Der chinesische Stromer-Riese BYD hat seine Expansionspläne in Europa angepasst. Wie Vizechefin Stella Li im Gespräch mit Reuters mitteilte, wurde der Bau eines Pkw-Montagewerks im türkischen Manisa auf Eis gelegt. Das Projekt, das im Sommer 2024 angekündigt wurde und eine Investition von rund einer Milliarde US-Dollar vorsah, hat derzeit keinen festen Zeitplan für den Produktionsbeginn mehr.
Stattdessen konzentriert sich der Konzern auf die Erweiterung seiner Kapazitäten in Ungarn. Dort werden bereits seit 2017 E-Busse in Komárom produziert, ergänzt durch Batterie-Montagewerke in Fót und Páty. Die Installation der Anlagen im Werk Szeged dauert an, weshalb der Produktionsstart für Elektroautos dort erst für das vierte Quartal 2026 erwartet wird.
Für die weitere Strategie in Europa sucht BYD nach einem zweiten Produktionsstandort. „Ungarn hat derzeit oberste Priorität“, erklärte Li gegenüber Reuters. An zweiter Stelle stehe die Suche nach einem zusätzlichen Produktionsstandort in Europa. Dabei prüft das Unternehmen die Übernahme eines bereits bestehenden Werks in Südeuropa, anstatt eine neue Fabrik zu errichten. „Wir würden es vorziehen, ein bestehendes Werk zu übernehmen“, sagte Stella Li bei einem Pressetermin in Berlin. Ein möglicher Standort für diese Produktion könnte Spanien sein.
BYD baut eine europäische Produktion auf, um die hohen Zölle der EU auf in China hergestellte Elektroautos abzufedern. Die Türkei unterhält eine Zollunion mit der EU, womit sie sich als Standort eignet. BYD könnte aber wegen der angekündigten „Made in EU“-Regeln auf Abstand gehen. Diese sehen einen hohen Wertschöpfungsgrad innerhalb der Europäischen Union für Fahrzeuge vor, die von öffentlichen Stellen beschafft oder gefördert werden.

Jörg2 meint
Vor Jahrzehnten war es so:
Westliche Hersteller haben in China (und für China) ihre Produkte bauen lassen.
Herrscher über die Technologie -> westliche Hersteller
Werkbank -> China
Die westlichen Hersteller haben sich dabei eine goldene Nase verdient.
Nun entwickelt es sich in die Richtung:
Chinesische Hersteller bauen (lassen bauen) ihre Produkte für Europa in Europa.
Herrscher über die Technologie -> die chinesischen Hersteller
Werkbank und Kunden der chinesischen Technologie -> die westlichen Hersteller
Wer wird sich hierbei eine goldene Nase verdienen?
Futureman meint
Dann scheint es wohl doch schon konkretere Gespräche über Fabrikübernahmen geben. Da kann man gespannt sein, ob es was aus dem Stellantiskonzern oder ein altes defizitäres VW-Werk ist. Auf jeden Fall anscheinend besser und schneller als ein Werk in der Türkei neu zu errichten.
Gernot meint
«Wir würden es vorziehen, ein bestehendes Werk zu übernehmen»
Laut Medienberichten hat sich BYD bereits mehrere Werke in Europa angeschaut, bei denen die Hersteller verkaufsbereit wären und war jedes Mal entsetzt, wie rückständig und ineffizient der PKW-Bau dort abläuft. Solche antiquittierten Fertigungsstätten wollte BYD dann doch nicht.
M. meint
Man hatte sich vor Jahren auch das Ford-Werk in Saarlouis angeschaut.
Aber das wurde um 1970 gebaut – was erwartet man da?
In Werksferien kann man ein Modell umstellen, ein paar neue Maschinen aufbauen, einzelne Bereiche anpassen, aber die grundsätzliche Struktur kann man in so kurzer Zeit nicht verändern.
Dafür muss man so einen Betrieb stilllegen und alles rausreißen. Vielleicht auch das eine oder andere Gebäude abreißen und etwas anderes anbauen.
Solange die Idee ist, ein altes Werk zu übernehmen, wird man sich damit auseinandersetzen müssen. Das ist nicht nur in Europa so, sondern überall auf der Welt.
David meint
Ja, BYD will die Welt erobern und insbesondere Europa. Von den Tesla Fans hier frenetisch bejubelt, denn sie ärgern sich sehr über die Überlegenheit der deutschen Hersteller, die im Elektrozeitalter eine ausgezeichnete Figur machen. Mit den Oldtimern ihres Lieblingsherstellers konnte man da nicht mithalten, das ist als wenn man mit einem Taschenmesser zur Schießerei geht. Jetzt stellt sich allerdings heraus, auch die Bambuspfeile von BYD wurden überschätzt. Eine Fehlentscheidung mehr…
Futureman meint
Bei Ford sehen sie das eventuell etwas anders, seit sie bei den weltweiten Zulassungszahlen von BYD überholt wurden. So viele stehen jetzt nicht mehr darüber. Falls natürlich die Anteile von Batteriemodellen in China wieder unter inzwischen 66% sinken, können Ford und Co dort wieder ihre Oldtimer mit Verbrenner verkaufen.
Future meint
Eigentlich müssten es die Europäer doch gut finden, wenn BYD nach Spanien geht mit einem neuen Werk und nicht in die Türkei. Also, ich gehe schon davon aus, dass die Nachricht in Spanien sehr positiv aufgenommen wird. Anders als in Deutschland, freut man sich Spanien immer noch sehr über die vielen Investments in neue Auto- und Zellproduktionen. Und das Wetter ist ja auch besser.
M. meint
Ich bin vollkommen einverstanden damit, wenn in Spanien ein Werk gebaut wird.
Ist nicht meine einzige Forderung an diese Hersteller, aber immerhin ein Anfang.
Besser als die Türkei ist das allemal.
Aber Ungarn geht auch wieder, den ungarischen Bürgern sei Dank.
Peter meint
Ist ja logisch das BYD die Pläne auf Eis legt da seit letzter Woche Gespräche mit VW zur Übernahme des Werkes in Zwickau laufen, die Integration in die AG der VW Sachsen GmbH wurde aus fadenscheinigen Gründen auf 2029 verschoben obwohl diese laut Tarifvertrag zum 01.01.2027 stattfinden sollte und WOB 6 Jahre Zeit hatte die Systeme umzustellen ,bei erreichen der Kostenziele, welche Mosel erreicht hat, ein Schelm wer böses denkt.