Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erkennt im bidirektionalen Laden zwar großes Potenzial für die Elektromobilität, spricht sich jedoch gegen eine verpflichtende Einführung durch die EU-Kommission aus. Eine VDA-Sprecherin sagte gegenüber Tagessprung Background, eine „verpflichtende Vorgabe zur Bidirektionalität für Fahrzeughersteller, wie sie im Electrification Action Plan angedacht ist, wäre das falsche Signal und kontraproduktiv“.
Hintergrund der Debatte ist der Elektrifizierungsaktionsplan der EU-Kommission, dessen Vorstellung in Kürze geplant ist. Ein kursierender Entwurf sieht weitreichende Initiativen für die Bereiche Industrie, Verkehr und Gebäude vor. Ziel ist es, Elektroautos fest in das europäische Stromsystem zu integrieren. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Speicherkapazität in Europa massiv ansteigen, wobei die Akkus von E-Fahrzeugen als Möglichkeit zur Zwischenspeicherung eine zentrale Rolle spielen sollen.
Im Rahmen dieser Pläne wird geprüft, gesteuertes und smartes Laden als Standard in neuen Stromverträgen zu etablieren. Dies soll sicherstellen, dass Ladevorgänge automatisch bei hoher Verfügbarkeit von Grünstrom und niedrigen Preisen stattfinden. Um die Einbindung von E-Autos, Batterien und Wärmepumpen in das Netz zu verbessern, ist zudem eine Überarbeitung mehrerer Netzkodizes vorgesehen. Ergänzend sollen steuerliche Anreize, wie etwa eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Elektrifizierungstechnik, geschaffen werden.
Der VDA verweist auf die laufenden Investitionen seiner Mitgliedsunternehmen. Derzeit seien rund 30 E-Fahrzeug-Modelle für die Rückspeisung in das Heim- oder öffentliche Netz freigegeben. Für die kommenden Jahre erwartet der Verband einen deutlichen Zuwachs an Modellen und Funktionen, sofern regulatorische Hürden entfernt werden. Gefordert werden konkrete Rahmenbedingungen wie flexible Stromverträge, der Wegfall von Doppelbelastungen bei Stromneuerungskosten sowie eine Anschlussgarantie für Nutzer.
Da die Standardisierung des Gesamtsystems voraussichtlich erst 2027 abgeschlossen sein werde, würde eine vorzeitige Verpflichtung zur Bidirektionalität die Kosten und Komplexität erhöhen, erklärte die VDA-Sprecherin. Man würde „dem Hochlauf der E-Mobilität damit einen Bärendienst“ erweisen.

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