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Milence: Elektro-Lkw brauchen einheitlichere Rahmenbedingungen für den Durchbruch

01.04.2026 in Politik, Studien & Umfragen, Transport von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Milence-Elektro-Lkw-Volvo-laedt

Bild: Milence

Der Umstieg auf schwere elektrische Nutzfahrzeuge (eHDVs) gewinnt europaweit an Dynamik. Doch unterschiedliche politische Rahmenbedingungen und Marktgegebenheiten drohen die großflächige Einführung auszubremsen. Als Betreiber des eigenen Angaben zufolge größten öffentlichen Schnellladenetzes für schwere Nutzfahrzeuge in Europa bewertet Milence die Marktreife. Das Papier soll aufzeigen, welche Schritte nötig sind, um den Wandel hin zu emissionsfreiem Straßengüterverkehr zu beschleunigen.

Milence ist ein Joint Venture, das Mitte 2022 von den drei großen Nutzfahrzeugherstellern Daimler Truck, Traton Group – zu der Volkswagentochter gehören MAN und Scania – sowie der Volvo Group gegründet wurde.

Die jüngste Energiekrise hat laut den Autoren des Milence-Reports deutlich gemacht, welche strukturellen Risiken Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen birgt. Schwankende Öl- und Gaspreise hätten die Betriebskosten für Lkw um 9 bis 11 Cent pro Kilometer in die Höhe getrieben und für erhebliche Planungsunsicherheit bei Flottenbetreibern gesorgt.

Die Elektrifizierung biete hier einen klaren Ausweg. Sie könne nicht nur Kosten senken, sondern auch Europas Energiesicherheit stärken und für widerstandsfähigere Lieferketten sorgen. Voraussetzung dafür sei allerdings ein zügiger Ausbau sowohl der Fahrzeugflotten als auch der Ladeinfrastruktur.

Das Whitepaper „Elektrifizierung des europäischen Straßengüterverkehrs. Marktstatus, Rahmenbedingungen und der Weg nach vorne“ untersucht 14 europäische Länder und bewertet die entscheidenden Faktoren für die Verbreitung von Elektro-Lkw. Das Ergebnis: Vorreiterländer wie die Schweiz, Dänemark und die Niederlande haben die Pilotphase bereits hinter sich gelassen – viele andere stehen dagegen noch ganz am Anfang.

„Erste Marktdynamik – aber noch weit entfernt von der Skalierung“

Die Analyse bestätigt: Elektro-Lkw kommen zunehmend im Realbetrieb zum Einsatz. Erste Anwender belegen in immer mehr Einsatzszenarien, dass die Fahrzeuge zuverlässig und wirtschaftlich arbeiten.

Dennoch hat sich in Europa noch keine sich selbsttragende Dynamik entwickelt, bei der sich Fahrzeugabsatz, Infrastrukturausbau und Kostensenkungen gegenseitig verstärken. Die Verbreitung bleibt ungleichmäßig, zwischen den einzelnen Märkten bestehen teils erhebliche Unterschiede.

„Der politische Rahmen entscheidet über den Markterfolg“

Das Papier macht deutlich: Der Markterfolg hängt maßgeblich davon ab, ob ein schlüssiger politischer Rahmen vorhanden ist – mit mehreren aufeinander abgestimmten Maßnahmen statt einzelner Instrumente.

Als entscheidende Hebel erweisen sich:

  • Günstige Energiepreisstrukturen, bei denen Stromkosten– beeinflusst durch Steuern, Netzentgelte und Abgaben – mit Dieselpreisen mithalten können
  • CO2-differenzierte Maut: Sie verschafft Elektro-Lkw einen sofortigen und spürbaren Betriebskostenvorteil
  • Langfristige Kaufprämien und Finanzierungshilfen: Sie federn die höheren Anschaffungskosten ab
  • Zuverlässige, Lkw-Ladeinfrastruktur entlang der wichtigsten Güterverkehrskorridore

Hinzu kommen neue Instrumente wie handelbare Erneuerbare-Energien-Zertifikate im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), die den wirtschaftlichen Vorteil von Elektro-Lkw weiter stärken können. Auch wenn Umsetzung und Wertigkeit derzeit von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat stark schwanken.

„Das Bild ist eindeutig: Länder, die diese Elemente bündeln, verzeichnen bereits eine deutlich stärkere Marktdurchdringung. Wo ein konsistenter Maßnahmenmix fehlt, hinkt die Entwicklung hinterher“, so die Analyse.

„Ladeinfrastruktur wächst – doch Lücken bleiben“

Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur kommt gut voran: Entlang wichtiger Güterverkehrskorridore stehen der Auswertung zufolge bereits knapp 1800 Lkw-geeignete Ladepunkte zur Verfügung. Milence betreibt aktuell 33 Ladeparks mit insgesamt 221 Ladepunkten in acht europäischen Ländern.

Allerdings verläuft der Ausbau nach wie vor ungleichmäßig. Für eine großflächige Elektrifizierung muss das Tempo weiter steigen – „unterstützt durch gezielte Finanzierung und schlankere Genehmigungsverfahren“, so die Studie.

„Gesamtbetriebskosten werden in wichtigen Märkten zunehmend wettbewerbsfähig“

Eine detaillierte Analyse für Deutschland, die Niederlande und Schweden zeigt: Die Gesamtbetriebskosten (TCO) von Elektro-Lkw nähern sich dem Dieselniveau – und unterschreiten es teilweise bereits.

In den Niederlanden sind schwere elektrische Nutzfahrzeuge demnach in mehreren Einsatzszenarien schon heute die günstigere Wahl. In Deutschland sorgen vollständige Mautbefreiungen für starke und verlässliche wirtschaftliche Anreize. In Schweden begünstigen niedrige Strompreise die Elektrifizierung, doch im Fernverkehr fehlen noch ergänzende betriebliche Anreize.

„Mit Blick nach vorn wird das EU-Emissionshandelssystem ETS II den Business Case für Elektro-Lkw weiter verbessern, da fossile Kraftstoffe dadurch teurer werden“, erklären die Studienautoren.

„Die Lücke schließen: Was funktioniert, muss europaweit skaliert werden“

Europa hat laut den Analysen kein Technologieproblem, sondern ein Politikproblem. Vorreitermärkte hätten längst bewiesen, dass Elektro-Lkw unter den richtigen Bedingungen wirtschaftlich tragfähig sind. Vielen anderen Mitgliedstaaten fehle jedoch nach wie vor ein schlüssiger politischer Rahmen. Fehlende Mautdifferenzierung, geringe finanzielle Unterstützung und schleppender Infrastrukturausbau bremsten die Verbreitung.

„Was die führenden Märkte auszeichnet, ist das Zusammenspiel aus nachfrageseitigen Anreizen, klaren Betriebskostenvorteilen und verlässlicher Ladeinfrastruktur“, heißt es. „Genau diesen bewährten Maßnahmenmix gilt es jetzt europaweit auszurollen. Ohne zügige Angleichung droht eine Verkehrswende mit mehreren Geschwindigkeiten – mit negativen Folgen für den grenzüberschreitenden Güterverkehr und die Klimaziele. Der Weg ist klar vorgezeichnet: Was in den Vorreitermärkten funktioniert, muss auf ganz Europa übertragen werden, um einen echten europäischen Markt für elektrischen Güterverkehr zu schaffen.“

„Elektrischer Güterverkehr ist nicht nur ein Schlüssel zur Dekarbonisierung des Transportsektors – er ist auch eine strategische Säule der europäischen Energiewende und Energieunabhängigkeit“, sagt Anja van Niersen, CEO von Milence. „Diesen Markt jetzt hochzufahren heißt: weniger Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, mehr Resilienz, mehr Wettbewerbsfähigkeit. Die Technologie steht bereit, der Business Case zeichnet sich ab, die Infrastruktur entsteht. Jetzt kommt es auf Tempo und Konsequenz in der Politik an – in allen Mitgliedstaaten.“

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Via: Milence
Tags: Emissionen, Lkw, NachhaltigkeitUnternehmen: Milence
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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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