Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) sieht Elektrofahrzeuge zunehmend als aktive Bestandteile eines intelligenten und erneuerbaren Energiesystems. Eine zentrale Rolle spielt dabei das bidirektionale Laden, bei dem Fahrzeugbatterien nicht nur das Auto versorgen, sondern auch Strom aufnehmen und wieder abgeben können. Sie können überschüssige Energie aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen speichern, Lastspitzen reduzieren und Energie an Gebäude oder Stromnetze zurückgeben.
Ralf Petri, Geschäftsführer VDE Mobility und Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, betont die Vernetzung von Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur und Stromsystem. „Der nächste Entwicklungsschritt der Elektromobilität liegt nicht in größeren Batterien, sondern in der intelligenten Vernetzung von Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur und Stromsystem“, so Petri. „Genau hier entstehen neue Mehrwerte für Verbraucher, Unternehmen und die Energiewende.“
Der VDE untersucht die praktische Nutzung dieser Möglichkeiten derzeit in zwei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekten. Im Projekt BiFlex-Industrie werden gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern rückspeisefähige Elektrofahrzeuge an Unternehmensstandorten erprobt. Dabei sollen der Nutzen bidirektionaler Fahrzeugflotten für Unternehmen und das Stromsystem nachgewiesen und Voraussetzungen für neue energiewirtschaftliche Geschäftsmodelle geschaffen werden. Die Abschlusskonferenz des Projekts findet im November statt.
Zwei Forschungsprojekte
Das Projekt PeakSaver befasst sich mit der Nutzung von Fahrzeugdaten für energiewirtschaftliche Prozesse. Entwickelt werden Konzepte, mit denen Mess- und Zustandsdaten von Elektrofahrzeugen standardisiert und sicher für Bilanzierung, Abrechnung sowie die Vermarktung von Flexibilitäten genutzt werden können. Damit sollen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, Elektrofahrzeuge künftig unabhängig vom Ladeort in Energie- und Flexibilitätsmärkte einzubinden.
„Der internationale Wettbewerb wird künftig nicht allein über Batterien und Fahrzeugplattformen entschieden. Ebenso wichtig sind offene Standards, Interoperabilität und die Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem. Wer die Standards von morgen mitgestaltet, gestaltet auch die Märkte von morgen“, sagt Alexander Nollau, Head of Energy & Mobility bei der DKE.
„Deutschland und Europa verfügen über besondere Stärken bei Standardisierung, Interoperabilität und Cybersicherheit. Diese Kompetenzen werden für die nächste Entwicklungsstufe der Elektromobilität entscheidend sein. Nur wenn Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller sicher und zuverlässig mit Ladeinfrastruktur, Gebäuden und Stromnetzen kommunizieren, kann bidirektionales Laden sein volles Potenzial entfalten“, unterstreicht Petri.
Der VDE sieht hier eine wichtige Chance für den Innovations- und Industriestandort Deutschland. Denn im sich verschärfenden internationalen Wettbewerb bei Fahrzeugplattformen und Batterietechnologien gewännen die Integration in das Energiesystem, digitale Schnittstellen und vertrauenswürdige Standards zunehmend an Bedeutung. Elektromobilität, Energiewende und Digitalisierung würden damit immer stärker zusammenwachsen.


Ihre Meinung