Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2026 58 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland – ein Plus von fast drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein neuer Rekordwert. Damit liegt die Quote im ersten Halbjahr 2026 auch deutlich über der Quote für das Gesamtjahr 2025 (55,8 %).
Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Insgesamt erzeugten Erneuerbare-Energien-Anlagen demnach von Januar bis Juni 152,2 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom.
Der Anstieg gegenüber dem windschwachen Vorjahreshalbjahr ist insbesondere auf die höhere Stromerzeugung aus Windenergie an Land (+7,0 %) und auf See (+28,3 %) zurückzuführen.
Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lag mit plus 3,7 Prozent leicht über dem Vorjahreswert.
Die Stromproduktion aus Wasserkraft verringerte sich aufgrund geringer Niederschlagsmengen im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent. Die Erzeugung aus Biomasse blieb mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent nahezu unverändert.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland blieb im ersten Halbjahr 2026 auf hohem Niveau. Besonders die Photovoltaik legte weiter kräftig zu: Mit einem Bruttozubau von 8,3 Gigawatt wurde der Wert des Vorjahreszeitraums von 7,8 Gigawatt nochmals übertroffen. Auch der Ausbau der Windenergie an Land entwickelte sich weiterhin dynamisch. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 2,5 Gigawatt neu zugebaut, nach 2,2 Gigawatt im ersten Halbjahr 2025.
Deutlich stärker als im Vorjahreszeitraum fiel zudem der Zubau der Windenergie auf See aus. Während im Gesamtjahr 2025 0,5 GW zugebaut wurden, wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 0,9 Gigawatt neu installiert.
„Massive Investitionen der Energiewirtschaft“
„Diese positiven Zahlen sind nur möglich durch die massiven Investitionen der Energiewirtschaft“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Damit diese positive Dynamik anhält, braucht es jetzt mehr Tempo bei den relevanten Gesetzesvorhaben, konkret beim EEG und beim WindSee-Gesetz. Beide Gesetzesnovellen müssen noch in diesem Jahr beschlossen und von der EU genehmigt werden. Das erste halbe Jahr ist um und es liegen noch nicht einmal Gesetzentwürfe vor. Die Zeit drängt. Investitionen fließen nur dort, wo verlässliche Regeln gelten. Wir erwarten von der Bundesregierung eine rasche Einigung, damit wir im Verfahren vorankommen, die Unternehmen investieren und die Ausbauziele erreicht werden können.“
„Je höher der Anteil der Erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger und desto resilienter wird unsere Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks. Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die Erneuerbaren“, sagt Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg.
Staiß weiter: „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist aber nicht nur eine Versicherung gegen volatile Energiepreise, sondern auch unser schärfstes Schwert im Kampf gegen den Klimawandel. Um dies effektiv zu nutzen, kündigte bei den Klima-Zwischenverhandlungen der Vereinten Nationen (UN) in Bonn Murat Kurum als Gastgeber der im Herbst stattfindenden UN-Klimakonferenz in Antalya ein Ziel für die Elektrifizierung der Wirtschaft an. Bis 2035 soll der Anteil der strombasierten Industrieprozesse, Wärmeversorgung und Mobilität von heute 20 % auf 35 % gesteigert werden. Damit die Elektrifizierung ihr volles Klimaschutzpotenzial entfalten kann, muss der Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Und wie dringend auch international Erfolge beim Klimaschutz erzielt werden müssen, hat uns die Hitzewelle der vergangenen Tage sehr deutlich gezeigt.“
Die Erzeugungszahlen im Einzelnen
Im ersten Halbjahr 2026 lag die Bruttostromerzeugung bei 263,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) – 4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2025: 253,4 Mrd. kWh). Dem stand ein Bruttostromverbrauch von 262,4 Milliarden kWh gegenüber (1. Halbjahr 2025: 260,9 Mrd. kWh).
Insgesamt wurden 152,2 Milliarden kWh Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt (1. Halbjahr 2025: 144,1 Mrd. kWh). Davon stammten 20,1 Prozent (52,9 Mrd. kWh) aus Wind an Land, 5,7 Prozent (15,0 Mrd. kWh) aus Wind auf See, 19,9 Prozent (52,4 Mrd. kWh) aus Photovoltaik, 8,3 Prozent (21,9 Mrd. kWh) aus Biomasse und 2,7 Prozent (7,2 Mrd. kWh) aus Wasserkraft. Aus konventionellen Energieträgern wurden 111,3 Mrd. kWh erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es 109,3 Milliarden kWh.
Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten
Der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im ersten Halbjahr 2026 beträgt 58,0 Prozent. Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und steht im Einklang mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab und setzt sich zusammen aus der Summe der Bruttostromerzeugung eines Landes und dem Saldo seines Stromaustausches über die Landesgrenzen. Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Diese umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge. Der Anteil Erneuerbarer Energien im ersten Halbjahr 2026 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt 57,7 Prozent

Dunkel-O meint
Zu diesem Thema empfehle ich die „(Energie)-Anstalt“ vom 02.06. in der ZDF Mediathek.
Informativ, lustig und doch leider bitterernst.
Futureman meint
Beeindruckende Zahlen, da bleibt zu hoffen, dass der Ausbau (trotz der aktuellen Regierung) schnell weitergeht. Noch lebt der Ausbau von den Erleichterungen von Habeck und Co, besonders im Windbereich. Aber „Gas-Kathi“ will lieber wieder zurück zur Verbrennung und Großkraftwerken. Was konventionelle Kraftwerke schaffen, sieht man an den aktuellen Börsenpreisen, sobald die Sonne untergegangen ist. Denn „dank“ (der selbstverursachten – welch Ironie) Klimaerwärmung müssen sie gerade reihenweise ihre Leistung runterfahren. Von wegen sichere Stromversorgung mit AKW´s.
eBikerin meint
Das letzte Woche Nachts Wind und Sonne aber auch nicht geliefert haben übersiehst du mal wieder.
South meint
Das ist schlicht Unsinn. In mehrerlei Hinsicht, und da hätte ein Blick auf die variablen Stromtarife geholfen. Erstens. Bin nicht der einzige. Wer nen Accu hat, der überbrückt locker die Nacht. Zweitens. Genau in der Nacht wird am wenigsten verbraucht, na weil die Leute schlafen und die meisten Gewerbe stillstehen.
Aber der größte Nobrainer bei deiner Antwort. Es gibt viel mehr EE Quellen als Wind und Sonne. Nämlich Wasser, EE Gas, Erdwärme etc. …
Futureman hat also vollkommen recht. Konventionelle Großkraftwerke oder gar Atomkraftwerke wären sogar kontraproduktiv….
Natürlich können wir mit den aktuelle EE und Speicherkapazitäten längere Perioden (noch) nicht vollständig überbrücken und was viele vergessen genug Strom heisst auch noch lange nicht, auch an der Ecke wo er gebraucht wird.
Eine Rolle rückwärts wäre nicht nur extrem ineffektiv, sie wäre auch sehr teuer…
Ace meint
Exakt, der variable Strompreis lag deswegen weil Wind und Sonne nicht geliefert hatten an mehreren Tagen nach 20 Uhr bei bis zu 71cent/kWh. Wenn man dann abends heim kommt und das eAuto leer war nutzt einem der 16kWh Heimspeicher auch nichts, dann heißt es sehr sehr teuer Strom kaufen oder früh nicht losfahren können.
MK meint
@eBikerin:
Deswegen setzt man ja eben auch nicht nur auf Sonne und Wind, sondern z.B. auch auf Biogasanlagen: technisch sind die identisch zu den Gaskraftwerken, die Fr. Reiche jetzt mit Milliardenzuschüssen bauen lassen will. Schon heute gibt es bei uns im Kreis Biogasanlagen, die ihr erzeugtes Biogas ins Gasnetz der Kreisstadt einspeisen. Außerdem braucht es praktischerweise nachts ja auch nur einen bruchteil des Stroms gegenüber tagsüber…und dann sind es nun Mal Windkraftanlagen, die Zwangsabgeschaltet werden, weil das einfacher ist als bei einem Kohlekraftwerk oder einem französischen AKW. Oder anders gesagt: Wir müssen nachts z.B. WKA abschalten und französischen Strom der dortigen veralteten AKW abnehmen (und kassieren dafür Geld), weil sonst der Überschuss das europäische Verbundnetz zusammenbrechen würde und wir alle im Dunkeln säßen.
Sonst iegt es aber leider auch an politisch verhinderten Stromleitungen: Nachts braucht z.B. Bayern mehr Strom als es aus erneuerbaren erzeugen kann, während im Norden die Offshore WKA recht zuverlässig 24/7 produzieren könnten. Das Problem: Die Leitung, die den Ökostrom von Hamburg nach München transportieren könnte gibt es auf Grund der Verweigerungshaltung der CSU bis heute nicht. Die Leitung, die Atomstrom von Frankreich nach München bringen kann, gibt es hingegen seit Jahrzehnten.
Auch andere Wege gibt es: Der Industriepark Behringwerke bei uns hat grade eine neue Anlage eingeweiht: In diesem wird mit Strom Wärme erzeugt um den am Standort für die Arzneimittelproduktion benötigten Wasserdampf zu erzeugen (bisher geschah das zu 100% mit erdgas). Der Clou: Die Erhitzung geschieht über Graphiteinheiten, die die Wärme mit einem Wirkungsgrad von 95% speichern können. Im ersten Schritt hat man mit 6.000 kWh Speicherkapazität angefangen, will aber in 2 Jahren schon bei 60.000 kWh sein. So nutzt man einfach nur dann Strom, wenn es ihn im Überfluss gibt (bisher hat man u.a. eine eigene 4.000 kWp Solaranlage und Bauantrag für mehrere eigene Windkraftanlagen gestellt) und nimmt sonst die Wärme aus dem Speicher. Oder konkret: Wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag die Nachtschicht anfängt, braucht man dank Speicher zumindest für die Dampferzeugung keinen Strom mehr dazu: Die Wärme mit Strom hat man schon Sonntag Nachmittag bei prallem Sonnenschein und Negativpreisen an der Strombörse erstellt.
RR meint
ja, weil die Alternativen nicht genutzt wurden: Akkus.
-> falls du es nicht mitbekommen hast: auf der ganzen Seite hier geht es um nichts anderes als AKKUS!!
South meint
Wirklich beeindrucken, trotzdem, bei Zahlen muss man immer aufpassen. Es sind 58% des STROMverbrauches. Es bleibt also noch die Arbeit möglichst viele Verbraucher in den Strombverbrauch zu bringen und natürlich bei den Verbrauern, bei welchen das nicht geht, mit Alternativen wie H oder eFuels zu betreiben. Dafür brauchen wir in Summe also noch einiges an erneuerbare Energien. Zudem muss die Infrastruktur geschaffen werden und kostentechnisch gut aufgestellt werden (Netzaufbau, Speichersysteme, …).
Natürlich werden wir mit der Hitze und den Extremereignissen wie Überschwemmung, schlechtere Ernten etc. der globalen Erwärmung gar nicht mehr vermeiden können, aber jedes eingesparte Treibhausgas mildert den Effekt.
Es gibt also noch wirklich arbeit und wir müssten eigentlich deutlich mehr aufs Tempo drücken, aber hey das wird schon… es sieht mittlerweile wieder gut aus…
Ben meint
Wird leider gerade alles niedergeknüppelt durch die rechts-konservative CDU mit ihrer Gaslobbitante im Wirtschaftsministerium, mit ihren Plänen wird der Steompreis bis 2030 auf 0,60€/kWh steigen und wenn die blaue Pest gewählt wird wirds nochmals schlimmer.
Gunnar meint
„es sieht mittlerweile wieder gut aus“
Vor einem Jahr hätte ich dieser Aussage zugestimmt. Jetzt mit Frau Reiche als Wirtschaftsministerin und ihren Gesetzesplänen definitiv nicht mehr. Sollte der Redispatchvorbehalt so kommen, wie Gas-Kathi es sich wünscht, wird kein einziges Windrad mehr aufgebaut. Sollte die Einspeisevergütung für neue private PV-Anlagen wegfallen ohne rechtzeitige Vereinfachungen für die Direktvermarktung, wird der private PV-Ausbau um 90% einbrechen. Und sollten ihre Pläne für Reservekraftwerke so kommen, wie es EnBW vorschlägt, wird auch der Speicherausbau wieder massiv eingebremst.
Andree meint
Hallo Gunnar,
ich als Solarteur sehe den PV-Ausbau nicht in Gefahr. Ich nehme immer mehr Kunden war denen es nicht auf die Einspeisevergütung ankommt, Sie würden sogar verzichten, Sie wollen nur weg von steigenden Strompreisen und freuen sich auf ihre Anlage und auf den Speicher der Nächte und sonnenarme Zeiten überbrückt. Ich habe soviel positive Rückmeldungen von Kunden die in ihre Verbrauchs-App verliebt sind wie kleine Kinder. Aber ich gebe Dir recht, Volksvertreter wie diese Gas-Kathi, braucht kein Volk.
Jeff Healey meint
Ich stimme in allen Punkten zu, ausser dem letzten Satz. Es sieht noch lange nicht rosig aus, wir sind noch lange nicht über den Berg.
Es gäbe eine riesengroße Menge zu tun, leider sind immer wieder schlechte Parteiführer in der Regierungsverantwortung, die den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit nicht ansatzweise gerecht werden.
Das trifft auch und besonders auf das hier vorliegende Thema zu, denn der höchst notwendige und in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht unumgängliche Ausbau und die Forcierung der erneuerbaren Energien, nebst entsprechender Speicherkapazität, wird meiner persönlichen Wahrnehmung nach systematisch von den aktuellen Regierungsvertretern verzögert.
Aus welchen Gründen auch immer.
Mäx meint
Grundsätzlich richtiger und wichtiger Einwand.
Aber bei der Betrachtung von Primärenergie (was du ja im Prinzip ansprichst) ist es wichtig die Effizienzverbesserungen nicht unter den Tisch fallen zu lassen.
Wir müssen ja nicht 100% Primärenergie in 100% Erneuerbare Stromerzeugung umrechnen. Denn eine Wärmepumpe arbeitet mit Wirkungsgrad 3 wohingegen eine Ölheizung immer unter 1 bleibt.
Ersetze ich also alle Ölheizungen mit Wärmepumpen brauche ich nur 1/3 der Primärenergie die dann entsprechend per EE erzeugt werden muss.
Beim Auto ist es ja ähnlich, bisheriger Wirkungsgrad eher so 0,3, beim BEV eher so 0,8.
Heißt auch hier spare ich massiv Primärenergie ein, welche ich dann nicht mehr erzeugen muss.
Aktuell wirkt das Ziel die Primärenergie 100% durch EE zu ersetzen sehr weit weg, rechnet man aber die Effizienzgewinne mit ein, ist der Weg eben erheblich kürzer.
Ben meint
Der einzge Hoffnungsschimmwr ist halt das die Gaslobbitante durch das Verfassungsgericht gestopt wird, ist ja jetzt scjon bekannt dass ihr Gesetz verfassungswiedrig ist.