Die EU setzt der Nutzfahrzeugindustrie ambitionierte CO₂-Flottenziele, schafft aber bislang laut dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) nicht die notwendigen Voraussetzungen, diese zu erreichen. Der VDIK fordert deshalb, die für Ende 2027 vorgesehene Überprüfung der CO₂-Flottenregulierung vorzuziehen. Die Politik müsse jetzt nachsteuern, damit realistische Ziele mit den tatsächlichen Rahmenbedingungen in Einklang gebracht werden können.
„Die internationalen Hersteller bieten ein attraktives Angebot an elektrischen Nutzfahrzeugen. Jetzt ist die Politik gefordert, die Voraussetzungen für den Markthochlauf zu schaffen“, sagt VDIK-Präsidentin Imelda Labbé. „Emissionsfreie Nutzfahrzeuge sind in allen Segmenten serienreif verfügbar. Was fehlt, sind verlässliche Rahmenbedingungen für Nutzfahrzeug-Kunden: kalkulierbare Betriebskosten über die gesamte Haltedauer, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur, ausreichende Flächen für Laden und Parken sowie schnellere Genehmigungen für Netzanschlüsse. Solange diese Voraussetzungen fehlen, bleiben Investitionen aus – und damit rückt auch die Zielerreichung in weite Ferne. Wir fordern deshalb, das für Ende 2027 geplante Review vorzuziehen.“
Nach Analyse des Verbands müsste rund ein Drittel aller neu zugelassenen Lkw emissionsfrei sein, um die aktuellen EU-Flottenziele für 2030 zu erreichen. 2025 lag der E-Anteil von Lkw-Neuzulassungen in der EU lediglich bei 4,2 Prozent. Dabei seien emissionsfreie Nutzfahrzeuge in allen relevanten Segmenten serienreif verfügbar. Die entscheidende Frage sei also aktuell vielmehr, ob die Fahrzeuge unter realen Bedingungen wirtschaftlich und verlässlich planbar betrieben werden können.
Der VDIK fordert, die Rahmenbedingungen für den Hochlauf von E-Lkw kurzfristig zu verbessern. Besonders kritisch bewertet der Verband die fehlende Planungssicherheit bei den Betriebskosten. Die Wirtschaftlichkeit emissionsfreier Lkw hänge derzeit wesentlich von politischen Rahmenbedingungen ab, insbesondere von der Mautbefreiung. Diese laufe Mitte 2031 aus, eine verlässliche Anschlussregelung fehle bislang. Damit müssten Flottenbetreiber heute Investitionsentscheidungen für Fahrzeuge treffen, deren Kosten über einen erheblichen Teil ihrer Haltedauer politisch nicht abgesichert seien. „Und ohne die Kaufentscheidung der Kunden können auch die Hersteller ihre Flottenziele nicht erfüllen, so gut ihr Fahrzeugangebot auch ist“, unterstreicht der VDIK.
Auch bei der Infrastruktur besteht dem Verband zufolge „erheblicher Handlungsbedarf“. Ein flächendeckendes Ladenetz für schwere Lkw fehle weiterhin: Bundesweit seien erst rund 355 öffentliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge in Betrieb, vorgesehen seien bis 2030 rund 4200 Ladepunkte an 350 Standorten. Das Megawattladen als Schlüsseltechnologie für den Fernverkehr stehe noch am Anfang. Gleichzeitig mangele es an geeigneten Flächen für Lkw-Stellplätze und Ladeinfrastruktur, allein in Deutschland fehlten rund 19.600 Lkw-Stellplätze. Laden, Parken und gesetzliche Ruhezeiten müssten gemeinsam geplant werden. Hinzu kämen mehrjährige Vorlaufzeiten für Netzanschlüsse – sowohl im öffentlichen Raum als auch auf Betriebshöfen.
Der VDIK betont: „Die Hersteller stehen bereit. Damit ambitionierte europäische Klimaziele auch im Straßengüterverkehr erreicht werden können, muss nun die Politik die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Ihre Meinung