Die Spitzen der Koalitionsfraktionen von Union und SPD planen eine Überarbeitung der Elektroauto-Kaufprämie, um die heimische Produktion zu stärken. Laut einem Beschlusspapier der Fraktionsklausur sollen hierfür EU-rechtskonforme und harmonisierbare „Local-Content“-Kriterien genutzt werden, berichtet die Nachrichtenagentur dts. Sobald entsprechende Regelungen erarbeitet wurden, sollen diese in das laufende Förderprogramm integriert werden.
Die aktuelle staatliche E-Auto-Kaufprämie ist grundsätzlich marken-, modell- und herkunftsoffen; eine Bevorzugung europäischer Fahrzeuge gibt es derzeit nicht. Gefördert werden seit 1. Januar 2026 neu zugelassene E-Autos sowie unter bestimmten Voraussetzungen Plug-in-Hybride und sogenannte Range-Extender-Elektroautos. Die Fördersumme beträgt abhängig von Antriebsart, Einkommen und der Zahl minderjähriger Kinder des Haushalts bis zu 6000 Euro.
Bereits im August forderte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann zusätzliche Kriterien für die E-Auto-Prämie, damit diese vermehrt deutschen Herstellern zugutekommt. Er kritisierte, dass von der aktuellen Prämie vor allem außereuropäische Hersteller profitierten. „Wir müssen die Förderung so ausrichten, dass die Wertschöpfung dieser Fahrzeuge größtenteils in Europa stattfindet“, sagte Hoffmann.
Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, bezeichnete die E-Auto-Prämie als den naheliegendsten Anwendungsfall für Local-Content-Kriterien. Die EU-Kommission entwickelt derzeit im Rahmen des Industrial Accelerator Acts (IAA) Regeln, nach denen ein Teil der Wertschöpfung bei Beschaffungen in der EU erfolgen muss.
Die Fraktionen von Union und SPD fordern derweil Änderungen am EU-Autopaket. Die geplante Verschärfung des „Utility Factor“ ab dem kommenden Jahr soll ausgesetzt werden. Dieser Faktor regelt, wie stark Hybride und elektrische Fahrzeuge in die CO2-Flottengrenzwerte der Hersteller einfließen. Eine Senkung des Faktors würde dazu führen, dass Hybride die Bilanz der Flottengrenzwerte stärker belasten. Zudem wird gefordert, dass der Zielwert für grünen Stahl erreicht werden muss.

Thomas aus Marl meint
Wer sich eine Nobelkarosse von Mercedes, BMW, Audi, Porsche und Co leisten kann, der ist nicht wirklich auf eine Förderung angewiesen.
Fahrzeuge mit einem Preis über 35.000 € sollten daher komplett von der Förderung ausgeschlossen werden.
Sinn macht dagegen eine Förderung, die umgekehrt proportional an den Energieverbrauch gekoppelt ist.
Solange wie noch so viel Strom in fossilen Kraftwerken erzeugt wird und auch, weil für die Wärmewende zukünftig noch viel zusätzlicher Strom vonnöten ist, müssen möglichst effiziente Fahrzeuge auf die Straße kommen.
Ergo: je höher der Verbrauch, desto geringer die Förderung.
5 kWh/100 km => 10.000€
6 kWh/100 km => 9.000€
7 kWh/100 km => 8.000€
….
10 kWh/100 km => 5.000€
….
15 kWh/100 km => 1.000€
Darüber => 0€
MK meint
@Thomas aus Marl:
Energie einzusparen macht immer Sinn…und wenn es nur ist, damit bei gleicher Reichweite der Akku, den man mit sich rum fährt weniger Material verbraucht und durch weniger Gewicht die Straßen weniger abnutzt.
Von daher: Man müsste die Werte vielleicht etwas anders setzen als Sie vorgeschlagen haben und auch da einen „Familienbonus“ einführen (also dass für eine vierköpfige Familie mit nur einem PKW ein höherer Verbrauch förderfähig ist als für einen Single), aber die Idee an sich finde ich gut.
Und alleine das würde europäische Produktion fördern: BYD z.B. liegt in den WLTP-Verbräuchen konsequent 10% bis 20% über vergleichbaren Modellen des VW Konzerns.
LOL meint
deutsche Produktion wäre noch besser
blöd nur, dass dann „deutsche“ Hersteller gar nicht so gut dabei abschneiden würden
MK meint
@LOL:
Vor Allem aber wäre es nach EU-Recht unzulässig.
Ansonsten schauen Sie aber wahrscheinlich grade nur auf die Montage. Mein Skoda Elroq z.B. ist zwar in Tschechien endmontiert, hat aber sehr viele Teile aus Deutschland. Einfach auch, weil es über den MEB-Baukasten Gleichteile mit ID.3, ID.4, ID.7 oder Cupra Born sind. Der Motor z.B. kommt aus dem VW Werk in Baunatal, die Achsen kommen fertig mit weiten Teilen des Fahrwerks aus den VW Werken Braunschweig und Salzgitter (gefertigt u.a. mit Teilen von ZF). Beim Unterfahrschutz, der auch den Akku unten schützt, weiß ich, dass der von Kirchhoff in Iserlohn hergestellt wird. Mahle aus Stuttgart liefert teile für das Thermomanagement des Akkus und auch für die Klimatisierung des Innenraums, Bosch und Continental z.B. Steuergeräte und Software, die Heckleuchten kommen von Forvia (ehemals Hella) aus Lippstadt, das Bordladegerät wird in Osnabrück hergestellt.
F. K. Fast meint
… und sehr wahrscheinlich gegen EU-Recht verstossen würde
David meint
Ja, natürlich. In einem weltweiten Wettbewerb gegen Handelsfeinde, die gegen alle guten Sitten verstoßen, kann man nicht mit dieser links-woken wohlmeinenden Kinderbuch-Haltung bestehen. Das gilt in allen Bereichen der Politik. Weder kannst du Gefährder so lasch bestrafen, dass zum nächsten Massaker rechtzeitig ehrenhaft entlassen sind, noch zugucken, wie der chinesische oder amerikanische Staat den kaufmännischen Ehrencodex vollständig ins Gegenteil verkehrt.
Ben meint
Dann leg bei deinem Arbeitgeber VW bitte ein gutes Wort ein und sorge dafür dass 100% der Teile inkl. Rohstoffe aus Deutschland kommen, denn es soll ja nix ausländisches subventioniert werden.
Future meint
Es ist immer »großartig«, wenn dieser »David« mit betonter Empörung von den guten Sitten, den woken Linken, den Kinderbuchautoren bis zu den Terroristen fabuliert und seine weiteren Feinde in Amerika und China verortet. Er hat natürlich wieder einmal die Russen weggelassen, aber das kennen wird ja aus seinen vielen anderen Postings, dass er da wohl eine Nähe vermitteln will, die in Deutschland in bestimmten Milieus eben sehr verbreitet ist. Dieses Milieu könnte die größte Gefahr und damit ein weiterer »Feind« mitten unter uns sein.
F. K. Fast meint
Absolut klar, eine Förderung sollte nur dann erfolgen, wenn mind. 2/3 der Wertschöpfung in der EU stattfindet. Also auch der Akku muss in der EU produziert werden.
aha meint
Mit dem Ziel, mehr BEV zu verkaufen leider nicht mehr realistisch. Zu teure Autos und zu wenige Batterien dafür. Schade. Und alle Normalverdiener, die jetzt ein Auto bestellt haben – aus China wahrscheinlich – werden um die Förderung bangen müssen.
xX meint
Damit eine Förderung nicht nur kurzfristig den Absatz erhöht, sondern langfristig wirkende Wertschöpfungsstrukturen unter Berücksichtigung geopolitischer Risiken aufgebaut werden, ist eine Local Content Klausel notwendig.
Wer als Normalverdiener seine Förderung nicht riskieren will, sollte von der Bestellung von in China produzieren Autos absehen.
MK meint
@xX:
Das würde aber zwei Dinge bedingen:
– Zum einen müsste es für die Kunden überhaupt möglich sein, solche Fahrzeuge zu kaufen. Bei der Wertschöpfung geht es ja nicht um den Ort der Endmontage: Wenn VW z.B. einen Verbrenner-Golf in Wolfsburg oder einen ID.3 in Zwickau montiert, macht das jeweilige Wert weniger als 10% der Wertschöpfung aus.
– Zum zweiten müsste der Förderzeitraum entsprechend lange bemessen sein, damit sich der Aufbau von regionalen Produktionskapazitäten für die Hersteller lohnt. Hieße: garantierte Förderung für mindestens 30 Jahre (Planung der neuen Fabriken, Bau der neuen Fabriken, 25 Jahre Abschreibung der neuen Fabriken)…und zwar garantiert beibehalten auch bei Regierungswechseln etc.
Das wird also nicht passieren.
MK meint
@F.K. Fast:
Das wäre aber schwierig. Das könnten bisher meines Wissens nach eigentlich nur BMW (die viele Akkuzellen von CATL aus Erfurt bekommen) und VW beim ID.Polo (die für den kleinen förderfähigen Anteil des Gesamtabsatzes die Akkuzellen aus Salzgitter nehmen könnten) erfüllen.
Alle anderen, egal ob die anderen VW-Werke, Mercedes, Opel, Tesla oder Ford montieren nur zugelieferte Akkuzellen zu ganzen Akkus…