Tesla hat vor der IAA Transportation in Hannover die europäischen Spezifikationen seines Elektro-Lkw Semi veröffentlicht und den Marktstart konkretisiert. Die ersten Kundenauslieferungen des in den USA im April in die Großserienproduktion gegangenen Fahrzeugs in Europa sollen 2027 beginnen.
„Der Semi wurde von Grund auf als Elektro-Lkw konzipiert und ist darauf ausgelegt, den Güterverkehr zu revolutionieren. Er basiert auf der Tesla-Expertise in den Bereichen Batterietechnologie, elektrischer Antriebsstrang, Software und Fertigung, um die Anforderungen moderner Logistik zu erfüllen“, wirbt der Konzern. Dank „branchenführender Effizienz“ und hoher Reichweite sei der Semi für die europäischen Transportanforderungen ausgelegt – „von der regionalen Distribution bis hin zu Langstrecken“.
Zunächst führt Tesla in Europa die als „Standard Reichweite“ bezeichnete Version ein. Für diesen Semi werden eine geschätzte Reichweite von 550 Kilometern und ein Energieverbrauch von 1,0 kWh pro Kilometer genannt. Beide Werte beruhen auf internen Berechnungen bei 40 Tonnen Zuggesamtgewicht, konstant 80 km/h, 20 Grad Celsius und ebener Strecke mit einer Kombination aus Aerodynamikpaket und Sattelauflieger. Reifen, Dachverkleidung und die Konfiguration des Sattelaufliegers können „einen sehr großen Einfluss auf den prognostizierten Verbrauch“ haben, merkt Tesla an.
Der Antrieb arbeitet mit drei unabhängigen Elektromotoren an den Hinterachsen und erreicht laut Tesla bis zu 800 kW/1088 PS Leistung. Das Leergewicht gibt der Hersteller mit weniger als 9100 Kilogramm an, das zulässige Zuggesamtgewicht mit 40 Tonnen. Hinzu kommt ein elektrischer Nebenabtrieb mit bis zu 25 kW für Zusatzaggregate. Eine Batteriekapazität gibt Tesla in den veröffentlichten Europa-Spezifikationen bislang nicht an, das gilt auch für den Preis des Semi hierzulande.
Beim Schnellladen nennt der E-Fahrzeug-Pionier für Europa bis zu 800 kW Leistung und den Standard Megawatt Charging System MCS 3.2. Unter den vom Hersteller zugrunde gelegten Bedingungen sollen sich innerhalb von 30 Minuten bis zu 60 Prozent der Reichweite nachladen lassen. Tesla stellt zugleich ein wachsendes öffentliches „Megacharger“-Netz in Aussicht, veröffentlicht auf seinen europäischen Semi-Seiten derzeit aber keine konkrete Zahl oder Standortplanung. Für längere Standzeiten sieht das Unternehmen daneben langsamere Depot-Ladelösungen vor.
Für Flottenbetreiber sei die Rechnung einfach, so Tesla. „Das Aufladen mit Strom ist pro Kilometer günstiger als das Tanken von Diesel. Die Wartungskosten für batterieelektrische Fahrzeuge sind erheblich niedriger – bedingt durch den Wegfall von Diesel-Nachbehandlungssystemen und die Einfachheit elektrischer Antriebsstränge.“ Und durch Ferndiagnose, „Over-the-Air“-Software-Updates sowie geringeren Wartungsaufwand sparten die Betreiber Zeit. Dadurch könnten Flottenbetreiber bereits vor dem regulären Austauschzyklus ihrer Diesel-Fahrzeuge eine positive Gesamtkostenbilanz erreichen.

Hans Meiser meint
20°C!!! In der Praxis können die Speditionen da sicherlich nochmal 20-30% von der angegebenen Reichweit abziehen. Ob da die Wirtschaftlichkeit noch gegeben ist…
MK meint
Was hier fehlt (und auch auf der verlinkten Seite nicht extra beschrieben wird): Tesla hat laut anderer Portale angekündigt, dass die Zugmaschinen für Europa kürzer sein werden, um die Längenbegrenzung von 16,5 m für Sattelzüge z.B. mit einem 40 Fuß-Container noch einhalten zu können. Was darin noch nicht angekündigt wird: In wie weit z.B. eine unter Umständen steilere Front sich auf den Verbrauch auswirkt.
Auf jeden Fall hoffe ich, dass ein Marktstart nächstes Jahr des Semi vielleicht auch Daimler und MAN dazu bringt, die eigene Preiskalkulation noch mal zu überdenken.