Die chinesischen Automobilkonzerne haben laut den Marktforschern des deutschen Center of Automotive Management (CAM) in den letzten Jahren kontinuierlich an Innovationsstärke gewonnen und standen in Summe bereits in den letzten Jahren ganz vorn. Erstmals seit der Premiere der „AutomotiveInnovations“-Studienreihe im Jahr 2005 wird jetzt aber mit BYD ein einzelner chinesischer Hersteller weltweit Innovationsstärkster Automobilkonzern, vor der Volkswagen Group und Mercedes-Benz.
Die Marke BYD wird außerdem die Innovationsstärkste Volumenmarke. Auf den Plätzen zwei und drei der Volumenmarken folgen Renault und Toyota. Das sind zentrale Ergebnisse der AutomotiveInnovations-Studie auf Basis von 867 Innovationen des Jahres 2025/2026, darunter circa 660 Serien-Innovationen von 36 Automobilgruppen. Gut 300 Serien-Innovationen stammen von etwa 70 Volumenmarken.
Die Innovationsstärksten Konzerne: BYD vor VW und Mercedes
Die Rangliste der Innovationsstärksten Konzerne führt erstmals BYD mit 157 Indexpunkten (IP) klar an, gefolgt vom Vorjahressieger Volkswagen Group (143 IP) und der Mercedes-Benz Group (134 IP). Auf den Plätzen 4 bis 6 rangieren dicht gefolgt Xiaopeng (128 IP), BMW und Geely Group.
Mit deutlichem Abstand komplettieren Renault, Toyota, GM und Hyundai die Top-10 der Innovationsstärksten Automobilgruppen.
BYD verteilt seine Innovationsleistung auf seine drei wichtigsten Marken BYD, Yangwang und Denza. Von der Kernmarke BYD stammen die mit Abstand meisten Innovationen (36) und auch mit 18 die meisten Weltneuheiten. Dazu zählen etwa ein Highway-Assist nach Level 2+, der erstmals mit den Modellen Dolphin und Seagull im Kleinwagen- beziehungsweise Minicar-Segment verfügbar ist. Das kleine elektrische SUV Atto 2 sticht durch seine Segment-Bestwerte bei Ladeleistung, Reichweite und Verbrauch heraus. Stichwort Ladeleistung: BYD baut aktuell ein Netz von 1-Megawatt-Hyperchargern auf, an denen sich in fünf Minuten Energie für rund 400 Kilometer Reichweite nachladen lässt. Im Van Denza D9 ist ein verbesserter, teilautonomer Autobahn-Assistent verfügbar, der jetzt auch automatisch Mautstationen passieren kann, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.
„Mit BYD wurde nicht nur erstmals ein chinesischer Automobilkonzern Innovationsführer. Zusammen mit Xpeng und der Geely Group rangieren drei chinesische Konzerne unter Top-6 der Innovationsstärksten Automobilherstellern des Jahres und heben die tektonische Verschiebung in der Automobilindustrie auf ein neues Niveau“, so Studienleiter Stefan Bratzel. „Die Erfolgsformel basiert wesentlich auf der Kombination von breiten Kompetenzen in Zukunftstechnologien, hoher Innovationsgeschwindigkeit und niedrigen Entwicklungs- und Herstellungskosten. Das magische Innovationsdreieck von relevanten Kernkompetenzen, hoher Agilität sowie Kosteneffizienz ist in der darwinistischen Ausleseprozess der Automobilindustrie überlebenswichtig.“
Volkswagen bezieht seine Innovationsstärke von 143 Indexpunkten in diesem Jahr vor allem von den Marken Audi (87) und Porsche (30). Audi verbessert mehrere Assistenzsysteme, zum Beispiel den Nothalteassistent im Audi Q3, der erstmals auch die Spur wechseln und im Falle einer ausbleibenden Fahrerreaktion ganz rechts anhalten kann. Über die Sprachsteuerung des Audi Assistant lassen sich jetzt auch Fahrerassistenzsysteme bedienen. Das System merkt sich Verhaltensmuster und kann diese dem jeweiligen Fahrer zuordnen. Bei Porsche sticht besonders der Cayenne Electric heraus, der in einer besonders leistungsstarken Turbo-Version erhältlich ist und über ein neues, gebogenes Touchdisplay verfügt.
Die Marke Mercedes-Benz bleibt die Innovationsstärkste Premiummarke im Jahr 2026 und kommt in der Konzernwertung auf Rang drei. Der Traditionshersteller punktet bei Innovationen etwa mit dem neuen elektrischen CLA, der den niedrigsten Stromverbrauch, die höchste Segment-Reichweite und die höchste Ladeleistung in der Mittelklasse hat.
Renault und Toyota hinter BYD Innovationsstärkste Volumenmarken
Neben der Konzernwertung wird die Marke BYD auch die Innovationsstärkste Volumenmarke 2026 mit über 105 Indexpunkten. Insbesondere Innovationen im Antriebsbereich (Batterietechnologie) und bei den Fahrerassistenzsystemen führten hierzu, erklärt das CAM. So sei BYD in der Lage, neue oder verbesserte Assistenzsysteme (Level 2+) zum Teil per OTA-Updates in praktisch allen Baureihen und Segmenten anzubieten, weil der Konzern konsequenter als viele europäische Marken in software-definierte Plattformen investiert habe. Dies zahle sich nun technologisch aus und bringe insbesondere im Heimatmarkt China viele neue Kunden.
Auch Renault habe mit seinen neuen vollelektrischen Modellen R4, R5, Twingo unter anderem neue Kundennutzen im Blick. Erstmals sei etwa im Minicar-Segment mit dem Twingo eine Vehicle-to-Grid-Funktion verfügbar, durch die die Kunden Strom ins Netz zurückspeisen und so Einnahmen mit ihrem E-Auto generieren können. Renault kommt auf Platz zwei, wenn auch mit spürbarem Abstand auf den Erstplatzierten.
Toyota auf dem dritten Rang mit rund 46 Innovations-Indexpunkten verfügt mit dem Brennstoffzellenantrieb in Serie über ein Alleinstellungsmerkmal im Segment der oberen Mittelklasse. Die dritte Generation der japanischen Brennstoffzelle ermöglicht im Modell Mirai eine Reichweitensteigerung von rund 20 Prozent auf etwa 770 Kilometer. Etwaige Ladeprobleme wie bei Batterie-Fahrzeugen entfallen so, allerdings fordern die geringe Tankstellendichte bei gleichzeitig rasant steigenden Ladeleistungen von E-Autos das Brennstoffzellen-Konzept heraus. Bei den Assistenzsystemen bietet Toyota erstmals in den Segmenten „Minicars“ und „Utilities“ im Aygo X beziehungsweise Hilux eine Nothalte-Funktion an.
In den Top-10 der Innovationsstärksten Volumenmarken fällt die starke Durchmischung nach Herkunftsländern auf: Vier Marken stammen aus China, zwei jeweils aus Japan und den USA und je eine aus Europa und Südkorea. Allerdings fehlen deutsche Marken. Serien-Sieger VW kommt aktuell aufgrund mangelnder Serienmodellinnovationen nur auf Rang elf, wobei die nicht bewerteten Vorserienneuerungen (z. B. VW ID. Polo) im Jahr 2026 laut dem CAM deutliche Verbesserungen erwarten lassen.
Innovations-Spitzenreiter und Verfolger wechseln sich ab
„Die Automobilbranche befindet sich angesichts des tiefgreifenden Wandels in einer Phase grundlegender Transformation, wobei sich spätestens seit 2019 eine tektonische Verschiebung der Innovationsstärke in Richtung der chinesischen Automobilhersteller zeigte“, so die Studienautoren. „Die chinesischen Autohersteller steigerten ihre globale Innovationsstärke von 28 % im Jahr 2019 auf rund 47 % im Jahr 2023 und stabilisierten sich seither auf diesem sehr hohen Niveau. Bereits im Corona-Jahr 2021 überrundeten sie die über viele Jahre dominierenden deutschen Innovationsführer, die von einer globalen Innovationsstärke von 40 % im Jahr 2019 auf den Tiefpunkt von 23 % im Jahr 2023 abrutschten und sich seither jedoch wieder auf 29 % steigern konnten.“

„Die deutschen Automobilhersteller stemmen sich im zurückliegenden Untersuchungszeitraum gegen die Übermacht der chinesischen OEM und haben die Talsohle von 2023 wieder verlassen, auch wenn der Abstand zu den Chinesen noch fast 20 Prozentpunkte beträgt“, erklärt Studienleiter Stefan Bratzel. „Die übrigen Auto-Nationen stagnieren auf niedrigem Niveau oder fallen deutlich ab auf Werte zwischen drei und sieben Prozent. Hier enttäuscht insbesondere Tesla, die nur noch auf Rang 24 rangieren – der mit Abstand schlechteste Wert seit Beginn der Bewertung von Tesla im Jahr 2013.“


David meint
Ich kaufe das auch dann nicht, wenn mir das Ergebnis gefällt.
Dieses Institut ist eines von zwei Instituten, wo mir persönlich die Substanz fehlt und in der Branche wird das genauso gesehen. Solange sie frei verfügbare Zahlen zusammenstellen und daraus Standardableitungen treffen, kann man das noch verkraften, aber das hier ist wieder der alte Stil. Wenn man alleine sieht, dass Toyota durch seine Fortschritte in der Brennstoffzelle in die Top 10 aufsteigen…
Dass Tesla technisch abgehängt ist, ist ja nicht zu bestreiten und schreibe ich hier öfter.
Powerfrau Torte meint
Der letzte Satz tut richtig weh.
Andi EE meint
Wow, Platz 24 für Tesla 😄😄😄, quasi jede Bruchbude die einen zugekaufte Batterie und Fremdsoftware in seinen BEVs auflegt, ist innovativer als Tesla. Die FSD-Zulassung der RDW in den Niederlanden immer noch nicht verdaut?! Muss man jetzt weiter kräftig am Lügengebilde und Selbstbetrug schrauben, dass man solche Realitätsverzerrung in den Umlauf bringen muss, eieiei.
Es ist einfach eine orchestrierte Mafia, dieses Ranking zeigt das einmal mehr.
eBikerin meint
Deine VTs werden ja immer schlimmer. Die sog: FSD (supervised) Zulassung ist keine Innovation – sondern nur eine Zulassung in einem weiteren Gebiet für ein Assistenzsystem, welches aber nicht neu ist. Solltest du ja wissen, dass es FSD (Supervised) ja schon ne Zeit lang gibt.
Ach ja das „supervised“ hab ich extra geschrieben, weil es in der Nachricht des RDW immerhin 8 mal vorkommt.
TomTom meint
Das passiert wenn der Chef ein Unternehmen nur der Aktien halber behält und lieber mit Raketen spielt als sich um diese Sparte zu kümmern….