Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt prüft den einst britischen, heute zum chinesischen SAIC-Konzern gehörenden Autohersteller MG wegen möglicher Spionagesoftware in seinen Fahrzeugen. Jedes moderne Elektroauto sei ein Informationssammelsystem, sagt Geheimdienst-Experte Shlomo Shpiro im Interview mit der Welt.
Fortschrittliche E-Autos verfügen nach Einschätzung von Shpiro über ausgeklügelte Systeme, die Informationen sammeln können. Dazu gehörten Kameras rund um das Fahrzeug, Mikrofone und Fahrerassistenzsysteme. Auch Benziner könnten entsprechende Technik enthalten, Elektroautos hätten jedoch mehr elektrische Kapazität für eine Nutzung aus der Ferne im Stillstand.
Die Kameras und Mikrofone dienen unter anderem der Erkennung von Fußgängern und Hindernissen sowie der Bedienung bestimmter Funktionen. Werden diese Daten mit Informationen eines Handys abgeglichen, können sie Aufschluss über Arbeitsorte und Kontakte geben. Regelmäßige Parkzeiten vor einem Büro könnten beispielsweise erkennen lassen, wo eine Person arbeitet.
Privatpersonen seien beispielsweise für den chinesischen Nachrichtendienst nicht von Interesse, so Shpiro. Relevant seien vielmehr Fahrzeugflotten großer Firmen, von Rüstungsherstellern und Unternehmen, die mit Firmen der Volksrepublik konkurrieren. Als Beispiele nennt er Maschinenbauer, die Energie- und Ölindustrie sowie andere Produzenten.
Zu den weiteren möglichen Zielen zählt Shpiro militärische Anlagen, Nachrichtendienste, Sicherheitsbehörden und die Polizei. Viele Firmen stellten ihre Fahrzeugflotten auf Elektroautos um. Dadurch entstehe eine große Menge an Informationen, für die sich Nachrichtendienste interessieren könnten.
Die Möglichkeiten zur Abwehr hält Shpiro für begrenzt. Bestimmte Systeme könnten per Software oder durch andere Maßnahmen abgeschaltet werden, wodurch jedoch Funktionen des Autos eingeschränkt würden. Eine abgedeckte Kamera könne beispielsweise verhindern, dass Fahrerassistenzsysteme oder akustische Warnungen funktionieren. Und ein blockiertes Mikrofon würde die bequeme Sprachbedienung des Navigationssystems verhindern.
Es sei ein zweischneidiges Schwert, sagt Shpiro über den Konflikt zwischen Datensammlung und nutzbaren Fahrzeugfunktionen. Schutzmaßnahmen können demnach mit Einbußen bei der Bedienung verbunden sein. Der Geheimdienst-Experte selbst fährt einen älteren Suzuki-Benziner ohne Kameras. Fahrerassistenzsysteme nutzt er nach eigener Aussage nicht, seine Fahrunterstützung seien seine zwei Augen.

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