Der chinesische Akku-Riese CATL und der europäische Autokonzern Stellantis haben mit der Errichtung ihres vor knapp einem Jahr angekündigten Werks für Batteriezellen und -module mit Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) begonnen. Beim Bau der Anlage in Spanien helfen rund 2.000 CATL-Arbeiter aus China.
CATL und Stellantis haben 4,1 Milliarden Euro an Investitionen in Aussicht gestellt. Das spanische LFP-Werk entsteht in Figueruelas bei Saragossa. Wie Reuters berichtet, hat der Bau nun begonnen. „Rund 2.000 chinesische Arbeiter werden bei der Konstruktion der Anlage helfen, später sollen 3.000 spanische Mitarbeiter eingestellt und geschult werden“, schreibt die Nachrichtenagentur. Letztere Zahl entspricht den 3.000 direkten Arbeitsplätzen, die das Projekt schaffen soll.
„Wir kennen diese Technologie, diese Komponenten nicht – wir haben sie noch nie zuvor hergestellt“, wird David Romeral, Generaldirektor von CAAR Aragon, einem Netzwerk von Automobilunternehmen in Aragonien, zitiert. „Sie sind uns Jahre voraus. Wir können nur zusehen und lernen.“ José Juan Arceiz, Generalsekretär der Gewerkschaft UGT in Aragonien: „Sie sind diejenigen, die wissen, wie man eine Gigafabrik baut.“ Die Gewerkschaften warteten auf die Qualifikationsanforderungen von CATL, um mit der örtlichen Universität Schulungsprogramme aufzulegen.
Stellantis und CATL organisieren den Bau und Betrieb der Fabrik in Spanien mit einem 50:50-Joint-Venture. Der Standort liegt neben dem vorhandenen Stellantis-Fahrzeugwerk in Saragossa. Das Projekt wird mit über 300 Millionen Euro aus EU-Mitteln gefördert. Die Bauarbeiten sollen im März 2028 mit einer Jahreskapazität von 50 GWh abgeschlossen werden. Wann die Produktion beginnen wird, ist noch unklar.
Dass Stellantis nach einem Standort für eine europäische Batteriezellfabrik außerhalb des Joint Ventures mit Mercedes-Benz und TotalEnergies Automotive Cells Company (ACC) sucht, ist schon seit knapp zwei Jahren bekannt. Das dürfte auch daran liegen, dass es bei ACC nicht rund läuft. In Spanien betreibt Stellantis bereits drei Fahrzeugwerke (Madrid, Vigo und Saragossa). CATL ist seinerseits schon mit zwei Werken in Deutschland und Ungarn präsent.

Jeff Healey meint
Stellantis ist sehr spät dran mit LFP, aber kein Einzelfall unter den großen Autoherstellern. Moderne LFP Zellen aus einem europäischen Werk sind derzeit wohl nur mit Hilfe von einem der Marktführer aus China möglich, in dem Fall CATL.
Diese Kooperation ist ein Glück für Stellantis.
Future meint
Nach den enttäuschenden Erfahrungen von Stellantis mit ACC ist es bestimmt erfolgversprechender, wenn man sich mit den Profis von CATL zusammentut. VW macht ja ähnliches mit Gotion. Woher sollen denn die vielen Experten bei den Zellen auch sonst herkommen. Man kann sich die nicht einfach backen, siehe Northvolt.
Gregor Waske meint
In der Entstehungsphase des CATL-Werks in Arnstadt bei Erfurt waren ebenfalls zahlreiche Chinesen direkt vor Ort beteiligt, aber nicht 2000.
Das Werk ist ja nun seit einiger Zeit schon in Betrieb. Wie viele chinesische Arbeitskräfte dort quasi dauerhaft beschäftigt sind (oder etwa in Rotationsverfahren mit der Heimat), entzieht sich meiner Kenntnis.
CaptainPicard meint
Als vor zwei Jahrzehnten europäische Hersteller Fabriken in China aufgebaut haben, wurden da auch tausende Europäer eingeflogen um die dort zu bauen?
E.Korsar meint
Nein, die chinesische Bauindustrie war bereits damals riesig, die Lohnkosten waren im Vergleich zu Europa extrem niedrig, und die lokalen Unternehmen kannten die Bauvorschriften und Genehmigungsverfahren am besten.
Peter meint
Es könnte eventuell einen klitzekleinen Unterschied geben zwischen dem KnowHow für den Hallenbau und dem KnowHow für den Anlagenbau, die Anlagen-Inbetriebnahme und den Produktionshochlauf.