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Permanentmagnete werden zum neuen Lieferkettenrisiko der Autoindustrie

06.07.2026 in Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | 2 Kommentare

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Bild: Audi (Symbolbild)

Nach Halbleitern und Batterierohstoffen geraten laut den Analysten von Prewave Permanentmagnete als weitere kritische Komponente der Automobilindustrie in den Fokus. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete im Juni, dass Chinas Exporte schwerer Seltener Erden wie Dysprosium und Terbium nach Japan im Mai nahezu ausgeblieben waren. Japan zählt zu den wichtigsten Magnetproduktionsstandorten außerhalb Chinas, ist bei zentralen Vorprodukten aber stark von chinesischen Importen abhängig.

Permanentmagnete arbeiten ohne dauerhafte Stromzufuhr und tragen in vielen elektrischen Antrieben zu Effizienz, Leistungsdichte und Reichweite bei. Besonders leistungsfähige Varianten enthalten Seltene Erden wie Neodym, Praseodym, Dysprosium oder Terbium. Der Prewave-Report „Magnetic West“ beschreibt Abhängigkeiten in den vorgelagerten Stufen der Lieferkette, darunter Separation, Raffination, Metallisierung, Legierung und Magnetproduktion.

Auf der sogenannten Tier-1-Ebene wirkt Europas Magnet-Lieferkette diversifiziert, auf der nachrangigen Tier-5-Ebene sind jedoch mehr als 81 Prozent der untersuchten Unternehmen mit chinesisch dominierten Permanentmagnet-Ökosystemen verbunden. Die Exposition steigt von 0,6 Prozent auf Tier 1 über 17 Prozent auf Tier 2, 61 Prozent auf Tier 3 und 78 Prozent auf Tier 4 auf mehr als 81 Prozent auf Tier 5. Dadurch zählen Permanentmagnete der Analyse zufolge zu den schwer erkennbaren Lieferkettenrisiken der europäischen Industrie.

Die Konzentrationsrisiken liegen häufig nicht bei direkten Zulieferern, sondern mehrere Stufen höher in der Wertschöpfungskette. Dort bündeln sich Rohstoffströme, Verarbeitungsprozesse und technologische Kompetenzen bei einer vergleichsweise kleinen Zahl von Akteuren. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist diese verdeckte Abhängigkeit relevant, weil dort viele Anwender von Permanentmagneten in Branchen wie E-Antrieben, Servomotoren, Robotik, Sensorik, Windkrafttechnik und Präzisionssystemen sitzen.

Eigentlicher Engpass nicht im Bergbau

Der Engpass liegt nicht primär bei Rohstoffvorkommen. Bedeutende Reserven Seltener Erden existieren unter anderem in Australien, Nordamerika, Europa, Brasilien und verschiedenen afrikanischen Staaten. Entscheidend ist die industrielle Verarbeitung, zu der Trennung, Reinigung, Raffination, Metallisierung, Legierungsherstellung und Magnetproduktion gehören.

China hat entlang der Wertschöpfungskette Kapazitäten, Expertise, Cluster, Lieferantenbeziehungen und Prozesswissen aufgebaut. Heute entfallen rund 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten für Seltene Erden sowie 85 bis 90 Prozent der globalen Permanentmagnetproduktion auf die Volksrepublik. Das strategische Risiko entsteht nicht primär durch Rohstoffknappheit, sondern durch die Konzentration industrieller Fähigkeiten.

Vietnam gilt als Beispiel für Diversifizierung, doch häufig verlagerte sich nur die Endfertigung. Vorgelagerte Verarbeitungsstufen blieben eng mit chinesischen Lieferanten verknüpft, und Unternehmen in Vietnam beziehen weiterhin Rohstoffe, Zwischenprodukte oder technologische Vorleistungen aus China. „In Vietnam ist also kein alternatives Ökosystem entstanden, sondern lediglich ein neuer geografischer Zugang zur bestehenden chinesischen Wertschöpfungskette“, erklären die Analysten.

Außerhalb Chinas entstehen neue industrielle Ökosysteme, unter anderem in Australien, Nordamerika und Europa. Investitionen fließen in Bergbau, Raffination, Metallverarbeitung, Magnetproduktion und Recycling, viele Projekte befinden sich aber noch in frühen Entwicklungsphasen. Die geplanten Projekte werden das globale Versorgungsgleichgewicht voraussichtlich frühestens 2027 bis 2030 wesentlich verändern können, so die Studie.

Unternehmen sollen zunächst ihre Abhängigkeiten besser verstehen, rät Prewave. Genannt werden die Analyse von Lieferantenstrukturen, die frühe Qualifizierung alternativer Anbieter, die Verringerung des Einsatzes kritischer Materialien wie Dysprosium und Terbium sowie die Beteiligung an entstehenden nicht-chinesischen Wertschöpfungsnetzwerken. Für Europa werde entscheidend sein, eigene Kapazitäten für Separation, Raffination, Metallisierung und Magnetproduktion aufzubauen.

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Via: Prewave
Tags: Autozulieferer, Batterie, RohstoffeAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Paule meint

    06.07.2026 um 11:54

    Das Märchen vom „Mangel an Permanentmagneten“ ist in Wahrheit die Geschichte einer kritischen geopolitischen Abhängigkeit. Es fehlt nicht an den physischen Vorkommen auf der Erde, sondern an den globalen Kapazitäten zur Weiterverarbeitung. China dominiert die weltweite Wertschöpfungskette für Seltenerdmagnete (z. B. Neodym-Eisen-Bor) mit einem Marktanteil von über ~ 88 %, was die europäische Industrie (Automobilbau, Windkraft) durch Exportbeschränkungen massiv unter Druck setzt.

    Antworten
    • SB meint

      06.07.2026 um 12:08

      China hat sicher gute Begründungen für die Exportbeschränkukungen. Leider greifen diese zu kurz, da nur der Export von Material beschränkt wird, nicht aber das Material in Fertigerzeugnissen. Hieraus kann das !ateria. Wieder recycelt werden. Als Zeichen des guten Willens sollte die EU hier mit entsprechenden Importrestriktionen helfen, z.B. für Autos und Windkraftanlagen.

      Antworten

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