Frank Schwope, Automotive Consultant und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin, sieht für die deutsche Automobilbranche auch 2027 keine Entspannung. Deutsche und europäische Hersteller stünden einer neuen asiatischen Herausforderung gegenüber, wobei die Konkurrenz aus China den europäischen Markt deutlich aggressiver angehe. Bei Elektromobilität und autonomem Fahren hätten Deutschland und Europa den chinesischen und amerikanischen Anbietern bislang wenig entgegenzusetzen.
Das sagte der Branchenexperte dem Comdirect Magazin. Kurzfristig haben demnach Verbrenner-Technologien in Europa und besonders in den USA wieder bessere Aussichten als noch vor einigen Jahren. Deutsche Hersteller profitierten weiterhin von starker Markentreue, zugleich könnten Gewinne aus dem Verbrennergeschäft die Transformation erleichtern. Mittel- bis langfristig führe an der Elektromobilität jedoch „kein Weg vorbei“.
Für China erwartet Schwope keine Rückkehr deutscher Hersteller zu früheren Absatzhöhen. Der Volkswagen-Konzern habe dort in seinen besten Zeiten mehr als zwei Millionen Fahrzeuge pro Halbjahr verkauft, in den ersten sechs Monaten 2026 seien es nicht einmal eine Million gewesen. Für Volkswagen und andere deutsche Anbieter gehe es zunächst darum, die Verkaufszahlen zu stabilisieren.
E-Auto-Prämien „Verschwendung von Steuergeldern“
Elektroauto-Kaufprämien lehnt Schwope ab und bezeichnet sie als „baren Unsinn und eine Verschwendung von Steuergeldern“. Die Preisdifferenz zwischen klassischen Diesel- und Benzinmotoren und E-Antrieben schwinde ohnehin. Zudem kritisiert er die Förderung von Plug-in-Hybriden und verweist darauf, dass die kurzfristige Einstellung der Stromer-Förderung unter dem damaligen Minister Habeck den Markt in ein künstliches Auf und Ab getrieben habe.
Bei den deutschen Herstellern sieht Schwope auch strategische Fehlentscheidungen, weil Richtungsentscheidungen zu spät oder zu ruckartig gefallen seien. BMW habe sich noch am besten positioniert, da der Konzern die Technologiefrage offengehalten und Werke für Verbrenner, Hybride und E-Autos ausgerichtet habe. Die gerade startende reine E-Auto-Plattform „Neue Klasse“ sei ein Hoffnungsträger, müsse ihren Erfolg aber in den Absatzzahlen der kommenden Jahre zeigen.
Volkswagen habe massive Probleme und Überkapazitäten, die Marge und Gewinn belasteten. Gleichzeitig erzielte der Konzern im Vorjahr knapp sieben Milliarden Euro Gewinn nach Steuern und im ersten Halbjahr 2026 mehr als drei Milliarden Euro. Schwope hält deshalb Panik für nicht angebracht, sieht aber Restrukturierungsbedarf sowie die Notwendigkeit einer klaren Konzernstrategie und Vision.
Mercedes beschreibt der Experte als orientierungslos, sowohl die Luxusstrategie als auch die „Electric-only-Strategie“ seien wieder aufgegeben worden. US-Elektroauto-Vorreiter Tesla betrachtet Schwope dagegen nicht als klassisches Autounternehmen, sondern als Wette auf die technologische Zukunft. Entscheidend sei nun, ob sich Teslas Technologie beim autonomen Fahren durchsetzt und das Robotergeschäft so vielversprechend sei, wie CEO Elon Musk es darstellt.

Htr35 meint
Technisch ist das seit über 15 Jahren Klar (Ja auch für Lkw).
Leider massiv verzögert über die extremen Fahrzeugpreise duch die Ölindustrie und deren Politik.
M. meint
Machen die „Ölbosse“ nun schon die Autopreise?
eBikerin meint
Kennst du etwa nicht die ganzen Autos von Shell, Aral, Total und wie sie alle heissen?
South meint
Bei sowas.. da kann man ernsthaft von Verwirrung sprechen …
Hihihi, Mi.ke, Mann, das weiß doch jedes Kind, es waren Ausserirdische….
South meint
… und kurz nachgehakt. Da singt die Fachhochschule offenbar gerne das alte Lied von der märchenhaften Technologieoffenheit. Heute weiß man aber schon deutlich mehr. Die Mischplattformen waren zu teuer, die eMobiltiät hat sich nicht nennenswert verzögert und Wasserstoffautos gehen fast nahtlos ins Museum.
In Wahrheit haben eher Hersteller profitiert, welche ihre Kapazitäten schnell auf die Nachfrage eingestellt haben. BMW hat glücklicherweise auf sehr gute marktgängige BEV gesetzt, welche sie auch noch einigermaßen gewinnbringend an den Mann bringen. Nix anderes hat BMW gerettet. Wasserstoff und die Mischplattformen war ein Flop und Verbrenner können nun wirklich alle produzieren. Damit gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr…
South meint
Naja, ich würde sagen, die Branche hat sich verzockt und nach dem Wahlsieg von Trump und den Zöllen auf chinesische BEV eher voreilig wieder auf ne Runde Verbrenner und Hybride gesetzt, was nun angesichts der Ölkrise bei den BEV zu langen Lieferzeiten führt und den Chinesen den Markteinstieg nun deutlich erleichtert, weil die Europäer Probleme haben zu liefern.
Und dass es Mittel- bis Langfristig doch BEV werden, ist ein schon fast kindlich naive Einstellung, denn das wissen wir nun seit einigen Jahren, sogar das wann ist angesichts von 30% BEV eine komische Frage, es geht im Kern nur noch um die Frage, wer diese Fahrzeuge produzieren wird.
Der Rest ist so eine typisch deutsche 100% Tunnelblick. Es spielt keine Rolle wann der letzte Verbrenner zugelassen wird, sondern wann der Markt in Richtung eMobilität umschwenkt und da auch nicht um ein paar Jahre hin oder her. Und der Durchbruch bedeutet, dass kein normaler Hersteller mehr ohne gute eAutos überleben kann und die Verbrenner eher ein kleines Zubrot sein werden. Und da sind die aktuellen Prognosen eher 5 als 10 Jahre. Sprich. Der Zug ist schon abgefahren….
Daniel S meint
Dieser Experte schaut nur zurück. Schade.
Powerwall Thorsten meint
Wie viele Jahre will man noch irgendwelche Experten zu Wort kommen lassen, die dann Dinge beschreiben, die eigentlich mittlerweile weltweit zweifelsfrei geklärt und vom allergrößten Teil der Wissenschaft als Fakt anerkannt ist?
MK meint
@Powerwall Thorsten:
So lange, wie man Geld damit verdienen kann, weil Portale wie ecomento darüber berichten…und die tun das so lange, wie es von Menschen wie Ihnen (und mir) angeklickt wird.