Elektroautofahrer in Deutschland können ab dem 1. April durch flexible Stromtarife und variable Netzentgelte erheblich sparen. Indem sie ihr Fahrzeug in günstigen Stunden laden – etwa bei hoher Solar- oder Windenergieproduktion –, profitieren sie von niedrigeren Strompreisen. Eine Studie der Energieberatung Neon zeigt am Beispiel eines VW ID.3 Pure mit 44-kWh-Batterie, dass dadurch jährliche Einsparungen von bis zu 156 Euro möglich sind.
Zusätzlich zu den variablen Strompreisen werden auch die Netzentgelte flexibler. Beispielhaft rechnet die Studie hier für den Großraum Berlin und dem VW ID.3 mit einem Einsparpotenzial von 99 Euro im Jahr. Der Kostenvorteil wächst mit der Zahl der gefahrenen Kilometer. Wie hoch die Ersparnis ausfällt, hängt auch vom Wohnort ab – die Verteilnetzbetreiber legen eigene Tarifstufen und Zeitfenster fest.
Insgesamt können Elektroautofahrer durch die Nutzung dynamischer Stromtarife laut der Studie die jährlichen Energiekosten um bis zu 47 Prozent senken. Kombiniert mit variablen Netzentgelten könne die Ersparnis sogar 84 Prozent betragen. Allerdings sind technische Voraussetzungen nötig: Ein sogenannter „Smart Meter“ (100–300 Euro plus jährliche Gebühren), also ein intelligenter Stromzähler, und eine netzwerkfähige Wallbox (500–1.500 Euro) sind erforderlich.
Die einmaligen Kosten für die notwendige Ausstattung betragen zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Förderprogramme können die Ausgaben teilweise abfedern. Die Kosten für die Hardware werden in den Berechnungen von Neon nicht berücksichtigt.
Hardwarehersteller fordern weitere Erleichterungen, damit sich die Investitionen schneller lohnen. Die Netzentgelte sollten noch dynamischer und an die tatsächliche Netzauslastung gekoppelt werden, so Jan Rabe von Rabot Energy gegenüber dem Handelsblatt. Das würde Strom günstiger und klimafreundlicher machen. Zudem müsse die Digitalisierung der Energiewende vorangetrieben werden.
Elektroautos mit bidirektionalem Laden könnten zudem als Stromspeicher dienen, indem sie Energie aufnehmen, wenn sie günstig ist, und zurück ins Netz speisen, wenn sie teuer wird. Dadurch könnten Besitzer sogar Geld verdienen. Dies wäre ein weiterer Anreiz für den Umstieg auf Elektromobilität, sagte Studienautor Lion Hirth.


Monica meint
Im Schnitt fährt so ein Auto ja bekanntlich 40 KM am Tag und ein BEV verbraucht…. sagen wir mal einfach so 20 kWh auf Hundert. Boey, das jetzt mal 10 Mio. E Autos würden bei diesem avisierten Beispiel mitmachen… das wären ja, warte mal. Fast dreihundertrillionentausend Mrd. Euro.
Ich versuch ja ganz einfach, dann zu laden, wenn es hell oder gar sonnig ist. Weil da flattert der Strom recht wenig im Netz und dann müssen wir den Österreichern auch nicht zwingend Geld bezahlen, damit die mit unserem tollen Sonnenstrom nehmen dürfen/müssen, um ihre Staubecken zu füllen um uns denn dann abends wieder als Ökostrom zu verkaufen.
Gernot meint
Es gibt eine ganz Reihe an Hürden rund um die variablen Netzentgelte. U.a. sind die technischen Hürden hoch. Das nächste Problem: Wir haben 866 Verteilnetzbetreiber. Jeder VNB legt sein eigenes Modell für die variablen Netzentgelte fest. Vorgaben der Bundesnetzagentur sind nur:
1. Es muss 3 Netztarife geben (Hoch-, Standard-, Niedriglast)
2. Die 3 Netztarife muss es täglich geben
3. Die täglichen Zeitfenster für die 3 Tarife und die Höhe der 3 Tarife werden für ein Kalenderjahr fixiert.
4. variable Netztarife müssen mindestens 2 Quartale im Jahr gelten.
Dem täglichen Niedrigtarif mit stark reduzierten Netzentgelten steht also auch ein Zeitfenster mit täglichem Hochtarif gegenüber, in dem man deutlich mehr als die normalen Netzentgelte bezahlt.
Größtes Problem ist, dass die Netzentgelte immer nur 1 Kalenderjahr gelten. Konkret: der VNB hier bietet nur in den beiden Winterquartalen zeitvariable Netzentgelten. In den beiden Winterquartalen sinkt das Netzentgelt nachts für jeweils 7 Stunden von 11,1 Cent/kWh auf 1,1 Cent/kWh. Im Sommer nicht. Das ist hochinteressant für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen u.ä. Aber nächstes Jahr kann sich der VNB ein komplett neues Modell ausdenken, z.b. nur in den beiden Sommerquartalen zeitvariable Netzentgelte anbieten, was für Wärmepumpe/Heizungen dann völlig irrelevant ist. Nur ein Jahr Planungssicherheit reicht nicht, um irgendeine Investitionsentscheidung zu treffen, denn natürlich amortisiert sich das in einem Jahr nicht.
Steffen meint
Kann man ja wechseln wenn sich der Tarif ändert. Da jeder Anbieter so was anbieten muss, wird man ja sicher auch einen neuen Anbieter finden.
Ich wechsle schon mit normalem Stromtarif jedes Jahr (gerade erst zum 1. April aktuell).
Dagobert meint
Den Verteilnetzbetreiber wechselt man, im Gegensatz zum Stromanbieter, nur durch einen Umzug…
Merlin meint
Für die Mehrkosten kann ich aber viel Tanken…
Horst Krug meint
Ein ehemaliger Arbeitskollege bezahlt exakt 2.700€ mehr Kfz-Steuern Audi Q3 (deutsch Diesel mit AdBlue zum nachfüllen) wie ich mit meinem Tesla Model 3 (buchhalterisch exakt ausgerechnet) in den nächsten 10 Jahren.
Donald meint
„jährliche Einsparungen von bis zu 156 Euro möglich sind“
Ob das der heutige Aprilscherz hier ist?
Lanzu meint
Nein, das ist kein Aprilscherz.
ZastaCrocket meint
In meinem Netz beträgt die Ersparnis bei variablen Netzentgelten von 0:00 bis 6.30 5,1 ct/kWh. Bei uns kommen pro Nacht schon einmal bis zu 100 kWh beim Laden der Autos zusammen. Das wären dann 5,10€ Netzentgeltersparnis in einer Nacht. Es ist schon ein Unterschied, ob man für 100kWh 15€(15ct/kWh) bezahlt oder aber 35€(35ct/kWh) bezahlt.
brainDotExe meint
Bei Westnetz sind es ca. 10 Cent/kWh Ersparnis. Kombiniert mit einem variablen Stromtarif landet man in dem Zeitfenster bei insgesamt ca. 9 Cent/kWh.
Gar nicht so schlecht, für den Winter, wenn die PV Anlage nicht genug bringt sehr interessant.