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Kontroverse E-Auto-Studie: TUM-Forscher erklären ihre Differenzen

07.09.2026 in Autoindustrie, Studien & Umfragen, Umwelt von Thomas Langenbucher | 3 Kommentare

Bild: VW (Symbolbild)

Eine Studie des Forschungsverbunds CirculaTUM an der Technischen Universität München (TUM) zum CO₂-Ausstoß von Fahrzeugen hat eine öffentliche Kontroverse ausgelöst. In Auftrag gegeben wurde sie von TUM-Präsident Thomas F. Hofmann vor den anstehenden politischen Entscheidungen zur Zukunft der Automobilindustrie in Europa. Kritik entzündete sich besonders an der Kommunikation rund um die Studie und an Interpretationen, die auch laut einem der Autoren kaum durch deren Inhalt gedeckt waren.

TUM-Fahrzeugtechnik-Professor Markus Lienkamp, der nicht an der Studie beteiligt war, kritisierte die Arbeit seines Kollegen und Hauptautors Johannes Fottner öffentlich scharf. Er beanstandete unter anderem Umfang, Lesbarkeit und Detailtiefe und bezeichnete die Studie an anderer Stelle als „Alter Wein, in nicht besonders attraktiven Schläuchen“. In einem gemeinsamen Interview mit dem Merkur erklärte Lienkamp später, er hätte seine Kritik im Nachhinein vermutlich milder formuliert.

Lienkamp führte seine scharfe Reaktion vor allem auf die Kommunikation der TUM und die anschließende Berichterstattung zurück. Er sagte zudem, er habe die Studie erst sehr kurz vor der Veröffentlichung erhalten und wenig Zeit zum Lesen gehabt. Fottner betonte dagegen, dass an der Universität ein offener wissenschaftlicher Diskurs gepflegt werde und die Studie aus seiner Sicht die langjährige Arbeit Lienkamps eher unterstreiche als ihr zu widersprechen.

Umstritten war auch die Auswahl der beteiligten Wissenschaftler. Lienkamp kritisierte, dass mehrere Fachkollegen aus Bereichen wie Fahrzeugtechnik, Batterietechnik, Produktion, Wasserstoff und Energietechnik nicht eingebunden wurden. Fottner erklärte, das Team sei bewusst so zusammengestellt worden, dass die Untersuchung mit wenigen Ausnahmen frei von Technologie bleibe und sich nicht speziell um Elektromobilität drehe.

Kritik an Pressemeldung und politischer Deutung

Deutlich widersprach Fottner der politischen Deutung, die Studie spreche für ein Ende des geplanten, inzwischen abgeschwächten EU-„Verbrenner-Aus“. Auf die Frage, ob dies die Aussage der Studie sei, antwortete er: „Nein, absolut nein.“ Auch die prominent kommunizierte Angabe einer Verbesserung der Lebenszyklus-Emissionen eines Fahrzeugs durch E-Antrieb um 41 Prozent bewertete er in ihrer Darstellung kritisch und erklärte, er habe bei mehreren Beiträgen darauf hingewirkt, das Wort „nur“ zu entfernen.

Lienkamp sieht insbesondere zwischen dem Inhalt der Studie und der öffentlichen Kommunikation eine Diskrepanz. Die Auswertung selbst bezeichnete er als recht sachlich und als Metastudie zu Veröffentlichungen aus den Jahren 2020 bis 2026. Fottner erklärte wiederum, problematisch sei vor allem eine unzutreffende Vorberichterstattung der Bild am Sonntag gewesen. Weder die beteiligten Forscher noch die Pressestelle hätten das Blatt vorab über die Studie oder die deutsche Kurzzusammenfassung informiert.

Fottner betont die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs und nicht allein der Betriebsphase. Nach seiner Darstellung sollen Nachhaltigkeitspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigt werden. Lienkamp verwies auf ein drei Jahre zuvor veröffentlichtes Buch, in dem er nach eigener Aussage ebenfalls kritisiert, dass die aktuelle Bilanzierung den CO₂-Ausstoß von Elektroautos mit null ansetzt, und forderte kleinere E-Autos.

Lienkamp spricht sich für eine Beibehaltung des von der EU ab 2035 geplanten „Verbrenner-Verbots“ aus und verweist auf Investitionen der europäischen Automobilindustrie sowie deren Ausrichtung auf einen Anteil von 50 Prozent Elektroautos bis 2030. Fottner stellt dagegen lediglich klar, dass die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zitierte Forderung nach einem Ende des „Verbrenner-Aus“ nicht in der Studie stehe. Trotz der fachlichen Auseinandersetzung beschreiben beide ihr persönliches Verhältnis als weiterhin gut.

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Via: merkur.de
Tags: Emissionen, Forschung, Nachhaltigkeit, UmweltbilanzAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. hu.ms meint

    07.09.2026 um 11:23

    Wenn der emissionsausstoss bei produktion und recykling/verschrottung beim vergleich der antriebsarten mit berücksichtigt wird ist das ok.
    Wenn aber die co2-emissionen der fahrenergie = kraftstoff + strom verglichen werden, dann auch vollständig. Also exploration, förderung, transport , raffinierung, transport, tankstellen-betrieb – gegenüber stromerzeugung (fossile anteile wie vor) und netzkosten.
    Und natürlich die unterscheidung, wenn jemand wie ich zu 70% von der eigenen PV lädt und für den rest über den versorger fix tiroler wasserstrom gebucht ist.

    Antworten
  2. McGybrush meint

    07.09.2026 um 11:17

    Ich glaube an das Produkt.

    Gab es je eine Studie ob Kasette oder CD besser ist? Ob CD oder USB? Ob USB oder Streaming?

    Oder auch Post, Fax und Telefon.

    Es gibt Technologien die laufen nebenher. Und es gibt Technologien die Lösen sich zweifelsohne ab.

    Ich glaube nicht das Elektroautos jemals wieder verschwinden.
    Ich glaube aber das Verbrenner bei der Kundschaft irgendwann nicht mehr mit Elektro mithalten können.

    Und ja. Paar Diesel Dieters wird es geben. Genauso so wie ich auch Schränke von neuer Vinyl Schallplatten habe. Aber das ist halt eine Minderheit.

    Es ist egal was die Studie sagt oder wie die Rückschlüsse daraus sind. Elektro ist da und wird auch nicht mehr gehen.
    Bei CarSharing mit Autonomen Autos ist das Thema Verbrenner eh Geschichte. Da entscheiden Wirtschaftliche Dinge, keine nostalgischen oder emotionalen.

    Antworten
  3. David meint

    07.09.2026 um 11:15

    Mich persönlich interessierte das inhaltlich gar nicht. Egal, wie man das dreht und wendet, ist das Elektroauto definitiv die kleinere Belastung, wenn es schon ein Auto sein muss. Und vor allen Dingen hat es ja noch den Aspekt, dass man sich weniger stark von Schurken-Staaten abhängig macht.

    Das einzige, was mich daran interessiert, ist die Rezeption in Teilen der Öffentlichkeit. Die Early Majority kauft jetzt Elektroautos. Nicht aus Überzeugung. Sondern weil jetzt der Zeitpunkt ist, dass es günstiger ist. Ohne dass man sich groß einschränken muss. Aber es scheint noch ein Nest zu geben, das sich mit den Realitäten nicht abfinden kann. Der Verbrenner geht Richtung Abstellgleis.

    Antworten

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