Casper Rasmussen, CEO von der Ladeinfrastruktur-Plattform Monta, stellt die Industrialisierung des E-Ladens in den Mittelpunkt. Während es laut dem Management in der ersten Phase vor allem darum ging, Ladepunkte zu installieren, zu vernetzen sowie Ladevorgänge zu starten und abzurechnen, sollen Ladenetze nun zuverlässig, sicher und wirtschaftlich im industriellen Maßstab funktionieren.
„Die simple Phase ist vorbei. Und das ist gut so – denn wir gehen direkt den schwierigen Teil an“, so Rasmussen. Industrialisierung bedeute, drei Herausforderungen gleichzeitig zu lösen: Steuerung, Skalierung und Vertrauen. Jedes dieser Ziele lasse sich für sich genommen gut erreichen. Alle drei kontinuierlich und im industriellen Maßstab zusammenzuführen – „genau das macht aus einem Ladenetzwerk eine echte Infrastruktur statt einer bloßen Sammlung von Funktionen“.
„Das ist der Punkt, an dem das Laden weniger wie eine App und mehr wie Infrastruktur funktioniert“, so Rasmussen. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir eine Ladesäule verbinden können. Die Frage ist, ob wir täglich Millionen von Ladevorgängen, Geräten und Kunden zuverlässig bedienen können.“
Das heutige Lade-Ökosystem umfasst zahlreiche Hardware-Modelle, Firmware-Versionen, Konnektivitätsumgebungen und Standortkonfigurationen. Monta verarbeitet nach eigenen Angaben monatlich vier Millionen Ladevorgänge an rund 330.000 Ladepunkten weltweit und testet kontinuierlich mehr als 900 Hardware-Modelle im eigenen Labor. Während branchenweit etwa jeder 13. Ladeversuch fehlschlage, liege die Ausfallrate bei über Montas Betriebssystem verwalteter Hardware bei etwa eins zu 21. Zwei Drittel der Ausfälle werden laut Rasmussen durch die Hardware selbst verursacht.
Sicherheit wird zum zentralen Faktor
Neben der Zuverlässigkeit spielt für Monta auch die Sicherheit der Ladeinfrastruktur eine wichtige Rolle. Das Unternehmen setzt dafür auf anerkannte Sicherheitsstandards, regelmäßige Sicherheitstests und mehrere Schutzebenen für die Daten seiner Betreiber. Zugleich steigen durch EU-Vorgaben die Anforderungen an die Cybersicherheit in Teilen des Lade-Ökosystems. Monta erklärt dazu: „Regulierung ist mittlerweile die Mindestanforderung, nicht mehr nur ein Unterscheidungsmerkmal.“
Auch die Zahlungsabwicklung nimmt mit wachsendem Volumen an Komplexität zu. Verschiedene Tarife und Währungen, Mehrwertsteuer-Abrechnung unter ViDA, Rückerstattungen, Abstimmungen und Zahlungsbetrug stellen Betreiber laut Monta vor betriebliche und finanzielle Herausforderungen. Das Unternehmen hat eine eigene Lizenz als E-Geld-Institut erhalten, die im April starten soll und unter anderem die Absicherung von Kundengeldern auf Treuhandkonten sowie die Automatisierung zentraler Compliance-Prozesse ermöglichen soll.
Europa zählt bereits mehr als zehn Millionen vernetzte Ladesäulen, deren Zahl sich Rasmussen zufolge in den kommenden Jahren mehr als verfünffachen dürfte. Mit dem Wachstum steigen auch die Zahl der Fahrer und Ladevorgänge, die Transaktionsvolumina sowie die Anforderungen durch dynamische Energieflüsse und komplexe Netzintegrationen. Betreiber müssten Ladepunkte daher nicht mehr nur aufstellen, sondern als kritische Infrastruktur betreiben, wofür Technik auf Industrie-Niveau, Cybersicherheit, Finanzkontrollen und betriebliche Resilienz erforderlich seien.
Nach Rasmussens Darstellung verändert die Industrialisierung zugleich den Wettbewerb für Ladepunktbetreiber. Eine verlässliche Kern-Infrastruktur sei Voraussetzung, aber kein Unterscheidungsmerkmal. Differenzierung entstehe bei Benutzeroberflächen, APIs, Abo-Modellen, Treueprogrammen und der Customer Journey. Als kommerzielle Hebel nennt er Preisgestaltung, Kundenbindung, Auffindbarkeit, Energiekosten sowie das Flotten- und Fahrer-Erlebnis.

Christel Armhorn meint
Fehlt im Text nur noch das „Laaaaaderlebnis“ – an einem 08/15 Verkaufsautomaten mit nur einem einzigen Artikel: Ein 24/7 verfügbares, in jedem Wohnzimmer permanent vorhandenes, nicht digitalisierbares*, völlig undifferenziertes, random Standardprodukt: STROOOOM
*Hinweis für Entscheider mit Physikschwächen: Strom ist KEIN digitales Produkt
MichaelEV meint
Das ist diese naive „der Strom kommt immer einfach aus der Steckdose“-Mentalität. Tatsächlich ist es aber nicht einfach, sondern sehr komplex. Zum Beispiel ist die Differenzierung beim Preis größer als bei wahrscheinlich jedem anderen Produkt, Preise differenzieren extrem stark nach Zeitpunkt und Ort (wer was anderes behauptet, hat die Physikschwäche) und das natürlich weil Angebot und Nachfrage permanent fluktuieren (und sich damit Engpässe und Überkapazitäten permanent abwechseln und behandelt werden müssen).
Und man konnte sich nie an einen beliebigen Ort stellen und plötzlich ist der Strom vom Himmel gefallen. Dafür muss ein Netzanschluss realisiert (und bezahlt) und immer ein Vertrag geschlossen werden. Adhoc gibt es hier gar nicht!
Wer mit der Strom-ist-Strom-Mentalität antritt, kann sich den Strom Zuhause doch einfach in Tüte oder Eimer packen und unterwegs ins Auto kippen. Upps, geht nicht – Strom kann man nicht so einfach speichern und transportieren und fürs „befüllen“ braucht man eine Ladesäule, die hoch 5-stellig bis 6-stellig kostet? Das sind die harten Fakten, mit denen Ladeinfrastrukturbetreiber umgehen müssen!
eBikerin meint
Bin ich ganz bei dir Michael. Am besten finde ich die „Strom Kostet Zuhause aber“ Leute. Dass diese Leute den Anschluss und sämtliche Elektroarbeiten selbst beszahlt haben (oder eben der Vermieter oder der der das Haus gebaut hat ) wird da gerne ausgeblendet. Auch dass der Lademarkt noch nicht gesättigt ist – also immer noch massive Investitionen in Ausbau getätigt werden müssen/sollen obwohl die Last auf dem Ladestationen oft nur sehr gering ist.
In 10 Jahren können wir da wieder drüber reden – da wird es dann auch ganz andere Preise etc geben, weil dann eben der Markt gesättigt ist und Investitionen eigentlich nur noch in den Erhalt gehen und eben nicht mehr in den Ausbau.
Jörg2 meint
Wohl jedes Unternehmen dieser Welt in jedweder Branche hat damit zu tun, dass Einkaufspreise nicht fix sind und die Käuferseite auch so etwas hin-und-her „atmet“. Da ist der Ladesäulenmarkt nicht allein.
Das Produkt ist aber immer das Gleiche: Strom und sogar in definierter Form (Volt, Frequenz…).
Auch die Tatsache, dass vor dem Umsatz die Investition kommt und der erste Taler nicht die Gesamtinvestition zurückführt, haben die Ladesäulenbetreiber nicht für sich gepachtet.
Wer da der Meinung ist, der aktuelle StatusQuo von Abo bis Roaming wäre der Weisheit letzer Schluss, macht es sich, bei der Vertretung ausgestanzter Industrieinteressen, zu leicht. Auch hier wird es Veränderungen geben. Die technischen Möglichkeiten laden geradezu dazu ein.
MichaelEV meint
Dieser „Strom ist Strom“-BS zerschellt bei einem kurzen nüchternen Blick auf Day Ahead- und Intraday-Strompreise. Kaum ein Produkt differenziert sich beim Preis so stark und schnell wie hier.
Egal ob Strom an sich oder Ladestrom im speziellen – es gibt temporäre Nachfragespitzen, deren Deckung, besonders bei hohem Fixkostenanteil wie bei Ladeinfrastruktur, teuer ist (die Kosten verteilen sich auf kurze Zeiträume und damit wenig Menge).
Es gibt nur zwei Wege – entweder man will auch in den Nachfragespitzen eine Bedarfsdeckung haben und bezahlt den Preis dafür. Oder man verzichtet auf die Deckung und bekommt in diesen Zeiträumen keinen (Lade-)Strom.
South meint
Schon ne lustige verniedlichende Darstellung mit „kommerzielle Hebel“ für Ausnutzung von Marktmacht. Natürlich müssen nicht alle den gleichen Preis bezahlen, aber das derzeitige unnötige komplexe Chaos nervt Kunde und ist sogar für den Hersteller teuer.
Mit zunehmender „Industrialisierung“, ich nenne es mal eher besseren Wettbewerb, oder eben auch durch Regulierung ist hoffentlich bald Schluss mit den künstlichen Markthemmnissen, welche Kunden sogar vom eAuto abschreckt.
Das Ladesäulensystem muss nicht kompliziert sein, fairer Preis und Bankkarte fertig. Wie es halt jede kleine Tanke heute auch hinbringt… ärgerlich, dass der Gesetzgeber da solange zuschaut…
MichaelEV meint
Immer diese leere Hülse „fair“. „fair“ (sowie richtig und wichtig) ist,…
-dass Ladeanbieter freie Kapazitäten gezielt mit Anreizen/Angeboten auslasten
-dass bei hoch/voll ausgelasteter Kapazität hohe Preise entstehen, die die Nachfrage auf die dringenden Bedarfe reduzieren und ausreichend hohe Anreize für weiteren Ausbau für die Spitzenbedarfe schaffen
-dass Ladeanbieter Preise differenzieren und den Kunden Angeboten machen, die höhere gleichmäßigere Auslastung und regelmäßige Frequentierung versprechen
-dass Ladeanbieter die Mehrkosten für einen Zugangsweg verursachergerecht verrechnen
-dass Ladeanbieter alle im Rahmen dieser Geschäftstätigkeit anfallenden Kosten decken
-dass dieses Geschäft für die Ladeanbieter genug Anreiz bietet, damit diese den weiteren Ausbau an Ladeinfrastruktur betreiben
Dem Gesetzgeber ist sehr klar, dass es durch Einmischung an der Stelle sehr wenig zu gewinnen gibt (weil „fair“ sich zwischen 60-80 Cent/kWh bewegen wird), aber extrem viel zu verlieren.
Diese „Komplexität“ ist, dass es Angebote gibt (wie auch sonst im Leben). Wenn man die guten Angebote beseitigt, werden die schlechten keinen Deut besser.
South meint
Naja, das hatten wir schon so oft, das stimmt auch bei xte Mal nicht. Kostendeckung und Transparenz schließen sich nicht aus. Die aktuelle Struktur ist für die Kunden eben nicht fair und ganz sicher nicht für die kleinen Ladeanbieter, die vom Markt ferngehalten werden. Der Gesetzgeber hat ja auch schon mehrmals gehandelt, ja handeln müssen. Man darf keine Kunden mehr vom Ladenetz ausschließen und die Bezahlung Bankkarte. Der Markt funktioniert nicht, weil wenige Anbieter eben ihre Macht ausnutzen und genau das bremst die eMobilität…
MichaelEV meint
Natürlich schließt sich Kostendeckung und Transparenz nicht aus…. Beispiel reguliertes Netzentgelt: kostendeckend und transparent IMMER sau teuer.
Das auf den Adhoc-Preis beim Laden übertragen, würde zum selben Ergebnis führen: transparent sau teuer und nicht wesentlich anders als jetzt.
Das einzige, was ihr mit eurem Gedankengut beseitigen würdet, wären die günstigen Preise.
Zum x-ten Mal: Die einzige funktionierende Alternative, die „ein Preis für alle“ mit den marktwirtschaftlichen Erfordernissen kombiniert, ist ein variabler Adhoc-Preis. In Zeiträumen mit Nachfragespitzen kann dieser heutige Adhoc-Preise locker deutlich knacken, was „fair“ und wichtig wäre, damit daraus weiterer Ausbau finanziert wird.
Dann hätten ein paar ihre „ein Preis für alle“-Ideologie und viele andere würden sich, bei eurem Gedankengut die Alternativen zu beseitigen, von der Elektromobilität verabschieden, weil keinerlei Planbarkeit mehr gegeben wäre.
Für die „die Kleinen werden diskriminiert“-Story braucht es nur eine Transparenzstelle, letztendlich egal ob staatlich oder privat (wie es kommt). Dann ist das Angebot sichtbar, aber schlechtes Angebot (zu hohe Adhoc-Preise, schlechte Lage oder Verfügbarkeit) wird dadurch auch nicht besser.