Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) arbeitet an einem weltweit gültigen Regelwerk für den Umbau von Verbrennern auf Elektroantrieb. Eine Arbeitsgruppe unter dem Weltforum für Fahrzeugvorschriften soll bis 2027 harmonisierte Vorschriften entwickeln, berichtet das Portal Heise.de. Diese sollen Mindestanforderungen für Umrüstkits festlegen, Leistungsanforderungen für umgebaute Fahrzeuge definieren und den Einsatz standardisierter, in den teilnehmenden Ländern anerkannter Kits ermöglichen.
Die Arbeitsgruppe deckt alle Fahrzeugkategorien ab, vom Zweirad bis zum Lkw. Geleitet wird sie von Frankreich und Spanien, unterstützt durch Schweden, Deutschland, Großbritannien, Japan und die Europäische Kommission. Die Regelungen der UNECE werden von 64 Vertragsstaaten anerkannt, darunter die gesamte EU, Großbritannien, Japan und Südkorea.
Ein aktueller Entwurf sieht dem Bericht zufolge vor, dass nur autorisierte Installateure Umbauten durchführen dürfen. Wer in der eigenen Garage schraubt, bliebe damit vorerst weiterhin auf die nationale Einzelabnahme angewiesen. Ob auch Tüftler und Selbstumrüster von einem künftigen Regelwerk profitieren werden, ist noch offen. Das nächste Treffen der UNECE-Arbeitsgruppe soll in Kürze stattfinden.
Bisher steht man in Deutschland vor einer teuren Einzelabnahme, während in den meisten anderen Ländern ein regulatorischer Rahmen fehlt. Frankreich hat 2020 ein eigenes, standardisiertes Zulassungsverfahren für Umrüstkits eingeführt, doch der Durchbruch blieb in der Praxis bisher aus. In Deutschland sind Unternehmen gescheitert, die den serienmäßigen Umbau versucht haben.
Der Bedarf für Retrofit ist groß, laut Heise.de sind weltweit rund 1,4 Milliarden Pkw unterwegs, die meisten davon mit Verbrennungsmotor. Selbst bei einem sofortigen Verkaufsstopp von Verbrennern bliebe der bestehende Fuhrpark über Jahrzehnte auf der Straße. Ein Umbau könnte helfen, diesen Bestand schneller zu dekarbonisieren.
Die französische Umweltbehörde ADEME hat 2021 errechnet, dass ein umgerüsteter Kleinwagen über seine Restlebensdauer 66 Prozent weniger CO₂ verursacht als ein weiter betriebener Diesel und sogar 47 Prozent weniger als ein fabrikneuer Stromer, da die Produktion einer neuen Karosserie entfällt.
Eine Kosten-Nutzen-Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt zudem wirtschaftliche Potenziale: Bei Kosten von 12.000 bis 15.000 Euro und einer Jahresfahrleistung von 14.000 Kilometern amortisiert sich demnach die Investition nach etwa sieben Jahren.

brainDotExe meint
Sehr interessant für Oldtimer, bei denen nicht der Motor das faszinierende an dem Auto ist.
Einen VW Käfer oder noch besser Opel GT zum Beispiel.
Die werden in der Regel nur Sonntags ab und zu mal rausgeholt, hier würde der Umbau Sinn machen, da ein deutliches Plus an Leistung machbar ist und dem elektrischen Antriebsstrang die lange Standzeit und geringe Nutzung nicht viel ausmacht.
M. meint
Für die wirklich teuren Fahrzeuge geht das heute schon, eben weil genug Geld für das Hobby dahintersteht. Aber für die 08/15 Bestandsfahrzeuge wie einen 5er Golf, Astra, Peugeot 207, da gibt es wirtschaftlich nichts.
Dabei wäre das genau der Hebel: Motorschaden, Getriebeschaden, Turbolader futsch? Das geht selbst bei diesen Altfahrzeugen schnell ins Geld, aber die Alternative „Neuwagen“ ist oft keine. Also wird rumgebastelt, Jahr für Jahr… dort einen Standardbausatz, der in jeden Fronttriebler ohne große Umbauten passt, damit könnte sich die Werkstattsbranche über Jahre beschäftigen.
Aber so einen Bausatz muss man mit realistischer Absatzchance entwickeln. Das geht wie immer nur über Stückzahlen.
Future meint
Schon wieder Frankreich und Spanien. Gestern waren es Frankreich und Spanien, die gegen diese deutsche Verhinderungspolitik beim Verbrenneraus auf europäischer Ebene etwas unternehmen wollen. Das gefällt mir sehr gut, was es da für politsich Initiativen aus Frankreich und Spanien gibt. Die deutsche Regierung muss dann nur noch tun, was die Mehrheit beschlossen hat. Vielleicht gefällt das sogar der deutschen Regierung, weil man ja sagen kann, dass man eben machen muss, was die Mehrheit will.
Paule meint
Die Spanier sollten einfach mal anfangen, BEVs zu kaufen. Aber ohne Lärm geht hier nichts.
LMdeB meint
„Der Bedarf für Retrofit ist groß,… weltweit rund 1,4 Milliarden Pkw“
Das Potential ist ggf. groß, aber nicht der Bedarf. Den definiert jeder am besten für sich selbst.
M. meint
Sehr wichtiger Punkt.
Es heißt ja immer, dass wir noch lange auf fossile Brennstoffe setzen müssen, weil die ganzen Verbrennerautos nicht einfach verschwinden. Die werden aber aufwändig instand gehalten, inkl. der alten Verbrennungsmotoren, weil das immer noch billiger ist als ein neues Auto, und die E-Umbauen sind aktuell oft nicht rentabel.
Mit einem pragmatisch gemachtem Regelwerk kann die Umrüstung aber vereinfacht werden. Der technische Aufwand hält sich oft in Grenzen, aber die Abnahme ist nicht einheitlich geregelt, was den Umbau zu einem riskanten und teuren Unterfangen macht.
Ist das erstmal regelt, können Unternehmen standardisierte Umbausätze anbieten, die dann auch deutlich preisgünstiger wären als die handmade-Umbauten, die es heute gibt.
Passende Verbrenner, die irgendwann vor teuren Motorreparaturen stehen, gibt es bestimmt genug. Wenn der E-Umbau dann nicht viel teurer ist, werden manche umdenken, die keine große Reichweite brauchen und einfachen Zugang zu Lademöglichkeiten haben.