Der deutsche Logistikdienstleister TST Logistik hat sein kooperatives Depotladenetz für Elektro-Lkw unter dem Namen „Dragonize“ offiziell gestartet. Das Angebot richtet sich an weitere Unternehmen, die eigene Ladeinfrastruktur einbringen oder bestehende Infrastruktur anderer Teilnehmer nutzen können.
Die Initiative basiert auf Plänen, die im Vorjahr auf der Fachmesse Transport Logistic vorgestellt wurden. Laut TST sind sowohl die Marke als auch die technische Plattform inzwischen marktreif. „Oder anders formuliert: Es kann losgehen!“, heißt es dazu laut einem Bericht des Portals Electrive aus dem Unternehmen.
Dragonize wird als kooperatives System beschrieben, das Akteuren der Logistikbranche vernetzt und gemeinsamen Zugang zu depotbasierter Ladeinfrastruktur ermöglicht. Ziel ist ein integriertes Ökosystem aus Infrastruktur, Betrieb und digitalen Services. Speditionen können externe Ladepunkte nutzen und zugleich eigene Kapazitäten in das Netzwerk einbringen. „Aus dem Austausch einzelner Spediteure und Logistiker wird ein passgenaues Logistik-Ökosystem und Ladenetz“, so TST.
Zentrale Komponente ist die digitale Plattform „DepotOS“, die Ladeplanung, Reservierung, Routing und Betrieb bündelt. Ergänzt wird das System durch Leistungen wie Infrastrukturplanung, Bau, Wartung und Datentransparenz. Katrin Herda, Geschäftsführerin der TST-Tochter PamSun GmbH: „Dragonize ist aus der Praxis entstanden – gemeinsam mit der Branche. Nicht als Konzept, sondern als Lösung für den echten Betrieb.“
Ausgangspunkt des Netzwerks ist die Ladeinfrastruktur von PamSun, die seit 2023 aufgebaut wird. Ein erster großer Standort wurde im März 2025 in Worms eröffnet. Dort stehen acht Ladepunkte mit unterschiedlichen Leistungsstufen zur Verfügung, die auch von externen Speditionen genutzt werden können. Die Anlage ist auf schwere Nutzfahrzeuge ausgelegt, sodass auch 45-Tonner ohne Abkoppeln einfahren können.
Der Standort wird teilweise durch Photovoltaikanlagen mit 7,5 MW Leistung versorgt. Neben der eigenen Flotte nutzen auch externe Kunden den Ladepark. Laut Sebastian Crusius, Interim COO und CSO von Dragonize, greifen bereits mehr als 20 Logistikunternehmen darauf zu. Zudem gibt es erste internationale Interessenten. Weitere Standorte sind unter anderem in Hessen angedacht, ebenso wie frühere Planungen für Wevelinghoven und Alzey. Parallel arbeitet TST an laut Electrive Batteriespeichern sowie neuen Ladelösungen.

MK meint
Was glaube ich noch fehlt für den Durchbruch, ist ein „Marktführer“: Anbieter, die über eine öffentlich zugängliche Plattform ihre eigenen Kapazitäten anbieten und andere Firmen zum mitmachen einladen, gibt es meines Wissens schon einige. Aber Firmen, die sich einfach einem solchen Netzwerk anschließen?
Und viele kleine „Netzwerke“ erfüllen den Zweck „mit einer App überall Lademöglichkeiten finden und Ladevorgänge abrechnen“ halt nicht.
Jörg2 meint
MK
Ja, das wäre sinnvoll, wenn es eine, für alle zugängliche (sowohl Anbieter der betriebseigenen Ladeinfrastruktur, als auch jedweder Nutzer, egal, ob er Ladeinfrastruktur zur Verfügung stellt) Abrechnungs-/Buchungsplattform geben wird.
Im Dieselgeschäft hat es bisher auch per gegenseitiger Abrechnung (Tankkartensystem) funktioniert. Ich gehe davon aus, dass wird hier dann auch erfolgen.
Ich vermute, die großen Stromanbieter, welche bisher die Betriebshöfe versorgt haben (oftmals mit erheblicher Anschlussleistung, s. Kühllagerfächen), werden sich freuen, dass sie nun Umsätze aus dem Dieselmarkt bekommen. Es liegt dann sicherlich für das Fuhrunternehmen nahe, diesen Haus-und-Hof-Stromanbieter zu fragen, wie denn DIE Fahrzeuge des Fuhrparks versorgt werden können, die (warum auch immer) an der öffentlichen Ladeinfrastrukur laden müssen.
MK meint
@Jörg2:
generell bietet Elektromobilität Potential für viele Firmen. Da wo ich arbeite, hat der Standortbetreiber des Industrieparks angefangen, in großem Stil Ladesäulen und Solaranlagen aufzubauen, Windkraftanlagen sind wohl geplant. Plötzlich werden sogar die eigenen Mitarbeiter zu Kunden und ein Teil des an die Mitarbeiter gezahlten Gehalts, dass diese sowieso hätten ausgeben müssen, um zur Arbeit zu kommen, landet gleich wieder in der Unternehmenskasse statt bei irgendeinem auswärtigen Ölmulti.
Jörg2 meint
Früher hieß es: „Kann ich an Deiner Betriebstankstelle tanken, dann kannst Du an meiner tanken. Wir verrechnen dann.“
Nun findet das zunehmend Einzug beim Laden. Ich vermute, dass wird die Preise der öffentlichen Ladeinfrastruktur drücken und dem Durchleitungsmodell im Frachtverkehr helfen, Fuß zu fassen.