Eine Studie unter Beteiligung der DHBW Villingen-Schwenningen untersuchte den Einfluss privater Lademöglichkeiten auf die Nutzung von Dienstwagen. Grundlage waren anonymisierte Daten von rund 1290 Plug-in-Hybriden und vollelektrischen Fahrzeugen eines großen deutschen Unternehmens. Durch die zeitlich gestaffelte Installation der Wallboxen konnte der Effekt des Heimladens quasi-experimentell untersucht werden.
Mitarbeiter mit Wallbox luden ihre Plug-in-Hybride laut den Forschern mit fast fünfmal so viel Strom wie zuvor und fuhren häufiger elektrisch. Dadurch sanken der Kraftstoffverbrauch und die direkten CO₂-Emissionen aus dem Auspuff um mehr als ein Drittel. Beim nächsten Fahrzeugwechsel entschieden sie sich doppelt so häufig für ein rein batterieelektrisches Auto.
Das Unternehmen übernahm die Energiekosten der Dienstwagen bereits, sodass die Mitarbeiter durch das Heimladen kein Geld sparten. „Schon der Komfort, zu Hause laden zu können, verändert das Verhalten messbar – und senkt die Emissionen, ganz ohne finanziellen Anreiz“, so Wolfgang Habla von der DHBW Villingen-Schwenningen. Aus Unternehmenssicht amortisiere sich eine Wallbox innerhalb von acht bis zwölf Jahren und vermeide über eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren durchschnittlich 13 Tonnen CO₂.
Auch für die Politik ergeben sich laut den Verantwortlichen aus den Forschungsergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen. Um denselben kurzfristigen Klimaeffekt allein über höhere Kraftstoffpreise zu erreichen, müsste Benzin um rund 95 und Diesel um rund 135 Prozent teurer werden – „politisch kaum durchsetzbar“. Die gezielte Förderung privater Ladeinfrastruktur erziele ein ähnliches Ergebnis auf deutlich akzeptablerem Weg.
Gegenüber den bisherigen Kaufprämien für Plug-in-Hybride schneiden Wallboxen der Analyse zufolge ebenfalls gut ab. „Denn Kaufprämien setzen weder Anreize, tatsächlich elektrisch zu fahren, noch fördern sie den Umstieg auf reine E-Autos“, heißt es. Wirksamer wäre es nach Ansicht der Studienautoren, Kaufprämien an das Vorhandensein einer privaten Lademöglichkeit zu koppeln oder sie künftig nur noch für batterieelektrische Fahrzeuge zu gewähren und gleichzeitig den Einbau von Wallboxen zu fördern.
Gerade bei Dienstwagen sei der Hebel groß, unterstreichen die Forscher. Knapp 40 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland seien Firmenwagen, bei Plug-in-Hybriden sogar mehr als die Hälfte. Da diese Fahrzeuge nach einigen Jahren auf den Gebrauchtmarkt gelangten, beschleunige jede Förderung in diesem Segment die Verbreitung klimafreundlicher Technologien im gesamten Fahrzeugbestand.


Tobias Torl meint
Ich habe nun insgesamt 9 Jahre Plug-in-Erfahrung mit dem aktuellen Toyota Prius und mit seinem Vorgänger.
Ich lade (fast) ausschließlich an eigener Wallbox zu Hause und fahre alles lokale und regionale elektrisch.
In meinen ersten Plug-in-Jahren habe ich mich zusätzlich auch auf Reisen bemüht, etwa mit Hotels vor Ort die Lademöglichkeiten abzuklären. Ich habe auch mit mitgeführtem 20-m-Kabel teils die Schuko-Steckdosen in irgendwelchen Ecken (nach Absprache natürlich) genutzt:) Das ist mir mittlerweile zu viel „Aufstand“, sozusagen von 95% sinnvoll möglicher Plug-in-Elektronutzung auf 100% zu kommen.
Stefan S meint
Zuhause laden hat einen hohen Komfort gewinnen. Daher halte ich eine Förderung von Ladeinfrastruktur für effizienter als Autos direkt zu fördern. Vor allem in Mehrfamilienhäusern und größeren privaten Parkplätzen oder Tiefgaragen ist das hilfreich. Wahrscheinlich wäre auch eine steuerliche Abschreibung eine einfache Förderung ohne komplizierte Antragsverfahren.
M. meint
Neben der Randdiskussion über den Sinn von PHEV, die mal angeschlossen werden und mal nicht, ist es ein Votum für wohnortnahe Ladeinfrastruktur.
Wie immer schon vermutet wurde: Menschen kaufen kein Auto, um Wanderungen zur Ladesäule zu machen, oder alle 3 Tage daneben stehen und warten. Bei den DC-Preisen wollen die das erst recht nicht.
Wenn (kostengünstige) wohnortnahe Ladeinfrastruktur vorhanden ist, werden auch BEV gekauft.
Hätte man eigentlich drauf kommen können, wenn man sieht, wie groß der Anteil der Heimlader unter den BEV-Nutzern ist.
GuteFrage meint
Mein Nachbar fährt einen Firmenwagen PHEV und hat eine Wallbox. Die Wallbox wurde montiert bevor sie eingezogen sind und in den nun über zwei Jahren die sie da wohnen habe ich den Wagen ein mal angeschlossen gesehen, einmal in über zwei Jahren. PHEV als Firmenwagen sollte man wirklich nicht unterstützen.
eBikerin meint
Tja mein Nachbar schliesst sein PHEV -Monster immer an – sonst fehlen ja die vielen PS ;-)
Ach und weisst du ob dein Nachbar seinen Firmenwagen in der Firma läd/laden kann?
Ansonsten sind solche Beobachtungen nämlich unnütz. Würde bei nem Freund von mir nämlich genauso ansehen. Der läd den immer in der Arbeit, weil sein AG es nicht auf die Reihe bekommt, den Strom bei Ihm zuhause abzurechnen.
MK meint
@GuteFrage:
Und ich kenne jemanden, der seinen PHEV-Dienstwagen jeden Abend standardmäßig anschließt. Und jetzt? Hat einer von uns gelogen? Nein, wir haben einfach Einzelfälle beobachtet, die nichts über die Allgemeinheit aussagen. Auch hier steht ja, dass die Studie davon ausgeht, dass der CO2-Ausstoß „direkt aus dem Auspuff“ um ein Drittel reduziert werden könne. Auch die Studie nimmt also an, dass selbst bei flächendeckender Wallbox-Ausstattung eine Mehrheit der Strecken der PHEV-Dienstwagen weiter mit Benzin/Diesel gefahren werden.
Stefan Gusbeth meint
Ich selbst komme bei meinem PHEV-Fahrprofil und -mix auf einen Benzinverbrauch von 3 l auf 100 km. Dies nun über einen Zeitraum von 9 Jahren aufgezeichnet und 200.000 km.
Der Strom aus der Wallbox kommt bei uns fast ausschließlich aus der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach.
Somit alles ein gutes Stück portemonnaie-schonend und eine Portion umweltschonend obendrein.
Htr35 meint
200000km in 9 Jahren ist alles nur nicht Umweltschonend.
MK meint
@Htr35:
Kommt ja auch drauf an, warum man fährt und warum man den Fahrzeugtyp fährt, den man fährt. Für manche gibt es halt einfach keine andere Möglichkeit und dann ist es immerhin weniger umweltschädlich als ein reiner Verbrenner.
Wenn man natürlich sonntags einfach 300 km fährt, weil einem Autofahren so viel Spaß macht, haben Sie aber natürlich recht…
PS: Ich selber fahre in 9 Jahren sogar eher 400.000 km…mittlerweile aber immerhin rein elektrisch. Aber halt größtenteils Jobbedingt und sehr oft zu Zeiten und zu Orten, wo z.B. ÖPNV-Nutzung einfach nicht möglich ist. „Dienstsitz Deutschland“ ist halt etwas, womit man als Projektingenieur leben muss…
Albert Weik meint
Vielleicht lädt er beim Arbeitgeber? Die Möglichkeit bieten viele Arbeitgeber.