Der chinesische Elektroautobauer Nio hat am 21. Juni die Marke von 300.000 durchgeführten Batteriewechseln in Europa erreicht. Der Ausbau neuer Stationen auf dem Kontinent ist derweil aber offenbar nahezu zum Stillstand gekommen.
Die Geschwindigkeit, mit der die jüngsten Wechsel zustande kamen, hat sich laut dem Portal Electric-Vehicles deutlich verringert, obwohl mehr Nio-Stromer auf europäischen Straßen unterwegs sind. Das in Shanghai ansässige Unternehmen hat Europa in seinen Prioritäten bis 2028 nach unten gestuft. Gründer und CEO William Li betrachtet den Wettbewerb dort als ebenso intensiv wie derzeit in China.
Während die ersten 100.000 „Batterie Swaps“ in Europa nach etwa drei Jahren im November 2024 abgeschlossen wurden, dauerte der zweite Meilenstein von weiteren 100.000 Batteriewechseln bis August 2025 genau 269 Tage. Es dauerte länger, bis die dritten 100.000 erreicht waren: 307 Tage, von August 2025 bis zum 21. Juni.
Der Ausbau des physischen Netzwerks ist kaum vorangeschritten, so der Bericht. Nio betreibt demnach etwa 60 Wechselstationen in sechs europäischen Ländern, primär in Norwegen und Deutschland. Nach einem schnellen Wachstum, bei dem die Zahl der Stationen bis Juli 2024 auf 50 anstieg, sank die Rate auf kaum noch eine neue Station pro Monat. Für dieses Jahr soll das Management keine weiteren Ergänzungen in Europa planen und sich auf Eröffnungen in China konzentrieren.
Die Kostenkürzungen bei Nio Power, der Energiesparte der Gruppe, sind Ursache für die Verlangsamung, heißt es. Die europäische Einheit wurde demnach auf fünf aktive Mitarbeiter reduziert. Ein Rückgang im Netzwerk war durch die Schließung der einzigen dänischen Station in Slagelse im November zu verzeichnen. Nio hat insgesamt über 17,6 Millionen kWh durch europäische Wechsel bereitgestellt, was dem jährlichen Stromverbrauch von etwa 4638 Haushalten entspricht. Die am stärksten frequentierte Station befindet sich den Angaben zufolge im Stadtviertel Bryn, Oslo, Norwegen.
Ein Wechsel dauert etwa drei Minuten. Am 6. Juni wurden an einem einzigen Tag 481 Wechsel innerhalb von 24 Stunden durchgeführt, berichtet Nio. Etwa zwei Drittel der europäischen Kunden des Elektroautoherstellers entscheiden sich mittlerweile für den Batteriewechsel statt für das Laden. Voraussetzung dafür ist, dass sie das Akkupaket für eine monatliche Gebühr mieten statt zusammen mit dem E-Auto kaufen.
Im Februar hatte Nio verkündet, dass der insgesamt 100-millionste Batteriewechsel in der Provinz Zhejiang durchgeführt wurde. Dabei betonte das Unternehmen, weiter in Lade- und Wechselinfrastruktur investieren, sein Energiegeschäft stärken und eine Grundlage für Profitabilität und langfristiges Wachstum der Energiedienstleistungen schaffen zu wollen.


M. meint
„Für dieses Jahr soll das Management keine weiteren Ergänzungen in Europa planen und sich auf Eröffnungen in China konzentrieren.“
Und damit ist das Modell „BaaS“ in Europa Geschichte. Wer nicht zufällig so lebt und arbeitet, dass er regelmäßig mit leerer Batterie ein Exemplar dieser scheuen und seltenen Spezies „Wechselstation“ erwischt, zahlt er einfach nur Unsummen an Nio, ohne einen echten Nutzen.
Für die kleine Batterie sind es in 10 Jahren 20.280 Euro, für die große 34.680 Euro! Und es hört ja nicht auf – ohne Batterie ist das Auto keinen Cent wert. Also weiterzahlen, in dem Fall fast 70.000 Euro in 20 Jahren – nur für die Batterie, nicht für das Auto – wenn man das Auto nicht vorher freiwillig verschrottet und das Geld lieber in ein neues Auto steckt, das dann kein Nio ist.