Die Reparaturkosten von Elektroautos sind nach Unfällen nicht automatisch höher als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Wie Carsten Reinkemeyer vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) dem Portal Firmenauto.de sagt, ist primär das geringere Fahrzeugalter der Elektroauto-Flotte für höhere Kosten verantwortlich. Da die Population der batterieelektrischen Fahrzeuge im Durchschnitt deutlich jünger sei, führe dies einerseits zu einem anderen Meldeverhalten und andererseits zu höheren Reparaturgrenzen sowie Totalschadenkosten.
Ein weiterer Kostentreiber sind die Stundensätze in Markenwerkstätten, die laut Allianz-Studien knapp 50 Prozent über denen markenungebundener Betriebe liegen können. Eine Gegenüberstellung vergleichbar junger Fahrzeuge bestätigten den Alterseinfluss. Die Ersatzteilpreise für Elektroautos sind dem Experten zufolge nicht generell teurer, Bauteile wie Stoßfänger bei gleichem Segment und Hersteller gleich teuer. „Einen recht kleinen Einfluss sehen wir bei den Freischaltkosten, wenn bei einer Reparatur die HV-Anlage (Hochvoltanlage, d. Red.) einbezogen werden muss“, erklärt Reinkemeyer. Das sei aber nur in einer kleinen Anzahl der Fälle überhaupt erforderlich.
Die Hochvolt-Batterie kann jedoch zum entscheidenden Kostenfaktor werden, insbesondere bei Unterbodenschäden. Je nach Schutzplatte des Gehäuses und vorhandenen Reparaturlösungen der Hersteller können laut dem Fachmann die Kosten zwischen unter 1000 Euro und bis zu 29.000 Euro liegen. Schwierigkeiten entstehen zudem bei der Diagnose vor Ort oder der Wahl der Abstellfläche, da hier oft Wissen fehlt und Gefährdungsvermutungen zu unnötigen, teuren Maßnahmen führen können. Unabhängige Werkstätten sind durch fehlende Diagnoseumfänge der recht hohen Frequenz neuer Marken und Modelle benachteiligt.
In einer Untersuchung von Abschlepprechnungen hat das AZT gegenüber einem Durchschnittspreis bei konventionellen Antrieben „erhebliche Kostenerhöhungen“ gefunden, berichtet Reinkemeyer. Oft wird demnach die Dauer des gesicherten Abstellens der Fahrzeuge „maßlos überzogen“. Erste Hersteller wie VW und BMW hätten darauf reagiert und die initiale Quarantänezeit unter Überwachung der Batterietemperatur auf 24 Stunden reduziert. Die Temperatur dient als wichtiger Indikator für mögliche kritische Reaktionen im Akku.
Zur Senkung der Kosten sind Reinkemeyer zufolge objektive Informationen, regelmäßige Schulungen und eine bessere Ausbildung notwendig, um Ängste vor seltenen Gefahren zu reduzieren. Zudem sei ein Schutz des Batteriegehäuses gegen Unterbodenschäden wichtig. Ein Problem bleibe die teilweise notwendige pauschale Reparatur durch Austausch der Batterie. Um wirtschaftliche Totalschäden zu vermeiden, sollten Hersteller reparaturfreundliche Lösungen oder zeitwertgerechte Austauschbatterien anbieten.
„Es ist für uns alle sehr wichtig, dass es für alle Batterien einfache und kostengünstige Reparaturmöglichkeiten gibt“, so Reinkemeyer. „Denn am Ende bezahlt für Versäumnisse bei der Reparaturfreundlichkeit nämlich immer unser gemeinsamer Kunde.“

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