Netze BW hat das Innovationsprojekt „FlexCharge BW – NETZlabor E-Lkw“ gestartet. Ziel des Vorhabens ist es, Einblicke zu gewinnen, wie große Elektro-Lkw-Flotten optimal in das Verteilnetz integriert werden können. Dabei soll untersucht werden, wie die Integration von entsprechenden Nutzfahrzeugen an neuralgischen Punkten die Netzbelastung beeinflusst.
Die praktische Erprobung findet seit Kurzem bei zwei Logistikpartnern aus Baden-Württemberg statt: der Spedition Stickel aus Nagold und Logistik Schmitt aus Buchtigheim. An einem Depot der Spedition Stickel sowie an drei Betriebshöfen von Logistik Schmitt sind insgesamt 20 Schnellladepunkte für Nutzfahrzeuge und 40 E-Lkw am Feldtest beteiligt. Das Projekt läuft nach aktuellem Stand bis Dezember 2026.
Das Reallabor soll die Schnittstellen zwischen Logistik- und Energiemanagement untersuchen. Da die Auslastung des Verteilnetzes im Tages- und Jahresverlauf schwankt, bietet sich das Potenzial für netzorientiertes Laden an. Dabei werden Ladeleistung und Ladezeitpunkte an die lokale Netzsituation angepasst. In Zeiten hoher verfügbarer Netzkapazität oder hoher lokaler Einspeisung, etwa durch Photovoltaik, kann mehr geladen werden. Bei hoher Netzlast wird die Leistung reduziert.
Für die beiden Logistikpartner des Projekts werden dynamische Ladefahrpläne entwickelt. Der Netzbetreiber stellt Informationen zur Netzsituation bereit, während das Energiemanagement am Standort diese Vorgaben in konkrete Ladepläne für die Elektrofahrzeuge übersetzt. Zudem sollen innovative Lösungen für einen schnelleren Netzanschluss erprobt werden, da hohe Anmeldeleistungen oft erst nach aufwendigem Netzausbau bereitgestellt werden können.
Freie Netzkapazitäten gezielt nutzen
„An Logistikdepots und entlang der Autobahnen werden in kurzer Zeit sehr hohe Energiemengen benötigt. Der Netzausbau hierfür ist möglich, aber zeit- und ressourcenintensiv“, zitiert das Portal Electrive den technischen Geschäftsführer der Netze BW Martin Konermann. Kurzfristig freie Netzkapazitäten schaffen gehe schneller. Netzorientiertes Laden soll Zeitfenster mit freien Kapazitäten nutzbar machen, um zusätzliche Leistung bereits vor Abschluss eines Netzausbaus zu ermöglichen.
Die Logistikpartner beteiligen sich an der analytischen Untersuchung der netzorientierten Lademöglichkeiten. Aktuell ist ein solches Vorgehen noch nicht Stand der Technik, da den Logistikunternehmen Informationen zur Netzauslastung fehlen und die Netzbetreiber die logistischen Abläufe nicht kennen.
Bei Logistik Schmitt liegt ein Schwerpunkt auf dem Management über mehrere Depots hinweg. Der Betrieb aus Bietigheim betreibt mittlerweile rund 50 batterieelektrische Trucks. Bei der Spedition Stickel stehen das netzorientierte Laden und die Verbindung mit dynamischen Tarifen im Fokus. Aktuell sind dort zehn E-Lkw im Einsatz, ein weiterer folgt im Sommer. Am Standort in Nagold werden acht Ladepunkte genutzt, zudem wird ein stationärer Speicher installiert. „Wir haben nur relativ wenig Fernverkehr. Deswegen bietet sich das Depotladen bei Lkw gut an“, erklärt Stickel-Geschäftsführer Christian Stickel.
Laut Projektleiterin Kathrin Walz sollen in dem neuen Reallabor auch innovative Lösungen für einen schnelleren Netzanschluss erprobt werden. „Für Industrie und Logistik ist die Elektrifizierung von Lkw anspruchsvoll, weil die dafür benötigten hohen Anmeldeleistungen oft erst nach aufwendigem Netzausbau bereitgestellt werden können.“
Die praktischen Erfahrungen des Projekts sollen durch Datenanalysen und Simulationen ergänzt werden, um Potenziale zu bewerten und Ergebnisse auf weitere Standorte zu übertragen. Die beiden beteiligten Logistikunternehmen sehen in der Zusammenarbeit mit den Netze BW einen Vorteil für ihre Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung vorteilhafter Übereinkünfte mit Netzbetreibern.

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