auf keinen Fall weiterverkauft werden, forderte Köhlinger. Die Gewerkschaft wolle Gespräche mit der Politik sowie den Anteilseignern von ACC suchen. Es gehe darum, eine „Koalition der Willigen und Fähigen“ zu schmieden.
ACC hat die Investitionen für Kaiserslautern und ein weiteres Werk in Italien vor wenigen Tagen gestoppt, weil man die Wirtschaftlichkeit der Standorte nicht mehr gegeben sieht. Die IG Metall verweist hingegen auf die Notwendigkeit von widerstandsfähigen Lieferketten und warnt vor drohender Abhängigkeit von externen Zulieferern.
Hintergrund der Entscheidung ist die gedämpfte Nachfrage nach Elektroautos in Europa. Eigentlich wollte ACC auf dem Kontinent drei Fabriken hochziehen. Das erste Werk des Joint Ventures ist in Frankreich entstanden und produziert bereits. Die Erweiterungspläne für Deutschland und Italien waren angesichts der Marktlage bereits im vergangenen Jahr auf Eis gelegt worden.


Future meint
ACC hat Problem mit der Expertise, die man für die Zellfertigung braucht. In Frankreich sollen das jetzt bei ACC wieder Experten aus China hinbekommen, weil die Produktion nicht skaliert werden kann.
Stellantis baut das Zellwerk in Spanien gleich zusammen mit CATL, die dafür 2.000 chinesische Experten nach Saragossa holen.
Was will die IGM da in Kaiserslautern machen. Die 2.000 Chinesen in Saragossa werden wohl auch ohne Gewerkschaft auskommen müssen.
M. meint
Die müssen auf viel mehr verzichten als bloß auf eine Gewerkschaft.
Nicht wenige werden Familie zu Hause haben… die wollen sie bestimmt wiedersehen.
Lataffa meint
Das sind ganz ganz arme Schw…e, diese 2000 Chinesen.
Future meint
Gibt es dafür auch eine Quelle, Lataffa?
Wie geht es denn den vielem chinesischen Experten in den Werken von PowerCo (Gotion) und CATL in Deutschland? Ist die IGM eigentlich schon mit Agenten vor Ort?
Lataffa meint
Freiheit für Jimmy Lai!
M. meint
Och, „Future“.
Tu doch nicht immer so, als wärst du gerade gestern auf diesr Welt angekommen und hättest von dem, was hier vorgeht, noch nichts gehört.
Das wird so langsam unglaubwürdig.
Tinto meint
Das naive Getue ist sein Markenzeichen, das pflegt er hier ausgiebig. In Wirklichkeit ist er als Spiegel Online Leser immer ganz nah am Puls der Zeit.
Future meint
Tinto, ich kenne tatsächlich nicht die Geschichten der chinesischen Arbeiter in den deutschen Batteriewerken. Allerdings kenne ich die Geschichten der 20.000 chinesischen Textilarbeiter in der Toskana. Und bei der täglichen Presseschau habe ich auch gelesen, dass sogar viele italienische Espressobars mittlerweile von chinesischen Famiien geführt werden, weil sich das für die Italiener nicht mehr lohnte. So retten die Chinesen jetzt ein Stück italienische Kultur …
M. meint
„Future“,
du bist also wirklich neu auf dieser Welt.
Schade. Aber du kannst lernen.
R2D2 meint
Die IGMetall beweisst jeden Tag aufs neue, das die Realtität zu komplex ist und die auch diese Zitate von den Indieaner, den Pferden die nicht laufen wollen, nicht kapiert hat. Aber kämpfen ist gut, vorallem wenn es gegen Windmühlen sind. Das macht Sinn, seine Standpunkt Leute zu vermitteln, die schon längst weiter sind…
Future meint
Vielleicht ist es nur PR in eigener Sache bei der IGM.
Aber dein Vergleich mit den Pferden passt zum Jahr des Pferdes, das jetzt gerade begonnen hat. Das Pferd steht doch für Mut, Energie und viel Kraft.
R2D2 meint
Japanische Jahreszeiten haben im Land der Currywurst keinerlei Bedeutung und nachlaufenden Tiefgang bei Entscheidungen hier…
Lataffa meint
Pferde sind ängstlich, mit der Intelligenz ist es auch nicht weit her, und Kraft? Naja, 1PS halt.
Ziemlich du.mm, diese Chinesen.
Future meint
Die chinesische Kultur sieht das eben ganz anders als ein Westler wie du: Das Pferd im chinesischen Kalender (das 7. Tier im Zyklus) steht für Freiheit, Energie, Tatkraft und einen unbändigen Lebenswillen. Es symbolisiert schnelle Fortschritte, Unabhängigkeit und Abenteuerlust. Als Yang-Zeichen bringt es Dynamik, Bewegung und eine sozial lebhafte Energie, die jedoch auch rebellisch oder ungeduldig sein kann.
In den Landeswappen von Niedersachen und NRW gibt es auch Pferde. Das ist eine schöne Verbindung, die vielen Chinesen in diesem Jahr gefallen wird. Und das ist vielleicht auch gut für die wirtschaftliche Zusammenarbeit, wenn man sich auf Amerika als Handelspartner gerade so schlecht verlassen kann.
M. meint
Schön kopiert, aber eine Quellenangabe gehört schon noch dazu.
Lataffa meint
Future, der Wikipedia Held.
“ sozial lebhafte Energie, rebellisch“
Für diese chinesischen Werte hat Jimmy Lai gerade 20 Jahre bekommen.
Future meint
Man kann nicht immer alles vermischen, Lataffa. Damit macht man es sich zu einfach. Die chinesische Kulturgeschichte kann man unabhängig von Politik und Wirtschaft bewerten. Die deutsche Autoindustrie investiert ja das viele Geld in China ja auch nicht wegen der Kultur, sondern wegen der verlässlichen und wirtschaftsfreundlichen chinesischen Politik und der hohen Gewinne, die sich in China erwirtschaften lassen,
M. meint
Das ist zwar mal wieder am Thema vorbei, aber immerhin nicht ganz falsch:
westliche Firmen sind nach China gegangen, um dort Geld zu verdienen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit – China wollte das ja so.
Also, was wollte – und bekam – China?
Autos, die es sich selbst ausgesucht hatte. Industrialisierung. Technisches KnowHow.
Und das ist jetzt umgekehrt auch so: chinesische Autohersteller kommen auch nicht wegen der Kultur zu uns, sondern wegen Geld. Genauso wie 40 Jahre zuvor umgekehrt war.
Und deswegen kann man heute die gleichen Forderungen an diese Chinesen stellen, wie die Chinesen das damals auch taten:
– Autos (meinetwegen, die hätten wir selbst, aber ok)
– Industrialisierung (hier bauen)
– KnowHow (JointVentures)
Was spricht dagegen, wenn es umgekehrt ok war?
M. meint
Und wie macht die IGM das?
Gehaltserhöhung, Reduzierung der Wochenarbeitszeit, oder beides?
Ossisailor meint
Ein Problem sind die Anteilseigner Stellantis und Mercedes, weil die beim BEV-Absatz nicht wirklich vorankommen und daher nicht ausreichend Zellenbedarf haben.
Das andere Problem scheint die hohe Ausschussquote bei der Herstellung zu sein, was auf mangelnde Fertigungskompetenz schließen läßt.
Wenn das Werk in Kaiserslautern Sinn machen soll, dann doch nur mit einer Zellkonfiguration für einen erweiterten Abnehmerkreis, wobei die Ausschussquote deutlich wird sinken müssen.
Jeff Healey meint
Hallo,
so ist es. ACC hat ganz offensichtlich Probleme mit der Ausschussquote bei der Batterieproduktion. Es gibt ja quasi ein Eingeständnis der Probleme von Stellantis/ACC:
Man kommuniziert einen Engpass bei den Batterien (es gab zuletzt bei Ecomento einen Artikel darüber) und stampft gleichzeitig die geplanten Produktionen in Deutschland und Italien ein. Es ist kein Zufall, dass Stellantis nun mit Hilfe von CATL eine Produktion in Spanien anstrebt.
Stefan meint
Dann müsste Stellantis schon einige Tausend Elektroautos mehr von Opel in Europa verkaufen.
Es gibt ja schon Batteriefabriken von chinesischen Herstellern in Europa, teils als Joint-Venture.
U.a. in Ungarn und Spanien.
Ossisailor meint
Eine der größten, wenn nicht sogar die größte, in Dresden von CATL.
Peter meint
Es ist nicht Dresden, sondern (in der Nähe von) Erfurt. Fast dasselbe.
MK meint
Das französische Werk von ACC beweist doch, dass das Know How zur Akkuherstellung in dem Unternehmen nicht vorhanden ist.
Ein weiteres Werk in Kaiserslautern hilft also weder bei der Unabhängigkeit von externen Lieferanten noch bei „widerstandsfähigen Lieferketten“. Es belastet nur die Wirtschaftlichkeit der Muttergeselslschaften und damit auch der deutschen Werke von Mercedes und Opel…und das dürfte auch nicht im Interesse der IG Metall sein.
Manchmal muss man einfach einsehen, dass der Verzicht auf 1.000 Arbeitsplätze an einer Stelle entscheidend dazu beiträgt, zehntausende an anderer Stelle zu erhalten oder auch erst aufzubauen.
LOL meint
der IGM geht es nicht um KnowHow
MK meint
@LOL: Und genau das ist das Problem, dass sich kurzfristig zwar nach einem guten Ziel anhört, langfristig der deutschen Industrie aber massiv schadet.
Peter meint
KnowHow muss man sich auch erarbeiten, das fällt nicht vom Himmel. Zwischenzeitliches Scheitern und ein längerer Atem gehören dazu. Speziell letzteres scheint ein Problem zu sein. Denn die Hochlaufraten der Zellproduktion sind international recht ähnlich, auch in China spucken die Fabs erstmal vergleichsweise viel Ausschuss aus, da gibt es entsprechende Untersuchungen dazu, dass das global recht ähnlich ist und Europa eben kein Sonderfall. Nur der Umgang mit diesen Gegebenheiten ist vielleicht ein Sonderfall, wie man ja hier in den Kommentaren auch sieht.
MK meint
@Peter:
Da gebe ich Ihnen recht. Die Werke in Deutschland und Italien von Stellantis waren aber nie zum „erarbeiten“ von Know How gedacht, sondern immer als stumpfe Werkbänke und aus Kostengründen einfache Kopien des französischen Werkes (um eben die Verluste eines erneuten Hochlaufs zu vermeiden). Und um so etwas aufzubauen, braucht man halt erst das Know How, um zu wissen, welche Maschinen in welcher Anordnung man überhaupt braucht, wie die Logistik aussehen muss usw. Ein Baubeginn für weitere Werke macht also frühstens Sinn, wenn das Werk in Frankreich wirklich gut läuft.
Stellantis hat da halt sonst nichts, auf das man zurückgreifen kann. Bei VW z.B. sieht es anders aus, die ja ihre Batteriesparte mit Northvolt zusammen gegründet hatten, dort vieles „abgekupfert“ und nach der Insolvenz auch übernommen haben und außerdem schon in einer sehr frühen Bauphase des Werkes Salzgitter einen erfahrenen chinesischen Hersteller ins Boot geholt hat, der auch viele wichtige Produktionsanlagen beigesteuert hat. Auf diese Taktik hat Stellantis ja mittlerweile auch gewechselt und baut stattdessen seine neuen Akkuwerke in Europa zusammen mit CATL.
Peter meint
Auch Salzgitter wird Lehrgeld zahlen müssen und Zeit benötigen. Die Frage wird sein, ob das VW-Management der Anlage diese Zeit und auch das Geld zugesteht. Ich hoffe es.
MK meint
@Peter
Das ist ganz sicher so und auch von VW eingeplant…nicht umsonst geht man ja davon aus, bei einem Produktionsanlauf im vergangenen Dezember frühstens im April erste in Fahrzeugen verwendbare Akkus zu haben.
Aber im Vergleich zu Stellantis gibt es halt einen entscheidenden Unterschied: Salzgitter ist nur der Abklatsch einer chinesischen Akkufabrik eines Partners und keine Neuentwicklung. Dazu kommen das Knwo How von Northvolt, die ja in Schweden ebenfalls schon recht erfolgreich Akkus hergestellt haben und von denen es ein Werk (mittlerweile als Teil der VW-LKW-Sparte Traton) auch weiterhin tut. Auch damit, dass man so in Schweden schon ein funktionierendes Akku-Zellwerk im Konzern hat, hat man Stellantis was voraus…und Vorproduktionen in Salzgitter laufen ja auch schon seit Jahren. Eine Zeit, die Stellantis seinem Werk und den dort arbeitenden Mitarbeitern nicht eingeräumt hatte.