Bidirektionales Laden ermöglicht die Rückspeisung von Strom aus der Elektroauto-Batterie und gilt als Schlüssel zur Energiewende. Netzbetreiber, Hersteller und Politik setzen große Erwartungen in die Technologie. Doch eine neue Studie zum Marktpotenzial zeigt laut den Autoren der Marktforschung UScale: Zwischen medialem Hype und tatsächlicher Kaufbereitschaft klafft eine erhebliche Lücke.
Gemäß der 5-Länder-Studie liegt die erreichbare Zielgruppe unter den aktuellen E-Auto-Fahrern bei 17 Prozent, unter den Verbrennerfahrern (als zukünftigen E-Auto-Fahrern) bei 6 Prozent. Für die „Bidirectional Charging Study 2026“ hat UScale eigenen Angaben zufolge über 10.000 Personen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Schweden befragt.
Nicht jeder Autofahrer kommt für die Teilnahme am bidirektionalen Laden überhaupt in Frage. Wer keinen privaten Stellplatz hat, kann sein Auto zuhause nicht mit dem Netz verbinden, wenn er parkt. Unter den E-Auto-Fahrern mit einem privaten Stellplatz wissen rund 38 Prozent, was bidirektionales Laden ist. Weitere 34 Prozent kennen zumindest den Begriff. Auch unter Verbrenner-Fahrern mit eigenem Stellplatz zuhause ist die Technologie durchaus bekannt: Immerhin 20 Prozent kennen sie, weitere 32 Prozent geben an, den Begriff schon einmal gehört zu haben.
Interesse: ja, Umsetzung: eher nein
Stellt man den Umfrageteilnehmern die Grundidee des bidirektionalen Ladens vor, finden die Befragten in den fünf Ländern die Technologie zunächst attraktiv: 53 Prozent der Elektroauto-Fahrer können sich vorstellen, bidirektionales Laden zu nutzen. Unter den Verbrenner-Fahrern mit eigenem Stellplatz sind es 22 Prozent.
Müssen die Befragten die möglichen Vor- und Nachteile bewerten, ändert sich ihre Meinung: Unter der Annahme ausreichender Erlöse und akzeptabler Investitionen sinkt der Anteil derer, die einen nennenswerten Mehrwert in bidirektionalem Laden für sich persönlich sehen und eine Investition in Betracht ziehen, deutlich. Die realistisch adressierbare Zielgruppe unter den E-Auto-Fahrern sinkt dann auf 17 Prozent, bei den Verbrenner-Fahrern auf 6 Prozent.
Sind die Angebotsbedingungen aus Nutzersicht nicht attraktiv, fällt der Anteil der erreichbaren Kunden weiter ab.
Was am bidirektionalen Laden motiviert
Unter den Nutzungstreibern stehen beim bidirektionalen Laden die erwartete Kosteneinsparung, die Freude an technologischer Innovation und der ökologische Nutzen auf den ersten Plätzen. Bei Vehicle-to-Home (V2H) sind weiterhin die gefühlte Energieunabhängigkeit und die Nutzung eigener Photovoltaik-Energie als Motive wichtig.
Den Vorteilen stehen Nachteile gegenüber, der größte Bremsklotz ist laut der Umfrage die nötige Vorabinvestition in die passende Ladeinfrastruktur zu Hause. Hinzu kommen Bedenken wegen möglicher Batteriealterung, Unsicherheiten rund um eine noch nicht ausgereifte Technologie und der als hoch empfundene Aufwand im Alltag.
„Kombinierte Angebote von OEMs und Technologiepartnern, die Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Garantien bündeln, können die Vorbehalte teilweise adressieren. Bis sich breites Vertrauen etabliert hat, bleibt die Aufklärung eine zentrale Aufgabe aller Marktakteure“, so UScale. Geschäftsführer Axel Sprenger: „Die Technologie ist bereit, aber bidirektionales Laden löst vor allem ein Problem der Energieversorger mit dem stockenden Netzausbau. Ohne die Nutzer geht die Rechnung nicht auf. Die Studie zeigt, dass die Nutzer noch überzeugt werden müssen.“


Mack meint
Also ich habe PV-Strom genug (E3/DC). Ich würde lieber heute als morgen V2H od. V2G machen. Wenn man dann sich konkret um die Sache kümmert muss man feststellen das schon bei der Einrichtung des richtigen dyn. Stromtarifes (Paragraf. 14a+Modul 3, dies ist m.E. für den richtigen Erfolg notwendig)man gleich auf wesentl. Hürden stößt. Netzbetreiber sträuben sich, wollen lieber mit Neztzentgeldern verdienen als den Netzausbau (ImSys) voranzutreiben, Wallbox-Anbieter schon bei der Anmeldung verdienen wollen und dann für eine geeignete Wallbox 4-6000 haben wollen dann kommt man schon ins grübeln. Außerdem stehen noch nicht genügend geeignete, bezahlbare Fahrzeugmodelle (mit ausreichend großer Batterie) zur Verfügung. Ich würde Bidi gern frühestmöglich machen wollen aber aktuell sind die Bedingungen noch nicht so dass man freudestrahlend darauf losgeht. Vielleicht sieht es in 2027 besser aus.
LarsDK meint
Wenn die Wallbox >3000€ plus Installation kostet und man vielleicht ein paar hundert Euro pro Jahr damit verdienen kann dauert es ja schon einige Jahre bis man wirklich was verdient. Dann sind da ja noch die, die einen VW gekauft haben, wo man sowohl die lade und entlade Menge und die Nutzungszeit begrenzt, dann word noch schwer bebor es sich lohnt.
Jörg2 meint
Ich sehe da kein funktionierendes Geschäftsmodell.
Die Konkurrenzlösung: stationärer Speicher, ist 24/7 an der PV und am Haus, braucht keine „Go!“ des garantiegebenden Autoherstellers, braucht keine teure Box, ist zunehmend preiswert und könnte bereits vorhanden sein, bevor ein BEV vor die Tür kommt.
Dirk Müller-Paul meint
Hab ich jetzt was nicht verstanden: zum V2G brauch ich doch ein Fahrzeug, dass das kann?
Und ich kauf jetzt sicher nicht deshalb ein neues Auto.
Und mindestens bräuchte man eine neue Wallbox, oder? Und wenn ich eine Solaranlage mit Speicher habe (E3DC) muss das auch irgendwie koordiniert werden…dazu fehlen mir alle Infos.
Michael meint
Solange Steuern und Gebühren teurer sind als der Strom selbst lohnt sich das nicht.