Die Europäische Union hat die CO2-Vorgaben für Lkw-Hersteller gelockert. Die Anpassungen sind mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft getreten. Sie betreffen die Berechnung von Emissionsgutschriften für schwere Nutzfahrzeuge in den Berichtszeiträumen 2025 bis 2029.
Nach EU-Recht müssen Hersteller die Emissionen neuer Lkw gegenüber 2019 bis 2025 um 15 Prozent, bis 2030 um 45 Prozent, bis 2035 um 65 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent senken. Diese Etappenziele bleiben bestehen, berichtet das Portal Electrive. Hersteller versuchen die Vorgaben durch mehr Elektro-Lkw und Verbrauchseinsparungen bei Verbrennern zu erreichen.
Geändert wird die Flexibilität zwischen den Zieljahren. Für 2026 bis 2029 gilt nun weiterhin das Ziel von 2025, also eine CO2-Reduktion von 15 Prozent bei Neuzulassungen. Der bisher vorgesehene jährliche Anstieg entlang einer linearen Kurve entfällt. Erreicht ein Hersteller 2027 etwa 22 Prozent CO2-Reduktion, kann er nach der neuen Regel „Credits“ sammeln, weil er 7 Prozentpunkte über dem bis 2029 starren Zielwert von 15 Prozent liegt. Diese Credits können zur Milderung der 45-Prozent-Stufe ab 2030 genutzt werden und helfen, Strafzahlungen zu vermeiden.
Die EU-Kommission begründet die Abmilderung mit Verzögerungen beim Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge entlang der Autobahnen. Damit erklärt sie eine vermeintliche Kaufzurückhaltung der Kunden bei E-Lkw.
Das International Council on Clean Transportation (ICCT) kritisiert die Entscheidung. Die Umweltforschungsorganisation prognostiziert, dass in den nächsten zehn Jahren rund 200.000 Elektro-Lkw weniger in der EU zugelassen werden könnten als bisher erwartet. Der Marktanteil von E-Lkw an den Neuzulassungen 2030 könnte statt 32 nur 16 Prozent betragen.
Das ICCT sieht auch über 2030 hinaus Auswirkungen, weil Credits in spätere Jahre mitgenommen werden können. Eamonn Mullholland, Lkw-Experte des ICCT, nennt den Schritt „besorgniserregend“ und sagt: „Weniger Null-Emissions-Lkw zur Auswahl zu haben, führt zu unserer anhaltenden Ölabhängigkeit.“

MK meint
Aktuell ist es doch so, dass Elektro-LKW beim Kauf deutlich teurer sind als Verbrenner und sich erst über geringere Betriebskosten rechnen.
Eigentlich müssten die Hersteller daher doch alles tun, möglichst schnell möglichst viele Elektro-LKW auf die Straße zu bringen, haben die doch das Potential, den Umsatz der Hersteller locker zu verdoppeln.
EV1 meint
Alleine schon der Wegfall der Maut für E-LKWs bis 2031 gleicht den Mehrpreis aus, sofern die LKW vorzugsweise auf Mautstraßen bewegt werden.
Dirk meint
Die Dummheit hat mal wieder gesiegt. Wer gewinnt sind die Ölfirmen.
Allerdings gewinnt vermutlich trotzdem die Marktwirtschaft, denn wenn die Ölpreise weiterhin so hoch bleiben wechseln die Betriebe freiwillig zu E-LKW, weil die sich rechnen.
Futureman meint
Lediglich 1% der Rüstungsinvestitionen pro Land in Ladeinfrastruktur gesteckt und dadurch wären in Zukunft 50% aller Kriege um Öl zu verhindern. Effektiver geht es doch gar nicht. Leider gibt es anscheinend genug „Fördergelder“ aus der fossilen Industrie, um solche Konzepte nicht zum Zuge kommen zu lassen.
MK meint
@Futureman:
Wie heißt es so schön: Wer von einem Milliardengewinn 100 Millionen für Lobbyarbeit ausgibt, hat immer noch einen Milliardengewinn. Und man ist mit dieser Lobbyarbeit ja sehr erfolgreich: Während die Energiesteuer für Benzin und Diesel in Deutschland aktuell stark gesenkt worden ist, muss sie von Elektro-PKW/-LKW-Fahrern weiterhin in voller Höhe bezahlt werden.