Eine Sonderanalyse der Internationalen Energieagentur (IEA), die auf Wunsch der Türkei als Präsident und Australiens als Verhandlungspräsident der UN-Klimakonferenz 2026 (COP31) erstellt wurde, untersucht das Potenzial für eine schnellere Elektrifizierung weltweit. Sie betrachtet Unterschiede nach Sektoren und Regionen sowie Auswirkungen auf Energiesicherheit und Klimaziele, weitere Vorteile und Zielkonflikte.
Die Analyse dient als Grundlage für einen IEA-COP31-Energiedialog in New York, während Länder über ein globales Elektrifizierungsziel von 35 Prozent beraten. Mit heute verfügbaren Technologien und Energiepreisen auf dem Niveau vor dem aktuellen Versorgungsschock könnte Strom laut der Studie bis 2035 kosteneffizient 33 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs decken, nach 23 Prozent heute. Damit läge das diskutierte 35-Prozent-Ziel nach Einschätzung der Analyse „in greifbarer Nähe“. Bei den aktuellen Energiepreisen während der Krise in der Straße von Hormus wäre ein noch größerer Anteil des weltweiten Energieverbrauchs kosteneffizient elektrifizierbar.
Der weltweite Stromverbrauch ist in den vergangenen Jahren schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung und nahezu doppelt so schnell wie die gesamte Energienachfrage. Als Treiber nennt die Analyse Klimaanlagen, Rechenzentren, fortschrittliche Fertigung und Elektroautos. In einem Szenario deutlich beschleunigter Elektrifizierung könnten Brennstoff importierende Länder ihre Energieimportrechnungen bis 2035 um mehr als 400 Milliarden Dollar gegenüber dem Niveau von 2025 senken. Zugleich würden weltweit 18 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger verbraucht als ohne diese Entwicklung, hauptsächlich durch die schnelle Verbreitung von Elektrofahrzeugen.
Elektrifizierung soll Emissionen in zentralen Sektoren senken
Verkehr, Gebäude und Industrie verursachen zusammen mehr als die Hälfte der energiebedingten CO2-Emissionen. Im Szenario schnellerer Elektrifizierung gehen die Emissionen dieser drei Bereiche bis 2035 um 40 Prozent zurück. Dieser Rückgang entspricht internationalen Klimazielen und würde die gesamten energiebedingten CO2-Emissionen unabhängig vom Stromerzeugungsmix auf einen sinkenden Pfad bringen.
Ein schneller Ausbau heimischer emissionsarmer Stromversorgung würde laut den Studienautoren die Vorteile für Energiesicherheit und Emissionen zusätzlich verstärken, während Elektrifizierung auch die internationalen Ziele zur Verdopplung der Verbesserungsrate bei der Energieeffizienz und zur Verdreifachung der gesamten Kapazität erneuerbarer Energien unterstützt.
Während der diesjährigen Krise in der Straße von Hormus, die als zweiter großer Energieschock innerhalb von fünf Jahren bezeichnet wird, wächst die Dynamik bei wichtigen elektrischen Technologien. Kosteneffiziente Möglichkeiten für höhere Elektrifizierungsraten bestehen der Studie zufolge in allen Regionen, unterscheiden sich aber nach Ländern. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern gehören elektrische Wasserpumpen in der Landwirtschaft, elektrische Zwei- und Dreiräder sowie eine stärkere Stromnutzung kleiner Unternehmen in Bereichen wie Lebensmittel und Textilien dazu.
Für die Umsetzung sind laut den Analysten zusätzliche Investitionen in Stromerzeugung und Netze sowie intelligentere und flexiblere Stromsysteme erforderlich. Zugleich werden konzentrierte Lieferketten, Cybersicherheitsrisiken, Naturkatastrophen und Klimagefahren als Risiken für die Stromversorgung genannt. Zudem sollen politische Entscheidungsträger einigen Haushalten und Unternehmen helfen, die anfänglichen Kosten zu bewältigen, damit die Vorteile der Elektrifizierung breiter geteilt werden.

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